Untergiesings verborgene Perle: Vom Regenbogen-U-Bahnhof zur Löwen-Hochburg
Regenbogen-U-Bahnhof und Löwen-Kult in Untergiesing

Untergiesings verborgene Perle: Vom Regenbogen-U-Bahnhof zur Löwen-Hochburg

Oberflächlich betrachtet wirkt der Candidplatz in München-Untergiesing wie ein typischer Verkehrsknotenpunkt: Beton, Abgase und der stete Fluss von Stadtbussen prägen das Bild. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt unter der grauen Oberfläche eine leuchtende Welt voller Farben, Fußballleidenschaft und nachbarschaftlichem Zusammenhalt. Dieser Stadtteil verbindet auf charmante Weise Kunst, Alltagsleben und lokale Traditionen.

Eine unterirdische Regenbogenwelt

Wer die Rolltreppe am Candidplatz hinab zur U1 nimmt, taucht in eine faszinierende Farbenpracht ein. Die U-Bahn-Station erstrahlt in kräftigen Regenbogenfarben, die fließend ineinander übergehen – von Rot über Gelb und Grün bis hin zu tiefem Blau. Die besondere Kurvenlage der Haltestelle verstärkt diesen optischen Effekt noch zusätzlich und verwandelt den eigentlich funktionalen Raum in ein fast museales Erlebnis.

Die künstlerische Gestaltung stammt von Alfons Wagner und Reinhold Knoll, die sich mit einem kleinen, orangefarbenen Schmetterling an der Hintergleiswand verewigt haben. Der Name der Station erinnert an den flämischen Maler Peter Candid, der ab 1586 in München wirkte. Die farbliche Gesamtkonzeption entwickelte Sabine Koschier in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Egon Konrad und dem damaligen U-Bahn-Referat der Stadt.

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Bodenständiges Leben über Tage

Verlässt man die unterirdische Farbenpracht in Richtung Pilgersheimer Straße und Jakob-Gelb-Platz, zeigt sich ein ganz anderes Gesicht Untergiesings. Statt Verkehrstrubel herrscht hier das ruhige Treiben eines gewachsenen Wohnviertels. In der Frühlingssonne plaudern Rentnerinnen zwischen Einkauf und Friseurbesuch, während bairische Sprüche an Supermarktfassaden für Schmunzler sorgen.

Die blauen Wurzeln des Viertels sind allgegenwärtig: An nahezu jeder Fläche finden sich Sticker der Löwen-Fans, und die lokalen Boazn werden klar vom TSV 1860 München dominiert. In der Kultkneipe Ingrids Bierstüberl hängen Schals, Nummernschilder und sogar blaue Gartenzwerge – alles Erinnerungsstücke, die das Löwenherz höherschlagen lassen.

„Wir haben auch einige rote Stammgäste. Das ist gar kein Stress bei uns“, erzählt Stammgast Andreas Pfeffer. Sein Sitznachbar Christian Lochmüller ergänzt: „Die Burschen, die hierher kommen, sind so nett, das ist unglaublich.“ Beide betonen die besondere Gemeinschaft im Viertel: „Hier halten die Leute noch zusammen. Man trifft sich, man kennt sich, und das ist das Schöne hier.“

Verbindende Infrastruktur und Barrierefreiheit

Die U-Bahn-Station am Candidplatz bildet nicht nur einen künstlerischen Höhepunkt, sondern auch das verkehrstechnische Herz des Viertels. Alle zehn Minuten fahren die Wagen der Linie U1 Richtung Innenstadt oder Mangfallplatz und verbinden so die unterschiedlichsten Menschen miteinander.

Ein besonderer Pluspunkt ist die vorbildliche Barrierefreiheit der Station. Die Rampe am Eingang ermöglicht Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen einen problemlosen Zugang zu den Gleisen – keine Selbstverständlichkeit im Münchner U-Bahn-Netz. „Wir haben hier eine wirklich gute Anbindung“, bestätigt Anwohnerin Klara Bucher, die seit 40 Jahren in Untergiesing lebt.

Die gebürtige Allgäuerin schätzt besonders die Sicherheit, die der belebt U-Bahnhof vermittelt: „Gerade weil hier meistens viele Menschen unterwegs sind, empfinde ich die Umgebung als sicher.“

Ein Viertel mit Charakter

Untergiesing beweist, dass sich urbanes Leben und lokale Identität perfekt verbinden lassen. Zwischen der künstlerischen U-Bahn-Station, der Fußballleidenschaft für die Löwen und der nachbarschaftlichen Verbundenheit zeigt sich hier ein München, das bodenständig und liebenswert zugleich ist.

Der Candidplatz mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch wer ihn näher kennenlernt, entdeckt einen inspirierenden Ort, der Kunst, Sport und Gemeinschaftsgeist in einzigartiger Weise vereint. In einer Zeit zunehmender Anonymität in Großstädten bewahrt Untergiesing damit ein besonderes Stück Münchner Lebensqualität.

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