Rostocks Innenstadt-Baustelle: Investor schweigt, Bauarbeiten ruhen seit Jahren
Hoch ragen die Pressspanplatten in den Himmel und umschließen die Fläche an der Ecke Rungestraße/Rostocker Heide wie eine undurchdringliche Mauer. Doch selbst dieser Bauzaun kann nicht verbergen, was sich dahinter verbirgt: Eine verwaiste Baustelle, auf der an diesem Apriltag keine Bauarbeiter zu sehen sind. Stattdessen nehmen Enten in den mit Regenwasser gefüllten Vertiefungen ein Bad – ein Bild, das so gar nicht zum geplanten Gebäudekomplex passen will.
Stadt bezeichnet Baustelle als Missstand
„Wir betrachten die Baustelle als Missstand mitten im Stadtzentrum“, erklärt Rathaussprecherin Kerstin Kanaa auf Nachfrage. „Es ist sehr bedauerlich, dass der Investor das genehmigte Projekt bisher nicht realisiert hat.“ Die Randalswood Germany GmbH, die bereits das benachbarte Hanse-Karree erfolgreich fertigstellte, scheint bei ihrem Nachbarprojekt zur Dauerbaustelle geworden zu sein.
Die Stadtverwaltung kommt bei ihren Bemühungen nicht weiter. „Die letzten Gespräche fanden im Frühjahr 2025 statt“, so Kanaa. „Dabei wurde dringend darum gebeten, endlich mit dem Bau zu beginnen. Verschiedene Umsetzungsoptionen wurden besprochen, die leider nicht aufgegriffen wurden.“ Der Investor, ein Gemeinschaftsunternehmen der irischen McGrath Group Properties und der Berliner DRC Immobilien GmbH, bleibt auf alle Nachfragen stumm.
Baugenehmigung läuft im Mai aus
Die Situation wird durch den Ablauf der Baugenehmigung zusätzlich verschärft. Diese wurde am 16. Mai 2023 erteilt – bereits die zweite Genehmigung, nachdem der Investor die Aufteilung des gesamten Baus nochmals änderte. Die Genehmigung ist nur drei Jahre gültig und läuft damit im Mai dieses Jahres aus.
Interessanterweise liegt nun ein Antrag auf Verlängerung vor, wie das Bauamt Mitte April mitteilte. Dies deutet darauf hin, dass Randalswood das Projekt doch noch umsetzen möchte. Allerdings bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Wann sollen die Bauarbeiten endlich wieder aufgenommen werden?
Das geplante Projekt
Geplant war auf der Fläche am Glatten Aal ein umfangreicher Gebäudekomplex mit folgenden Bestandteilen:
- 135 Ein- bis Vierraumwohnungen zur Miete
- Eine Tiefgarage für die Bewohner und Besucher
- Gewerbeflächen im Erdgeschoss für Geschäfte und Dienstleister
- Ein Hotel der Kette Premier Inn mit 200 Zimmern
Bereits Ende 2024 hatte sich der Investor aufgrund gestiegener Baukosten für eine neue Baumethode mit Spannbeton entschieden, die einen geringeren Materialeinsatz versprach. Doch seitdem hat sich nichts getan. Die Vertiefungen auf der Baustelle, die damals bereits zu sehen waren, sammeln weiterhin Regenwasser – zur Freude der Enten, aber zum Ärger der Stadt und ihrer Bürger.
Die Baugenehmigung gewährt zwar ein Baurecht, aber keine Baupflicht, wie Kanaa betont. Doch während die Zeit verrinnt und die Baustelle zum Schandfleck in der Innenstadt wird, bleibt die entscheidende Frage offen: Wann endlich wird aus der verwaisten Baustelle ein lebendiger Teil der Rostocker Innenstadt?



