Spezialtoilette am Elisabethmarkt löst Diskussionen aus
Am Schwabinger Elisabethmarkt in München ist eine behindertengerechte Toilette eröffnet worden, die unter dem Namen „Toilette für alle“ für erhebliche Verwirrung und Unmut bei Besuchern sorgt. Denn entgegen der Bezeichnung steht die Einrichtung ausschließlich Menschen mit Behinderungen zur Verfügung, was insbesondere an sonnigen Tagen zu Frustration führt, wenn die drei normalen Toiletten auf dem Markt überlastet sind.
Offizielle Einweihung mit klärendem Piktogramm
Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) und Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) haben die Toilette nun offiziell eingeweiht, nachdem sie bereits seit dem letzten Sommer in Betrieb ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, wurde an der Tür ein rot-weißer Aufkleber mit einem Piktogramm angebracht, das einen Rollstuhl und einen Helfer vor einer Liege zeigt. Dies verdeutlicht, dass die Toilette speziell für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sowie besonderem Pflegebedarf konzipiert ist.
Zugang nur mit Euro-WC-Schlüssel
Der Zugang zur Toilette ist streng reglementiert: Nur mit einem sogenannten „Euro-WC-Schlüssel“ kann die Tür geöffnet werden. Dieser Schlüssel ist europaweit einheitlich für barrierefreie Toiletten und wird gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises ausgegeben. Die Nutzung ist kostenfrei, jedoch nur während der Öffnungszeiten des Elisabethmarkts von Montag bis Samstag zwischen 7 und 17.45 Uhr möglich. Für Notfälle hält Karl Huzcala, Betreiber eines Obst- und Gemüsestands, einen Ersatzschlüssel bereit.
Reaktionen der Marktbesucher und Händler
Die exklusive Zugänglichkeit hat in den vergangenen Monaten häufig zu Frust geführt, besonders da die Toilette direkt am Spielplatz liegt, wo sich viele Eltern und Kinder aufhalten. Beatrice Bommer, die das benachbarte „Eis & Brot“-Standl führt, berichtet, dass sich manche Besucher diskriminiert fühlen. „Andererseits“, sagt sie, „wenn ich erkläre, dass Menschen mit besonderem Pflegebedarf eine spezielle Hygiene benötigen, stoße ich auch auf großes Verständnis.“ Karl Huczala, Sprecher der Händler, betont, dass die drei normalen Toiletten an stark frequentierten Tagen nicht ausreichen und lange Warteschlangen entstehen.
Hochmoderne Ausstattung für besondere Bedürfnisse
Die „Toilette für alle“ ist mit einer Fläche von etwa zwölf Quadratmetern barrierefrei gestaltet und verfügt über eine hochmoderne Ausstattung. Dazu gehören eine höhenverstellbare Toilette mit klappbaren Stützgriffen, ein höhenverstellbares Waschbecken für Rollstuhlfahrer und eine Pflegeliege mit einem sogenannten Lifter an der Decke. Dieser Lifter ermöglicht es Pflegern, Menschen sicher aus dem Rollstuhl anzuheben, was insbesondere beim Wechsel von Einlagen oder Kathetern hygienisch und ungestört erfolgen kann. Die Spezialausstattung kostet bis zu 12.000 Euro.
Förderung und weitere Standorte
Die Toilette am Elisabethmarkt ist die 200. Einrichtung dieser Art in Deutschland, die seit 2013 in Betrieb genommen wurde. Die „Stiftung Leben pur“, vertreten durch Josefine Hille, setzt sich für den Bau solcher Toiletten an öffentlichen Plätzen ein. Das bayerische Sozialministerium fördert das Projekt mit jährlich 100.000 Euro. Weitere Standorte in München befinden sich unter anderem am Kurfürstenplatz, Marienplatz und Sendlinger Tor. Alle Standorte sind auf der Website www.toiletten-fuer-alle.de und in einer kostenlosen App verzeichnet.



