Alexander Gerth: Vom Karneval zur Schauspielbühne – Ein Vellahner folgt seinem leisen Traum
Alexander Gerth: Vom Karneval zur Schauspielbühne

Alexander Gerth: Der stille Weg zur Bühne

Manche Träume sind nicht laut, aber beharrlich. Alexander Gerth aus Vellahn trägt seinen Lebenstraum seit Kindertagen in sich: „Ich will ins Fernsehen“, sagte er mit vier Jahren. Heute, mit 33 Jahren, hat der zurückhaltende Mann aus dem Westen Mecklenburgs seinen Weg zur Schauspielbühne gefunden – nicht mit großem Getöse, sondern mit Geduld, Umwegen und dem Mut, sich selbst treu zu bleiben.

Wurzeln in Vellahn und frühe Entdeckung

In Vellahn aufgewachsen, besuchte Alexander Gerth dort von der ersten bis zur zehnten Klasse die Schule. Schon früh zeigte sich seine Freude daran, vor Menschen zu stehen. „Ich mochte dieses Gefühl, wenn Menschen gemeinsam lachen“, erinnert er sich. Nicht Geltungsdrang, sondern echtes Interesse an zwischenmenschlicher Verbindung trieb ihn an.

Entscheidende Wegbegleiter wurden Klaus und Ute Marmulla. Ute Marmulla war seine Klassenlehrerin, Klaus Marmulla damals Präsident des Vellahner Carneval Clubs. Bei der Abschlussveranstaltung der zehnten Klasse im Jahr 2009 sang Alexander ein Lied der „Wise Guys“ – ein Schlüsselmoment. „Ich war sofort begeistert von seiner Stimme“, erinnert sich Klaus Marmulla. Der Einstieg in den Karnevalclub markierte den Beginn eines künstlerischen Weges, der Alexander Gerth nachhaltig prägen sollte.

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Der sichere Weg und die persönliche Krise

Trotz seines Talents wählte der junge Mann zunächst einen sicheren Berufsweg. Nach der Schule absolvierte er eine fünfjährige Ausbildung im Bereich Gesundheit und Sozialwesen in Schwerin. „Rückblickend war das genau richtig. Mit 16 war ich einfach noch nicht so weit“, reflektiert Gerth heute. Anschließend arbeitete er drei Jahre als Erzieher in den Kinder- und Jugendwohnungen des Internationalen Bundes.

Ein Auslandsjahr in Australien folgte, bevor 2019 der erste Versuch scheiterte, an einer Schauspielschule auf Usedom angenommen zu werden. Die Corona-Pandemie verzögerte weitere Pläne, doch der entscheidende Einschnitt kam im Mai 2021: Alexander Gerth erlitt zwei Schlaganfälle. „Das war ein Schuss vor den Bug“, beschreibt er diese lebensverändernde Erfahrung. In der Rehabilitation reifte der endgültige Entschluss: „Du kannst das noch machen. Aber dann mach es jetzt.“

Der Sprung an die Schauspielschule

Im Oktober 2021 wagte Alexander Gerth den entscheidenden Schritt: Er meldete sich an der Freien Schauspielschule Hamburg an, entschied sich für die direkte Aufnahmeprüfung und bestand. „Es war, als würde sich eine Tür öffnen“, beschreibt er diesen Moment. Drei intensive Ausbildungsjahre folgten, geprägt vom Pendeln nach Hamburg und der parallelen Arbeit als Erzieher.

Im August 2025 schloss er die Ausbildung mit der Bühnenreife ab. Bereits während dieser Zeit sammelte er praktische Erfahrungen bei den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen. Für seine langjährigen Unterstützer Ute und Klaus Marmulla waren diese Auftritte besonders bewegende Momente, die einen persönlichen Kreis schlossen.

Zwischen Beruf und Berufung

Heute lebt Alexander Gerth noch nicht ausschließlich von der Schauspielerei. Er arbeitet weiterhin als Erzieher, denn: „Ich brauche diese Sicherheit.“ Doch sein Traum ist Wirklichkeit geworden – die abgeschlossene Ausbildung kann ihm niemand mehr nehmen. Für die Marmullas bleibt er ein besonderer Mensch: „Er ist sensibel, ehrlich und unglaublich talentiert“, betonen sie. Besonders berührt habe sie das große Vertrauen, das Alexander ihnen über die Jahre entgegengebracht habe.

Bei sich selbst angekommen

Alexander Gerth wirkt heute ruhig und reflektiert. „Es ist alles so gekommen, wie es kommen sollte“, sagt er, ohne zu wissen, was die Zukunft bringt. Vielleicht liegt genau in dieser Gelassenheit seine Stärke. Wer ihm begegnet, spürt schnell: Hier ist ein Mensch, der zuhört, fühlt und gelernt hat, seinem leisen Traum zu vertrauen. Ein Vellahner, dessen Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist, der zwischen Karnevalbühne und Schauspielhaus, zwischen Bodenhaftung und künstlerischer Freiheit seinen eigenen Weg geht.

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