Seit 1991 flossen über 50 Millionen Euro Städtebaufördermittel nach Perleberg. Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums und des bundesweiten „Tags der Städtebauförderung“ besuchte Brandenburgs neuer Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) die Stadt, um sich über aktuelle Projekte zu informieren. „Ich bin total stolz auf das, was Sie geleistet haben“, lobte er die Sanierungsarbeiten vor Ort.
Quartierssanierung in der Heilige-Geist-Straße
Seit 2013 entsteht in der Heilige-Geist-Straße / Ecke Karl-Marx-Straße ein altes Stadtquartier neu. Rund 4,1 Millionen Euro wurden in die schrittweise Sanierung historischer Gebäude investiert, unterstützt durch die Städtebauförderung. Bauamtsleiter Hagen Boddin erläuterte, dass die Arbeiten 2013 mit dem Gebäude Heilige-Geist-Straße 5 begannen. Das Haus von 1859 beherbergt heute acht Wohnungen mit 550 Quadratmetern Fläche. Insgesamt flossen 1,35 Millionen Euro in dieses Projekt, davon 608.000 Euro aus Städtebaufördermitteln.
In den Jahren 2015/16 folgte die Sanierung der Karl-Marx-Straße 9/10 – ein großes Gebäude mit fast 800 Quadratmetern, das für Wohn- und Gewerbezwecke genutzt wird. „Das Quartier hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich verändert“, betonte Boddin. Zum Komplex gehört auch das drittälteste Gebäude Perlebergs: das Wohnhaus in der Karl-Marx-Straße 8, erbaut 1555. Es überstand den Stadtbrand von 1638 während des Dreißigjährigen Krieges sowie beide Weltkriege.
Herausforderungen bei der Finanzierung
Solche Sanierungen sind kostspielig und oft für private Investoren wenig lukrativ. Boddin lobte daher die Städtebauförderung, die besonders in Ostdeutschland viel bewirkt habe. Die GWG Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt erwarb 2011 die damaligen Ruinen und sanierte sie, wie Geschäftsführer Ronald Otto berichtete. Durch den Einbau von Aufzügen entstanden barrierefreie Wohnungen in der Innenstadt, und Balkone wurden angebaut, um das Quartier attraktiver zu gestalten.
Besonderes Projekt: Heilige-Geist-Straße 3/4
Ein besonderes Objekt präsentierte Otto dem Minister: das Fachwerkgebäude Heilige-Geist-Straße 3/4. „Das Fachwerkgebäude haben wir vor zehn Jahren gesichert, ein Dach draufgemacht und wussten nicht, was wir damit machen sollten“, erklärte Otto. Das Gebäude hat einen zeittypischen Mittelgang, der es in zwei Hälften teilt – für Wohnungen wenig geeignet. Die GWG nutzte eine Baulücke: Das Nachbarhaus Nummer 4 wurde 1977 abgerissen. Stattdessen entstand ein Neubau mit Treppenhaus und Aufzug. Beide Gebäude sind über Durchgänge verbunden, sodass die oberen Stockwerke über den Neubau erschlossen werden.
Günstige Mieten und letzte Bauarbeiten
Rund 1,3 Millionen Euro investiert die GWG in dieses Projekt, finanziert aus Städtebaumitteln und Wohnungsbauförderung. „Wir sind jetzt in den letzten Atemzügen. In gut zwei Monaten kommen dann die Außenanlagen dran“, so Otto. Vier Wohnungen zwischen 60 und 93 Quadratmetern entstehen, die Miete liegt bei 5,50 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter. Luca Thiede vom Architekturbüro Klaus Röpke bot Führungen für interessierte Besucher an.
Bundesweite Bedeutung der Städtebauförderung
Minister Crumbach betonte, dass in den vergangenen 35 Jahren rund 4,1 Milliarden Euro in Brandenburg ausgegeben wurden. „Was wir hier in Perleberg oder Neuruppin begonnen haben, hat bundesweite Bedeutung“, sagte er. Es sei kein von oben verordnetes Programm, sondern die Planung erfolge vor Ort in den Kommunen. „Sie sehen ja, was sich in den letzten 35 Jahren in Ihrer Stadt verändert hat. Und diese Veränderung haben Sie, haben wir gemeinsam herbeigeführt.“
Bürgermeister Axel Schmidt dankte dem Land Brandenburg für die finanzielle Unterstützung. „Ohne das Infrastrukturministerium hätten wir unsere Altstadt in den letzten Jahrzehnten so nicht entwickeln können“, unterstrich er. Er zeigte dem Minister zudem ein weiteres Projekt: das Gebäude Großer Markt 10. Dort sollen künftig die Stadtbibliothek und -information sowie ein neuer Veranstaltungssaal entstehen.



