Kurbelradios im Notfalltest: Wer kurbelt, bleibt informiert
Kurbelradios im Test: Notfallfunk mit Muskelkraft

Kurbelradios im Notfalltest: Wer kurbelt, bleibt informiert

Spätestens seit dem großflächigen Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres haben Kurbelradios stark an Bedeutung gewonnen. Wenn Stromnetz, Internet und Mobilfunk ausfallen, können diese Geräte die letzte Möglichkeit sein, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Der Grund: Die benötigte Energie wird durch reine Muskelkraft erzeugt.

Statt im Ernstfall nach passenden Batterien suchen zu müssen, genügen einige Drehungen an der meist seitlich angebrachten Kurbel, um genügend Strom für den Radioempfang zu produzieren. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange das Gerät möglicherweise ungenutzt in einer Schublade gelegen hat.

Die Testmethodik und überraschende Ergebnisse

In unserem umfangreichen Test haben wir untersucht, wie lange man tatsächlich kurbeln muss, um Nachrichten empfangen zu können. Das Ergebnis war durchweg positiv: Alle sechs getesteten Modelle erfüllen ihre Versprechen als Notfallradios zuverlässig, auch wenn sich die Kurbelmechanik bei einigen Geräten anstrengender gestaltet als bei anderen.

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Bei den weiteren Funktionen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Während manche Modelle nur den analogen UKW-Empfang bieten, unterstützen andere auch den digitalen DAB+-Standard. Zwei Geräte verfügen über Solarpanels als zusätzliche Energiequelle, und alle Testkandidaten können als Powerbank zum Aufladen von Smartphones und anderen elektronischen Geräten genutzt werden. Integrierte LED-Leuchten als Notbeleuchtung sind ebenfalls weit verbreitet.

Die getesteten Modelle im Detail

Albrecht DR 112 DAB+ (UVP: 69,90 Euro)

Dieses Radio bietet mit zwei Fünf-Watt-Lautsprechern Stereoklang, wobei der räumliche Effekt aufgrund der geringen Stereobasis von etwa zehn Zentimetern begrenzt bleibt. Dennoch gehört der Klang zu den besten im Testfeld – weniger basslastig als beim Sangean-Modell, dafür mit klaren Mitten, die eine gute Sprachverständlichkeit gewährleisten. Besondere Features im Notfall sind eine starke LED mit Taschenlampencharakteristik, eine verstellbare Leseleuchte und ein klappbares Solarpanel. Der 14,8-Wattstunden-Akku lädt ein Google Pixel 7 Pro bis auf 52 Prozent.

Sangean MME-99DAB (UVP: 179 Euro)

Das robuste Premium-Modell überzeugt durch gute Verarbeitung und komfortable Bedienung, zeigt jedoch Schwächen als Powerbank. Der vergleichsweise kleine 9,5-Wattstunden-Akku lädt das Test-Smartphone nur bis 30 Prozent. Dafür funktioniert das Kurbeln ausgezeichnet: Fünf Minuten Kurbeln ermöglichen etwa 20 Minuten DAB+-Empfang. Drei verschiedene LED-Leuchten (Taschenlampe, Raumlicht, Rotlicht) bieten flexible Beleuchtungsoptionen.

Philips TAR1609 (UVP: 39,99 Euro)

Das günstigste Modell im Test bietet vier Stromversorgungsoptionen: Akku, Solarpanel, Kurbel und Batteriefach für drei AAA-Zellen. Fünf Minuten Kurbeln ergeben 33 Minuten UKW-Empfang. Allerdings fehlen DAB+, Bluetooth und Stationstasten – die Bedienung erfolgt über ein analoges Drehrad. Die Powerbank-Funktion ist mit maximal 17 Prozent Smartphone-Ladung schwach.

Pearl inFactory SOL-1540 (UVP: 49,90 Euro)

Dieses schlichte Gerät überzeugt durch eine besonders bequeme Kurbel, die so lang wie das gesamte Radio ist. Fünf Minuten Kurbeln ermöglichen 20 Minuten UKW-Empfang. Allerdings bietet es weder DAB+ noch Senderspeicher oder Kopfhöreranschlüsse. Der kleine 4,4-Wattstunden-Akku lädt das Smartphone nur bis 13 Prozent.

Albrecht DR 114 DAB+ (UVP: 79,90 Euro)

Dieses Gerät wird als Campingradio mit integrierter Laterne vermarktet, verfügt aber über alle wichtigen Notfallfunktionen. Die herausziehbare Laterne bietet gleichmäßiges Licht mit verstellbarer Farbtemperatur. Mit zwei Sieben-Watt-Lautsprechern liefert es ausgewogenen Stereoton. Der große 18,5-Wattstunden-Akku lädt das Test-Smartphone bis 63 Prozent.

Renkforce RF-CR-200 (Herstellerpreis: 28,99 Euro)

Das kompakteste Modell bietet automatischen Sendersuchlauf und 25 Speicherplätze. Nach fünf Minuten Kurbeln ermöglicht es beeindruckende 80 Minuten UKW-Empfang. Allerdings ist der Ton dünn und die Powerbank-Funktion mit maximal 16 Prozent Smartphone-Ladung kaum nutzbar.

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Fazit und Empfehlungen

Für den reinen Notfalleinsatz empfiehlt sich das günstige Philips TAR1609, das auch mit Batterien betrieben werden kann, allerdings ohne DAB+-Empfang auskommt. Das robuste, aber teure Sangean MME-99DAB überzeugt trotz schwacher Powerbank-Funktion durch viele Features. Das Albrecht DR 114 DAB+ punktet mit seinem großen Akku und der integrierten Laterne. Beide Albrecht-Modelle bieten mit ihrer akzeptablen Tonqualität auch im Alltag Nutzwert.

Häufige Fragen zu Kurbelradios

Wie funktionieren Kurbelradios technisch?

Das Prinzip ist bei allen Geräten identisch: Die Empfänger werden von einem Akku gespeist, der über das Stromnetz geladen werden kann. Bei leerem Akku und fehlender externer Stromversorgung treibt die Kurbel einen Generator an – ähnlich wie beim Fahrraddynamo. Die Drehrichtung spielt dabei meist keine Rolle.

Warum Radio statt Smartphone im Notfall?

Mobilfunkmasten sind zwar mit Notstromversorgung abgesichert, diese besteht jedoch oft nur aus Akkus, die nach wenigen Stunden erschöpft sind. Zudem reicht Mobilfunk nur wenige Kilometer weit. Rundfunksender dagegen erreichen 50 bis 100 Kilometer und wichtige Sendeanlagen werden mit Dieselgeneratoren geschützt.

Was ist der Unterschied zwischen DAB+ und UKW?

DAB+ ist der digitale Nachfolger des analogen UKW-Rundfunks. Während UKW in Deutschland noch gut verfügbar ist, plant beispielsweise Schleswig-Holstein die Abschaltung für 2031. In der Schweiz wird für den öffentlichen Rundfunk bereits zwingend DAB+ benötigt.

Wie lässt sich die Laufzeit verlängern?

  • Lautstärke reduzieren oder Kopfhörer verwenden
  • UKW statt DAB+ nutzen (sparsamer)
  • Solarpanels bei Tageslicht nutzen
  • Gerät mit Powerbank betreiben (bei allen Testmodellen möglich)