Rostock setzt auf Teilen statt Wegwerfen: In der Hansestadt wächst das Netz von Nachbarschaftsregalen. Jetzt steht auch ein Regal in Groß Klein. Irgendwann soll jeder Stadtteil in Rostock ein Nachbarschaftsregal haben. Das ist das große Ziel von Kristina Koebe vom Rostocker Verein Stadtgespräche, Initiatorin dieser einzigartigen Hilfsangebote. Doch zunächst konnte sie jetzt das fünfte Nachbarschaftsregal der Hansestadt in Groß Klein eröffnen – und zwar genau am Tag der Nachbarschaft, dem 13. Mai. Auf dem Gelände des Horts „Groß und Klein“ im Taklerring 45 ist damit ein weiterer Rostocker Ort entstanden, an dem niedrigschwellig und solidarisch Dinge geteilt und damit auch Ressourcen geschont werden können. „Rostock braucht diese Nachbarschaftsregale“, ist Kristina Koebe überzeugt.
Direkte Hilfe von Mensch zu Mensch
Der Grundgedanke: Kleidung, Spielsachen, Gebrauchsgegenstände und Hygieneprodukte, die man selbst nicht mehr benötigt, werden über das Regal an diejenigen weitergegeben, die sie noch brauchen können. Alles begann in der Zeit der Corona-Pandemie. „Geboren aus dem Wunsch, Menschen in finanziell schwierigen Lebenslagen unkompliziert und ganz praktisch zu unterstützen – direkt von Mensch zu Mensch, ohne bürokratische Hürden oder Anträge“, sagt Kristina Koebe. Den ersten, an einen Zaun gehängten Tüten folgte bald ein kleines Regal an den Wallanlagen. Später wurde hier am Rande der Schröderstraße ein größeres, stabileres Regal erbaut, das weiterhin besteht.
Kooperation und Finanzierung
Das Groß Kleiner Nachbarschaftsregal wurde möglich durch eine Kooperation zwischen der AWO Rostock, der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und dem Verein Stadtgespräche. Finanzielle Unterstützung kam von der Ehrenamtsstiftung MV, dem Kunst- und Medienzentrum Frieda 23, der AWO und dem Stadtgespräche-Verein. Auf dem Gelände der Frieda 23 in der Friedrichstraße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt war 2024 ein Nachbarschaftsregal eingeweiht worden. Dieses fiel jedoch Ende 2025 einem Brandanschlag zum Opfer. Die Frieda hatte zunächst 400 Euro gesammelt, um das Regal wieder aufzubauen. Doch daraus wurde nichts. „Dieses Geld ist jetzt dankenswerterweise in das neue Nachbarschaftsregal in Groß Klein geflossen“, sagt Kristina Koebe.
Handwerkliche Unterstützung durch RSAG-Lehrlinge
Ebenso wichtig für das Gelingen des Projekts war jedoch die Herstellung des Regals selbst. Erbaut wurde es von den Lehrlingen der RSAG unter Leitung ihres Ausbilders Nils Johannsen. „Wir freuen uns sehr, dass nun auch in Groß Klein ein Nachbarschaftsregal steht“, erklärt Kathrin Krug aus dem Börgerhus, dem AWO-Stadtteil- und Begegnungszentrum (SBZ). „Es ist nicht nur ein Ort des Teilens und der gegenseitigen Unterstützung, sondern leistet auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Ich hoffe, dass alle Menschen aus Groß Klein mit Sorge dafür tragen, dass das Nachbarschaftsregal gut bestückt wird und aufgeräumt bleibt.“
Netzwerk wächst stetig
Neben dem Regal in den Rostocker Wallanlagen gibt es inzwischen auch ein Hol-und-Bringe-Regal am SBZ in der Südstadt, ein Regal auf dem Gelände der St. Thomas-Gemeinde Lichtenhagen, eines auf dem Gelände des SBZ Evershagen und ein Regal vor dem Wossidlo-Club in Schmarl. „Damit ist inzwischen tatsächlich schon ein Netzwerk entstanden, das verschiedene Teile von Rostock miteinander verbindet“, so Kristina Koebe. „Wir hoffen natürlich, dass es zukünftig noch weiter wächst, in den Nordwesten und auch in den Nordosten der Stadt hinein.“
Weitere Nachbarschaftsregale wünscht sich Kristina Koebe demnächst in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und Reutershagen. „Doch es gibt noch keine konkreten Pläne“, sagt sie. „Offiziell wünschen wir uns erstmal, dass die Regale an den bestehenden Standorten weiter so gut funktionieren, das ist eine tolle Gemeinschaftsleistung vieler Menschen“, unterstreicht sie.



