Rostocks Warnowquartier: Neues Konzept mit Verkaufsmodell soll Mega-Projekt vorantreiben
Warnowquartier Rostock: Neues Konzept mit Verkauf statt Verpachtung

Rostocks Warnowquartier: Strategiewende mit Verkaufsmodell und neuem Herzstück

Das ambitionierte Warnowquartier-Projekt in Rostock erfährt eine bedeutende strategische Neuausrichtung. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung auf dem rund 220.000 Quadratmeter großen Filetgrundstück am östlichen Ufer der Unterwarnow setzt die Stadtverwaltung nun auf konkrete Maßnahmen, um das ins Stocken geratene Vorhaben wieder in Schwung zu bringen.

Vom Erbbaurecht zum Verkaufsmodell: Attraktivität für Investoren steigern

Ein zentraler Punkt der neuen Strategie betrifft die Vergabe der kommunalen Grundstücke. Bisher hatte das Erbbaurecht, bei dem die Stadt Eigentümerin der Grundstücke bleibt, potenzielle Investoren abgeschreckt. Wohnungs- und Bauunternehmen zeigten kaum Interesse, da sie Grundstücke lieber erwerben als pachten möchten.

„Es ist uns zu teuer, dort zu bauen und entspricht nicht unserem Anspruch, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, erklärte beispielsweise Roland Blank, Vorstand der Rostocker Wohnungsgenossenschaft Schiffahrt-Hafen, bereits im vergangenen Jahr.

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Nun soll das Erbbaurecht für fünf spezifische Baufelder – bezeichnet als MU B, MU D, MU G, MU H und MU I – fallen. In einer Beschlussvorlage für die Bürgerschaft heißt es dazu: „Für die Veräußerung zum Verkauf sollen diese Teilgebiete angeboten werden.“ Sybille Bachmann vom Rostocker Bund in der Bürgerschaft unterstreicht: „Es muss nicht alles Erbbaurecht sein.“

Haus der Nachbarschaft ersetzt Mehrgenerationenhaus als neues Herzstück

Parallel zur Änderung des Vergabemodells erfolgt eine inhaltliche Neuausrichtung des Projekts. Das ursprünglich als Herzstück geplante Mehrgenerationenhaus wird in seiner konzipierten Form nicht umgesetzt. Stattdessen entsteht ein „Haus der Nachbarschaft“, das vom kommunalen Wohnungsunternehmen Wiro errichtet werden soll.

Die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS) sucht aktuell nach Akteuren mit innovativen Konzepten für dieses Vorzeigeprojekt. Gesucht werden Ideen für Kultur, Bildung, Beratung, Nachbarschaft, soziale Innovation, Gesundheitsangebote und neue Formen der Quartiersarbeit. RGS-Sprecherin Jana Stranghöner bestätigt, dass bereits erste Interessenbekundungen vorliegen. Die Frist für Konzepteinreichungen endet am 27. März.

Weitere Anpassungen und zukünftige Perspektiven

Weitere Änderungen betreffen den geplanten Neubau der Theaterwerkstätten im Quartier. Aufgrund deutlich gestiegener Kosten und langer Planungszeiten wird dieser Standort aufgegeben. Stattdessen sollen die Theaterwerkstätten an einem kostengünstigeren Standort in der Südstadt Rostocks errichtet werden.

Für ein weiteres Gebäude im Quartier – das Haus „Gesund Wohnen“ – sucht die Stadt weiterhin einen privaten Investor, allerdings erneut im Erbbaurecht. Dieses Gebäude soll ein „zentraler Baustein der Quartiersentwicklung“ werden, mit Fokus auf generationenübergreifendes, barrierefreies und sozial orientiertes Wohnen sowie quartiersbelebende Nutzungen.

„Dennoch können wir mitteilen, dass das Interesse grundsätzlich vorhanden ist. Anfragen zu Investitionsmöglichkeiten und Wohnungen gehen bei uns regelmäßig ein“, so Jana Stranghöner von der RGS.

Das Warnowquartier bleibt ein ambitioniertes Projekt mit Modellcharakter für Rostock. Geplant sind mehr als 1000 Wohnungen, die Schaffung von etwa 1000 Arbeitsplätzen und eine zukünftige Einwohnerzahl von über 2000 Menschen. Die Investitionssumme beläuft sich auf weit über 60 Millionen Euro. Mit den nun beschlossenen strategischen Anpassungen hofft die Stadt, das Projekt endlich in die Umsetzungsphase zu bringen.

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