Asbest in Spielsand: Rostocker Händler reagieren, Kitas bleiben gelassen
Asbest in Spielsand: Rostocker Händler reagieren (26.03.2026)

Asbest in Spielsand: Rostocker Händler reagieren, Kitas bleiben gelassen

Verbraucherschützer raten aktuell vorsorglich davon ab, Sandspiel-Produkte für den Innenbereich zu verwenden, bis eindeutig geklärt ist, ob diese Asbest enthalten oder nicht. Auch in Rostock sind Händler und Kita-Betreiber durch die jüngsten Test-Ergebnisse alarmiert, zeigen jedoch unterschiedliche Reaktionen.

Tests finden teils hohe Belastungen in Spiel- und Dekosand

In Proben von Spiel- und Dekosand wurden teilweise erhebliche Anteile von Asbest nachgewiesen. Seit Wochen gehen deshalb Rückrufe durch den stationären und den Online-Handel. Betroffen sind diverse Dekosande, Sandbilder-Sets und kinetischer Sand. Die Stiftung Warentest beauftragte den CRB Analyse Service in Hardegsen mit der Untersuchung von kinetischem Sand, Farbsand zur Herstellung von Sandbildern, sandgefüllten Spielfiguren und Dekosand.

Das Ergebnis ist besorgniserregend: Sechs von achtzehn getesteten Produkten enthielten Asbest. Bei fünf dieser Produkte lag der Asbestanteil zwar unter einem Prozent, doch das Material gilt als krebserregend. Vor allem lose, staubende Sande werden von der Stiftung Warentest als problematisch eingestuft.

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Claudia Bendrat, Sprecherin des CRB Analyse Service, informiert: „Asbesthaltige Spielzeuge und Bedarfsgegenstände sind in der EU grundsätzlich verboten.“ Laborleiter Dr. Stefan Pierdzig warnt speziell für Kleinkinder: „Sie setzen sich beim Spielen mit kinetischem Sand dem Risiko aus, Stäube und eventuell vorhandene Asbestfasern einzuatmen.“

Herkunft der belasteten Produkte und natürliche Vorkommen

Aus dem Labor heißt es zur Herkunft der belasteten Ware: „Viele betroffene Produkte stammen aus China, wo Materialien unter fünf Massenprozent Asbest teilweise noch als asbestfrei gelten.“ Interessanterweise sind jedoch auch europäische Produkte vereinzelt betroffen – beispielsweise bei Einsatz von Marmormehl aus dem Alpenraum.

Die Vermutung der Experten: „Es handelt sich wahrscheinlich um natürlich im Ausgangsgestein vorkommenden Asbest, der unbeabsichtigt in die Produkte gelangt.“ Dies unterstreicht die Komplexität der Thematik und zeigt, dass selbst bei sorgfältiger Produktion Risiken bestehen können.

Rostocker Händler reagieren mit Rückrufen und Vorsichtsmaßnahmen

Seit Mitte Februar reagieren Händler mit Rückrufen auf die besorgniserregenden Testergebnisse. Auch in Rostock zeigen sich die Unternehmen aktiv. Thalia etwa hat die betroffene Sandbilder-Serie des Herstellers Sentosphère aus dem Online-Shop entfernt und kündigt Rückerstattungen für bereits gekaufte Produkte an.

Eine Sprecherin des Unternehmens erklärt: „In unseren stationären Buchhandlungen wurde das betroffene Produkt glücklicherweise nicht angeboten.“ Ein Sprecher der Bauhaus AG informiert ebenfalls über Maßnahmen: Die Kette habe einen pinkfarbenen Deko-Sand und vergleichbare Produkte des betreffenden Herstellers „vorsorglich“ aus den Regalen genommen und eigene Untersuchungen beauftragt.

Der Sprecher erläutert weiter: „Das Prüfergebnis der Stiftung Warentest des getesteten Dekosands hat eine Konzentration von unter einem Prozent Asbest an der Gesamtmasse des Sandes festgestellt. Dies gilt es nun über eigene Tests nochmals zu falsifizieren, insbesondere um welche Art von Asbest und Faserstruktur es sich handelt und welche konkrete Gefahr hiervon gegebenenfalls ausgeht.“

Sollte sich der Verdacht bestätigen, verspricht das Unternehmen: „Wir werden selbstverständlich Kunden, die das bei uns erworbene Produkt zurückgeben möchten, gegen Vorlage des Kassenbons den Kaufpreis erstatten.“ Zudem betont der Sprecher, dass grundsätzlich in regelmäßigen Abständen alle sandhaltigen Produkte überprüft würden.

Entwarnung für klassischen Sandkasten-Sand

Das Labor gibt indes bereits Entwarnung für einen wichtigen Bereich: „Sand für Sandkästen oder Baustellen ist nicht betroffen“, da dieser überwiegend aus Quarz bestehe und „keine faserigen Brüche bildet“. Diese Unterscheidung ist wichtig für Eltern und Einrichtungen, die herkömmlichen Spielsand verwenden.

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Rostocker Kita-Leiter zeigen sich entspannt und verweisen auf Qualitätsstandards

Während die Händler reagieren, bleiben die Rostocker Kita-Leiter erstaunlich gelassen. Henrike Thaut, Sprecherin des Instituts Lernen und Leben (ILL), das mehrere Kitas in Rostock und insgesamt siebzig in ganz Mecklenburg-Vorpommern unterhält, hat zwar Kenntnis von der Rückrufaktion, sieht jedoch keine unmittelbare Gefahr für ihre Einrichtungen.

Sie erklärt: „Wir beziehen grundsätzlich keine Produkte, die nicht explizit für den Kita-Gebrauch ausgewiesen und entsprechend gekennzeichnet sind.“ Ein Beispiel für solche Kennzeichnungen ist das CE-Zeichen, das zwar kein Gütesiegel darstellt, aber signalisiert, dass das gekennzeichnete Produkt die Anforderungen innerhalb der Europäischen Union erfüllt.

Christine Runge, Kita-Ressortleiterin von der Diakonie Rostocker Stadtmission, bestätigt diesen Ansatz: „Wir beziehen unseren Spielsand ausschließlich über etablierte Großhändler und achten dabei konsequent auf geprüfte Qualität. Sämtliche Materialien stammen aus TÜV-geprüften Quellen und erfüllen die geltenden Sicherheitsstandards.“

Andere Kita-Leiter raten auch für den privaten Hausgebrauch dazu, stets auf entsprechende Kennzeichnungen auf den Produkten zu achten, um böse Überraschungen zu vermeiden. Diese professionelle Herangehensweise scheint sich in der aktuellen Situation zu bewähren.

Empfehlungen für Verbraucher und abschließende Hinweise

Die Stiftung Warentest rät Nutzern zu Hause, die möglicherweise unsicheren Produkte luftdicht zu verschließen und im Sondermüll zu entsorgen. Wer ganz sichergehen möchte, kann zudem Proben an entsprechend akkreditierte Labore schicken lassen. Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da Asbestfasern bei unsachgemäßer Handhabung freigesetzt werden können.

Die unterschiedlichen Reaktionen in Rostock – die proaktiven Maßnahmen der Händler einerseits und die gelassene Haltung der Kita-Leiter andererseits – zeigen, wie wichtig sowohl verantwortungsvolles Handeln im Handel als auch bewusste Beschaffungsstrategien in Bildungseinrichtungen sind. Während die Untersuchungen weiterlaufen, bleibt die Empfehlung der Verbraucherschützer klar: Vorsicht ist besser als Nachsicht, besonders wenn es um die Gesundheit von Kindern geht.