Güstrower Innenstadt kämpft mit Leerstand: Parkplatzmangel treibt Geschäfte in die Krise
Parkplatzmangel in Güstrow: Geschäfte schließen, Supermarkt droht Wegzug

Güstrower Innenstadt im Abwärtstrend: Parkplatznot beschleunigt Geschäftsschließungen

Die historische Innenstadt von Güstrow präsentiert sich außerhalb der traditionellen Markttage zunehmend wie eine Geisterstadt. Mit Besorgnis beobachten Bürger und Gewerbetreibende, wie etablierte Geschäfte ihre Pforten schließen oder kurz davor stehen. Die Parfümerie Bernhardi, der traditionsreiche Ratskeller, das Modehaus am Pferdemarkt, das Traditionshaus Wiedewald und die Mecklenburger Backstuben gehören zu den prominenten Verlusten. Diese Entwicklung wirft dringliche Fragen nach den Ursachen auf – und ob die eingeschränkte Erreichbarkeit der Innenstadt eine zentrale Rolle spielt.

Erreichbarkeit als entscheidender Faktor für den Einzelhandel

Studien belegen, dass für etwa die Hälfte aller Kunden die Möglichkeit, direkt mit dem Auto vor einem Geschäft halten zu können, ein entscheidendes Kriterium für ihren Einkauf darstellt. In ausgedehnten Fußgängerzonen ohne direkte Anfahrtmöglichkeit sinkt die Kundenfrequenz laut Einzelhandelsverbänden häufig um mehr als 50 Prozent. In Güstrow gestaltet sich die Parkplatzsituation in der Kernstadt besonders problematisch: Während der aktuellen Baumaßnahmen am Markt stehen dort keine freien Stellflächen mehr zur Verfügung. Die umliegenden Parkplätze sind überwiegend gebührenpflichtig und nur für kurze Zeit nutzbar. Zwar existieren fußläufig erreichbare Parkmöglichkeiten wie „Am Wall“, doch diese liegen weiter entfernt vom eigentlichen Einzelhandelsgeschehen.

Cap-Markt erwägt Wegzug – Anwohner kritisieren Situation

Diese schwierigen Rahmenbedingungen könnten nun sogar zum Verlust eines wichtigen Lebensmittelgeschäfts führen. Der Cap-Markt am Marktplatz prüft aktuell einen möglichen Wegzug. Geschäftsführer Björn Kozic führt als Gründe unter anderem die fehlende Direktanbindung für Autofahrer und ungünstige Lieferbedingungen an. Auch Anwohner äußern deutliche Kritik an der Parkplatzsituation. Ingrid Niemann aus Güstrow berichtet, wie beschwerlich es für ihre ältere Mutter sei, die Einkäufe bis nach Hause zu tragen. Katrin Goll und David Gabler bemängeln ebenfalls, dass die vorhandenen Parkplätze nicht ausreichen, um entspannt einkaufen zu können. Ein zusätzliches Problem: Auf dem großen Schlossparkplatz lassen Raben regelmäßig Zweige auf parkende Fahrzeuge fallen, was viele Autobesitzer davon abhält, ihren Wagen dort abzustellen.

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Stadtverwaltung plant Ausbau der Parkmöglichkeiten

Laut dem offiziellen Verkehrskonzept der Stadt stehen in der Güstrower Altstadt aktuell 341 Parkplätze zur Verfügung, an der Peripherie weitere 646 Stellflächen – inklusive des umstrittenen Schlossparkplatzes. In der Kernzone kostet das Parken für 30 Minuten 50 Cent, die Höchstparkdauer beträgt eineinhalb Stunden. Anwohner können einen ganzjährig gültigen Parkausweis für 75 Euro erwerben – im Vergleich zu Schwerin, wo für einen vergleichbaren Ausweis 120 Euro fällig werden. Die Stadtverwaltung hat nun konkrete Pläne zur Verbesserung der Situation am Markt vorgelegt: Aus bisher 13 Stellplätzen und einer Ladezone sollen künftig 17 reguläre Parkflächen entstehen. Ergänzt wird dieses Angebot durch eine spezielle Motorradfläche, zwei Behindertenstellplätze, zwei Ladezonen sowie sechs Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge.

Hoffnung auf Belebung der Innenstadt

Die Markierungs- und Beschilderungsarbeiten für die neuen Parkflächen sind für die Monate März und April vorgesehen, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Genutzt werden können die erweiterten Stellmöglichkeiten nach Fertigstellung des gesamten Marktplatzumbaus. Die Stadt hofft, dass das verbesserte Parkplatzangebot zu einer spürbaren Belebung der Innenstadt beitragen und dem besorgniserregenden Trend der Geschäftsschließungen entgegenwirken wird. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Einzelhandel in der historischen Altstadt langfristig zu stabilisieren, bleibt jedoch abzuwarten. Die Geschäftsinhaber und Anwohner blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft ihrer Innenstadt.

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