Rostocks Baustellen: Vom Verkehrshindernis zum Symbol des Wandels
Wer mit dem Auto durch Rostock fährt, verbringt einen erheblichen Teil der Zeit im Wartezustand. Nicht nur rote Ampeln, sondern vor allem die zahlreichen Baustellen bringen den Verkehr regelmäßig zum Erliegen und fordern Geduld von allen Beteiligten.
Die imposante Liste der Baumaßnahmen
Auf der offiziellen Website der Hanse- und Universitätsstadt findet sich eine beeindruckende Aufzählung aktueller Baustellen. Von der Erich-Schlesinger-Straße über die Fritz-Reuter-Straße bis hin zum Patriotischen Weg und der Tessiner Straße erstrecken sich die Sanierungs- und Umbauprojekte. Es handelt sich hierbei nicht um subjektive Wahrnehmung, sondern um messbare Tatsachen: Rostock wird grundlegend saniert und umgestaltet.
Die Hauptlast tragen dabei die Anwohner, die mit Baulärm konfrontiert sind, sowie die Autofahrer, die täglich neue Umwege finden müssen. Die städtische Website formuliert dies nüchtern: „In vielen Bereichen der Stadt werden Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt, welche den Verkehrsfluss beeinflussen oder gar zu Sperrungen führen.“ Der Ärger, den diese Maßnahmen bei denen auslösen, für die die Stadt eigentlich verschönert werden soll, bleibt dabei unerwähnt.
Historische Perspektive: Rostock war schon immer im Wandel
Ein tröstlicher Gedanke könnte sein, dass Rostock bereits in seiner langen Geschichte stets Veränderungen durchlaufen hat. In den Essays des Buches „Walter Kempowski: Mein Rostock“, herausgegeben von Heimo Schwilk, finden sich interessante Stadtbeschreibungen. Dort heißt es: „Hauptverkehrsader ist die 1953 angelegte Lange Straße mit ihren im Speicherhausstil gehaltenen monumentalen Fassaden.“
Weiter wird beschrieben: „Auch am Neuen Markt mit seinem prachtvollen Barock-Rathaus, das einmal von 34 Giebelhäusern umstanden war, stoßen heute sozialistische Einheitsarchitektur und liebevoll restaurierte Bürgerhäuser hart aufeinander.“ Das Fazit dieses Nachwendetextes fällt überraschend positiv aus: „So ist Rostock ein Platz, an dem städtebauliche Sünden und restauratorische Glanzleistungen ein eigentümliches, bisweilen sogar reizvolles Amalgam bilden.“ Diese Charakterisierung trifft auf wenige andere Hansestädte Deutschlands in ähnlicher Weise zu.
Vergleich mit anderen Hansestädten
Der Blick auf konkurrierende Städte wie Hamburg und Lübeck kann durchaus Mut machen. Von Freunden und Bekannten, die diese Städte kürzlich besucht haben, hört man nicht unbedingt euphorische Berichte über deren Zustand und Atmosphäre. Stattdessen fallen Begriffe wie „Verfall“ und „immer hässlicher“.
Vor diesem Hintergrund könnten Rostocks viele Baustellen sogar als positives Signal interpretiert werden. Sie zeigen, dass die Stadt nicht in Stillstand verfällt, sondern aktiv lebt und sich weiterentwickelt. Diese Perspektive mag helfen, wenn man das nächste Mal mit dem Wagen in der Innenstadt feststeckt und nicht so vorankommt, wie man es sich wünscht.
Die Baustellen, so lästig sie im Alltag auch sein mögen, sind letztlich Ausdruck einer urbanen Vitalität, die Rostock seit Jahrhunderten prägt. Sie stehen in der Tradition des steten Wandels, der diese Hansestadt zu dem gemacht hat, was sie heute ist: Ein Ort, wo Geschichte und Gegenwart sich auf einzigartige Weise verbinden.



