Rostocker Hochhaus in der Ziolkowskistraße: Abriss geplant, letzter Mieter wehrt sich
In der Rostocker Südstadt steht ein zwölfgeschossiges Wohnhaus vor dem Abriss. Das Gebäude in der Ziolkowskistraße 11 ist in einem maroden Zustand und dringend sanierungsbedürftig. Die Eigentümerin, die Wohnungsgenossenschaft (WG) Süd, hat bereits im Sommer 2024 allen 120 Mietern die Kündigung ausgesprochen. Die meisten Bewohner sind mittlerweile ausgezogen, doch ein Mieter weigert sich, das Haus zu verlassen.
Letzter Mieter harrt aus – Räumungsklage eingereicht
„Wir haben eine Räumungsklage eingereicht“, erklärt Anja Sawitzki, Vorständin der WG Süd. Die Genossenschaft muss den Betrieb des Gebäudes aufrechterhalten, obwohl sie den Abriss plant. Sawitzki rechnet damit, dass sich die Angelegenheit innerhalb der nächsten zwei Monate klären wird. Die übrigen Mieter konnten erfolgreich umgesiedelt werden – einige fanden bei der WG Süd neue Wohnungen, andere wurden von WG Schiffahrt-Hafen und der Wiro aufgenommen. Die Genossenschaft übernahm für langjährige Bewohner sogar die Umzugskosten.
Stadtplanung und WG Süd favorisieren unterschiedliche Konzepte
Nach dem Abriss soll etwas Neues entstehen, doch hier gehen die Vorstellungen von Stadtverwaltung und WG Süd auseinander. Die Genossenschaft plant zwei Gebäude mit fünf und acht Geschossen, geschätzte Kosten: 22 bis 23 Millionen Euro. Die Stadt Rostock hingegen besteht auf einem neuen Hochhaus, da das marode Gebäude Teil eines Ensembles von vier Hochhäusern entlang des Südrings ist. „Diese Gebäude sind, zusammen mit dem Hyparschalenbau ‚Kosmos‘, prägend für die Südstadt und damit aus städtebaulicher Sicht sowie zur Identifikation mit dem Stadtteil von besonderer Bedeutung“, betont Rathaussprecherin Kerstin Kanaa.
Finanzielle Hürden und gerichtliche Auseinandersetzungen
Die Stadt lehnte einen Bauvorbescheid für die Zweigebäude-Lösung ab, woraufhin die WG Süd Klage beim Verwaltungsgericht Schwerin einreichte. Das Verfahren ruht derzeit, da die Genossenschaft prüft, ob sie sich ein neues Hochhaus finanziell leisten kann. Ein Planungsbüro wurde mit einer Entwurfsplanung und Kostenschätzung beauftragt. „Wenn die Kostenschätzung im Rahmen ist, wie wir hoffen, dann werden wir eine Baugenehmigung zum Bau eines Hochhauses einreichen“, sagt Sawitzki. Die geschätzten Kosten liegen bei etwa 25 Millionen Euro.
Warum eine Sanierung keine Option ist
Eine erneute Sanierung des in den 1960er Jahren erbauten Hochhauses kommt für die WG Süd nicht infrage. Zwar wären die geschätzten 15 Millionen Euro zunächst günstiger als ein Neubau, doch die Restnutzungsdauer würde sich nur um 20 bis 25 Jahre verlängern. Um die Sanierungskosten zu refinanzieren, müssten Kaltmieten von über 20 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. „Das wollen wir nicht, wir wollen ein sozialorientierter Vermieter sein“, erklärt Vorstand Björn Rudolph. Die aktuellen Kaltmieten der WG Süd in der Südstadt liegen bei 14 bis 15 Euro.
Neues Hochhaus mit längerer Lebensdauer und familienfreundlichen Wohnungen
Ein Neubau würde eine Nutzungsdauer von etwa 80 Jahren bieten. Die Sanierung wäre besonders teuer, da die Hochhausrichtlinie MV von 2009, insbesondere Brandschutzvorschriften, umgesetzt werden müsste. Zudem wären umfangreiche Arbeiten an der Elektrik, den 120 Balkonen und dem undichten Dach notwendig. Das neue Projekt sieht keine Einraumwohnungen mehr vor, sondern Zwei- bis Fünfraumwohnungen, da sich die Südstadt zunehmend zu einem familienfreundlichen Viertel entwickelt.
Gründungsstandort bleibt erhalten – Verkauf ausgeschlossen
„Wir haben schon darüber nachgedacht, das Gebäude zu verkaufen, damit wir diesen Ballast loswerden, aber am Ende kam es nicht infrage“, sagt Sawitzki. Der Standort sei „toll“ und der Gründungsstandort der WG Süd. Wenn alles nach Plan läuft, könnte bis Jahresende eine Baugenehmigung eingereicht werden. Die WG Süd verfügt derzeit über rund 2200 Wohnungen in Rostock, ein Viertel davon in Süd- und Innenstadt. Parallel laufen bereits zwei weitere Neubauprojekte in der Majakowskistraße und Schwaaner Landstraße.



