In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordern namhafte Musiker und Konzertveranstalter schärfere Regeln gegen Wucherpreise beim Wiederverkauf von Tickets. Dass Händler massenhaft Tickets kaufen, um sie anschließend mit horrenden Preisaufschlägen wieder zu verkaufen, schade der Branche und den Fans gleichermaßen, heißt es in dem Brief mit dem Titel „Gegen Wucher und Betrug“. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem Die Toten Hosen, Nina Chuba, Die Ärzte, AnnenMayKantereit und Johannes Oerding, aber auch Verbände, Veranstalter und Konzertagenturen.
Musik verbindet – Wucher trennt
„Musik verbindet Menschen. Konzerte sind Orte der Gemeinschaft. Wenn Fans wegen Preistreiberei und Ticketbetrug dem Konzertsaal fernbleiben müssen, verlieren wir alle: die Fans, die Künstler*innen, die gesamte Livebranche und die Gesellschaft“, schreiben die Künstler in dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben. Die Initiative geht auf den Verband freier Musikschaffender Pro Musik zurück, dessen Vorsitzender Christopher Annen betont: „Dass Einzelne sich auf Kosten der Fans bereichern, indem sie Tickets zu Wucherpreisen weiterverkaufen, wollen wir nicht mehr hinnehmen.“
Geld fließt in falsche Taschen
Das Geld, das Fans auf dem Zweitmarkt bezahlen müssten, um an Konzerttickets zu kommen, fließe nicht in die Produktion neuer Musik, in faire Löhne oder in die nächste Tour. „Es landet in den Taschen von Zwischenhändlern, die zur Kultur nichts beitragen als Abzocke“, kritisieren die Musiker. Besonders gravierend sei zudem der Betrug mit gefälschten Tickets: „Fans zahlen teils mehrere hundert Euro und stehen am Einlass mit wertlosem Papier da.“ Mit diesen Problemen dürfe die Politik die Musiker und ihre Fans nicht alleinlassen. „Was die gesamte Branche braucht, ist ein gesetzlicher Rahmen.“
Deutschland als rechtsfreier Raum für Spekulanten
In vielen anderen europäischen Ländern und in den USA gebe es bereits Regelungen, um Betrug mit Konzerttickets wirksam zu begegnen. „Deutschland hingegen ist ein nahezu regulierungsfreier Raum für Ticketspekulanten. Das ist ein politisches Versäumnis, das die gesamte Livemusikbranche und ihre Fans jeden Tag spüren.“ Die Unterzeichner fordern die Bundesregierung auf, jetzt zügig einen Gesetzentwurf vorzulegen. „Kultur ist keine Ware und Tickets sind keine Spekulationsobjekte“, betonen sie.
Konkrete Forderungen
Vor allem müssten Veranstalter bestimmen können, auf welchen Plattformen ihre Tickets weiterverkauft werden dürfen. Außerdem müsse es gewerblichen Weiterverkäufern verboten werden, mehr als 25 Prozent auf den Ticketpreis aufzuschlagen. Auch der Einsatz von automatisierter Software zum massenweisen Kauf von Tickets müsse verboten werden. Die Branche erwarte von der Politik klare gesetzliche Vorgaben, um Fans vor Abzocke und Betrug zu schützen und die kulturelle Teilhabe zu sichern.



