Rostocker Einkaufszentren: Neuer Investor in Sicht, Mieter setzen auf Selbstverwaltung
Rostock: Neuer Investor für Einkaufszentren, Mieter bleiben skeptisch

Rostocker Einkaufszentren in der Schwebe: Investor-Gerüchte und Mieter-Realität

In der Hansestadt Rostock halten sich hartnäckige Gerüchte über einen möglichen neuen Investor für die beiden bedeutenden Einkaufszentren Südstadt-Center und Klenow Tor. Diese Entwicklung folgt auf die Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gegen die Hedera Bauwert GmbH durch das Amtsgericht Charlottenburg in Berlin. Trotz dieser scheinbar positiven Nachricht zeigen sich die Mieter vor Ort jedoch ausgesprochen zurückhaltend und setzen weiterhin auf ihre eigene Lösung zur Sicherung der Infrastruktur.

Berliner Insolvenzverfahren mit begrenzter Rostocker Relevanz

Das im April eingeleitete vorläufige Insolvenzverfahren gegen die Hedera Bauwert GmbH, eine 90-prozentige Tochter der Hedera Gruppe, wirft zwar Schlagzeilen, hat jedoch für die konkrete Situation in Rostock nur eingeschränkte Bedeutung. Wie der von den Mietern beauftragte Rechtsanwalt Thomas Knüppel erläutert, ist die Hedera Bauwert weder direkte Vermieterin noch Gesellschafterin der lokalen Vermietergesellschaften. Das Verfahren dient zunächst der Klärung, ob überhaupt ein Insolvenzgrund vorliegt und ob ausreichend Masse für die Verfahrenskosten vorhanden ist.

Komplexe Firmenstrukturen erschweren die Lage erheblich. Die Hedera Gruppe betreibt über zahlreiche Projektgesellschaften insgesamt neun Einkaufszentren in Deutschland, wobei jede dieser Gesellschaften rechtlich als eigenständiges Unternehmen gilt. Ein zentrales Register für solche Konstrukte existiert nicht, was Ermittlungen und Transparenz massiv behindert. Laut Angaben des Berliner Senats laufen aktuell mehrere Verfahren verschiedener Akteure, darunter die Staatsanwaltschaft Berlin, gegen die Hedera Bauwert GmbH, wobei genaue Zahlen aus ermittlungstaktischen Gründen nicht öffentlich gemacht werden.

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Mieter ergreifen Initiative mit GbR zur Selbstverwaltung

Angesichts wiederkehrender Probleme wie abgestellter Heizungen, Müllbergen und ausgebliebener Zahlungen an Ver- und Entsorger haben die Mieter des Südstadt-Centers bereits im vergangenen Jahr die Initiative ergriffen. Sie gründeten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die als eine Art Selbstverwaltungskonstrukt fungiert. Hannes Werner, Inhaber des Optikergeschäfts Augenoptik Werner im Südstadt-Center und Geschäftsführer der GbR, erklärt das Prinzip: Die Mieter behalten Teile der Nebenkosten ein und bezahlen damit direkt die Versorger wie die Rostocker Stadtwerke.

„Der Status quo ist erst einmal eingefroren“, betont Rechtsanwalt Thomas Knüppel. Dass die Zentren möglicherweise verkauft worden sein sollen, mache zwar Hoffnung auf Besserung, aber das aktuelle Funktionieren verdanke sich vor allem dem Engagement der Mieter und zahlreicher lokaler Akteure. Durch die GbR ist sichergestellt, dass lebenswichtige Versorgungsleistungen wie Wasser, Abwasser und Fernwärme weiterfließen, selbst wenn der Eigentümer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt.

Zukunftsaussichten: Vorsichtiger Optimismus basiert auf lokalem Engagement

Für die kommenden Winter äußert sich Knüppel vorsichtig optimistisch bezüglich der Versorgung und Infrastruktur der Rostocker Zentren. Dieser Optimismus speist sich jedoch nicht aus den Berliner Verfahren, sondern aus der erfolgreichen Zusammenarbeit vor Ort. „Aber das hat nichts mit den Verfahren in Berlin zu tun, sondern mit dem Engagement der Mieter in Zusammenarbeit mit den Versorgern hier vor Ort“, stellt der Anwalt klar.

Mittels der GbR können in enger Absprache mit dem Vermieter auch Ersatzvornahmen wie kleinere Reparaturen durchgeführt werden. „Auch wenn die Kommunikation holprig ist“, so Knüppel, „haben wir hier in enger Zusammenarbeit verschiedenster Akteure zu einem Status quo gefunden, der in einem ersten Schritt den Weiterbetrieb des Südstadt-Centers sichert.“ In einem zweiten Schritt sollen nun die Zustände durch gezielte Reparaturarbeiten verbessert werden. Das zentrale Ziel der GbR bleibt dabei unverändert: Die wichtigen Zentren mit ihren Ärzten, Apotheken, Supermärkten, Optikern und dem Dialysezentrum für die Rostocker Bevölkerung zu erhalten und langfristig zu stabilisieren.

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