15 Jahre Pferdemarktquartier: Vom Kolonialwarenladen zum kulturellen Zentrum
Im Herzen von Bützow hat sich ein historischer Kolonialwarenladen in einen lebendigen Kultursalon verwandelt. Seit nunmehr 15 Jahren belebt der Verein Pferdemarktquartier die Räumlichkeiten am Pferdemarkt 8 mit einem vielfältigen Kulturprogramm. Was einst als einfacher Laden für Waren des täglichen Bedarfs diente, ist heute ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der kulturellen Bereicherung.
Ein Ort mit Geschichte und neuem Leben
Der ehemalige Kolonialwarenladen des Kaufmanns Wergin hat seine ursprüngliche Funktion längst verloren, doch einige historische Elemente sind erhalten geblieben. „Wir haben die alte, historische Deckenbemalung wieder hergestellt“, betont Gottfried Hägele, Erster Vorsitzender des Vereins. Sogar die historische Markise, die den Laden vor intensiver Sonneneinstrahlung schützte, wurde originalgetreu restauriert. Das alte Gestänge wurde aufgearbeitet und mit neuem Markisenstoff versehen.
Besonders symbolträchtig ist die erhaltene Pferdetränke, die als Wahrzeichen des Vereins gilt. Der Holzofen, den noch einige Bützower aus früheren Zeiten kennen, erinnert an die lange Geschichte des Gebäudes. Heute dient der liebevoll hergerichtete Raum als Kulisse für Lesungen, Vorträge, Konzerte und philosophische Abende.
Vielfältiges Programm und Gemeinschaftsengagement
Der Verein lädt regelmäßig zu monatlichen Veranstaltungen ein, die von den Mitgliedern selbst gestaltet werden. Das Programm für 2026 zeigt die Bandbreite der Aktivitäten:
- Spieleabend für Jung und Alt am 21. Februar
- Handy- und Tabletschulung am 23. Februar
- Philosophischer Abend über Immanuel Kant am 27. Februar
- Reisebericht über Georgien am 6. März
- Kleines Sommerfestival „Ausspanne“ am 20. Juni
Neben den kulturellen Veranstaltungen engagiert sich der Verein auch aktiv für die Aufwertung des Stadtviertels. Durch verschiedene Projekte konnten bereits zahlreiche Verbesserungen realisiert werden:
- Pflanzung von Malven und Ginkgo-Bäumen zur Verschönerung des Pferdemarktes
- Organisation von Flohmärkten und Gemeinschaftsaktionen
- Einrichtung eines Hundespielplatzes
- Aufstellung von Bänken am Wall und Pflanzung neuer Bäume
- Installation von Geschwindigkeitsanzeigen zur Verkehrsberuhigung
Verjüngung und demokratisches Miteinander
Mit aktuell 30 bis 40 Mitgliedern erlebt der Verein einen spürbaren Verjüngungsprozess. „Darunter sind auch immer mehr Leute, die sich in ihren Vierzigern befinden“, bemerkt Gottfried Hägele. Diese Entwicklung spiegelt das Ziel des Vereins wider, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben und den Zusammenhalt zu stärken.
Der Verein versteht sich als aktiver Gestalter einer lebenswerten Gemeinschaft und demokratischen Gesellschaft. Durch die Teilnahme an einem EU-Projekt konnte in Kooperation mit der Stadt sogar ein Bürgerhaushalt initiiert werden, der konkrete Verbesserungen im Viertel ermöglichte.
Obwohl das 15-jährige Jubiläum nicht mit einer großen öffentlichen Feier begangen wird, soll das kleine Sommerfestival „Ausspanne“ im Hospitalhof die Vereinsgeschichte würdigen. Seit drei Jahren organisiert der Verein dieses Festival mit Familiencharakter, das in diesem Sommer auch das Jubiläum integrieren wird.
Der Kultursalon am Pferdemarktquartier hat sich in eineinhalb Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil des Bützower Kulturlebens entwickelt. Aus einem vergessenen Kolonialwarenladen ist ein lebendiger Ort der Begegnung geworden, der Geschichte bewahrt und gleichzeitig Zukunft gestaltet.



