Flohmarkt-Schatzsuche: Experte verrät geheime Profitquellen
Am kommenden Samstag verwandelt sich die Münchner Theresienwiese erneut in ein Paradies für Schnäppchenjäger und Sammler. Der traditionelle Riesenflohmarkt des Münchner Roten Kreuzes lockt mit rund 2500 Ständen zehntausende Besucher an. Unter ihnen wird auch der bekannte Trödel-Influencer Jonas Steinbeißer (30) sein, der unter dem Namen "Fustler" auf YouTube fast 35.000 Follower begeistert.
Vom Versicherungskaufmann zum Vollzeit-Trödler
Seit vier Jahren hat Steinbeißer seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und durchstreift jedes Wochenende Flohmärkte in ganz Bayern – allein in diesem Jahr bereits 51 Mal. Seine Funde verkauft der gelernte Versicherungskaufmann entweder am eigenen Stand oder online an begeisterte Sammler. Im exklusiven Interview mit der AZ teilt er seine wertvollsten Erfahrungen zum systematischen Stöbern, cleveren Feilschen und lukrativen Weiterverkauf.
Die goldenen Regeln für erfolgreiche Flohmarkt-Verkäufer
Frühaufstehen lohnt sich: Wer verkaufen möchte, sollte sich einen Stand in Eingangsnähe sichern, wo die Kundenströme am stärksten sind. Die Präsentation ist entscheidend: Bücher gehören zu Büchern, Spiele zu Spielen. Besondere Stücke sollten gesondert platziert werden, um Aufmerksamkeit zu erregen. Eine gut sortierte Wühlkiste vor dem Stand wirkt wie ein Magnet auf potenzielle Käufer.
„Bei der Preisgestaltung orientiere ich mich an Ebay, bleibe aber 20 bis 30 Prozent unter den Online-Preisen. So hat auch der Weiterverkäufer noch Spielraum für Gewinn“, erklärt Steinbeißer. Viele unterschätzen, wie viele professionelle Weiterverkäufer sich unter den Flohmarktbesuchern befinden.
Diese Schätze bringen echtes Geld
Retro-Konsolen und Videospiele: Klassiker wie Nintendo, Playstation oder Xbox werden mit zunehmendem Alter immer wertvoller. Ein Rule-of-Rose-Spiel für die Playstation 2 aus dem Jahr 2006 kann noch 200 Euro einbringen.
Brettspiele: Die Sammlercommunity ist riesig und zahlt gute Preise. Selbst Monopoly-Spiele erzielen auf Ebay regelmäßig 20 Euro. Besonders begehrt sind komplette Reihen aus verschiedenen Herstellungsjahren.
Vinyl-Schallplatten: Rock-, Metal- und Jazzplatten finden reißenden Absatz, während Klassik und Schlager eher liegen bleiben.
Kuscheltiere: Bestimmte Marken wie Sigikid – der „Mercedes unter den Kuscheltierherstellern“ – haben ungeahnten Wert. Selbst stark gebrauchte Sigikid-Bären für Babys bringen 30 bis 50 Euro.
Lego-Sets: Komplette Sets mit Originalverpackung und Bauanleitung, die heute vergriffen sind, können mehr wert sein als ihr ursprünglicher Neupreis. Auch als Kiloware ist Lego gefragt, allerdings sollten vorher die wertvollen Minifiguren entfernt werden.
Die Kunst des cleveren Feilschens
Steinbeißers Geheimtipp: „Wenn ich ein besonderes Stück entdecke, suche ich gezielt nach zwei, drei weiteren Artikeln am selben Stand. Dann frage ich nach Mengenrabatt für mehrere Teile – so fällt nicht auf, dass ich unbedingt ein bestimmtes Objekt haben möchte.“ Direkt nach dem Preis eines Einzelstücks zu fragen, verrät zu viel Interesse und schwächt die Verhandlungsposition.
Ausgediente Sammelobjekte und persönliche Glücksfunde
Nicht alles findet noch Abnehmer: VHS-Kassetten haben ausgedient, da sich die Bänder oft zersetzen. Auch die Hypes um Überraschungsei-Figuren (1990er Jahre) und Bierkasten-Sammler-Minitrucks sind vorbei.
Steinbeißers persönlicher Glücksfund war kürzlich eine Nintendo-64-Konsole „Pokemon Pikachu“ in der blau-gelben Edition aus seiner Kindheit. Für 60 Euro kaufte er sie ohne zu feilschen – aus purem Nostalgiegefühl. Noch profitabler war eine Bibel mit Marc-Chagall-Illustrationen von 1990, die er für fünf Euro erwarb und für 400 Euro an einen Sammler verkaufte.
Sein Rat an alle Flohmarktbesucher: Auf das Bauchgefühl hören und nicht jedes Fundstück sofort googeln – das zerstöre das authentische Flohmarktgefühl. Manchmal lohnt sich der Kauf auch ohne sofortige Wertkenntnis, wie sein Chagall-Fund beweist.



