Rostocks heimliche Macherin: Wie Anja Tippelt die Greifennarren zu Erfolgen führt
Anja Tippelt: Die Trainerin hinter Rostocks Greifennarren

Rostocks heimliche Macherin: Wie Anja Tippelt die Greifennarren zu Erfolgen führt

Sie prägen das Stadtbild, ohne im Rampenlicht zu stehen: Rostocks heimliche Macher. In diesem Porträt beleuchten wir, was die engagierte Trainerin Anja Tippelt antreibt und warum ihr Wirken für die Karnevalsgesellschaft „Greifennarren“ so bedeutsam ist.

Voller Einsatz im Ehrenamt für den karnevalistischen Tanzsport

Hinter den farbenfrohen Kostümen und eleganten Bewegungen der Karnevalstänzer steckt immense Disziplin, Schweiß und harte Arbeit. Dass die Greifennarren Rostock in dieser Saison mit einem Tanzpaar und einem Tanzmajor das Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft am 8. März in Baunatal erreicht haben, ist maßgeblich das Verdienst von Anja Tippelt. Die 42-jährige Trainerin treibt seit Jahren den karnevalistischen Tanzsport in der Hansestadt voran – mit mehrstündigen Trainingseinheiten, klaren Strukturen und einem geschulten Blick für Details. All dies leistet sie ehrenamtlich.

„Wir stehen teilweise vier- bis fünfmal pro Woche in der Halle und trainieren“, erklärt Tippelt, die bereits mit sechs Jahren mit dem karnevalistischen Tanzsport begann, seit ihrem 14. Lebensjahr als Trainerin aktiv ist und parallel 40 Stunden wöchentlich als medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin arbeitet. Dass ihre Schützlinge Marie (27) und Paul (25) sich über die gesamte Turniersaison qualifiziert haben, ist im Karneval-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern eine Seltenheit. In Deutschland werden die Halbfinals im Norden und Süden ausgetragen, wobei pro Altersklasse die ersten sieben Platzierten ins Finale zur Deutschen Meisterschaft des Bundes Deutscher Karneval einziehen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Strukturierte Vorbereitung und innovative Ansätze

Anja Tippelt stammt aus einem etablierten Rostocker Verein und war von Anfang an dabei, als die Greifennarren im Jahr 2020 gegründet wurden. Seitdem baut sie als Teil eines zehnköpfigen Trainerteams ein breites Portfolio auf, das vom traditionellen Gardetanz bis zum modernen Schautanz reicht. Besonders wichtig ist ihr dabei die Öffnung neuer Türen: Neben den klassischen Solistinnen, den sogenannten Tanzmariechen, setzt sie gezielt auf den Tanzmajor, eine junge Wettbewerbskategorie für männliche Solisten.

„Dies erweitert nicht nur unser Repertoire, sondern schafft auch Vorbilder für Jungen im Tanzbereich“, betont Tippelt. Heute zählt der Verein rund 90 aktive Mitglieder. Kinder können bereits ab etwa drei Jahren einsteigen, der Einstieg in den Turnierbetrieb erfolgt meist im Grundschulalter. Das Training folgt strikt dem Regelwerk des Bundes Deutscher Karneval. Tippelt organisiert detaillierte Ablaufpläne, verteilt die Belastungen über die Woche, achtet auf präzise Technik – und berücksichtigt dabei stets die mentale Komponente. „Vor mehreren hundert Zuschauern aufzutreten, muss man genauso üben wie einen Sprung oder eine Drehung“, erklärt sie. Bei Landesmeisterschaften sitzen bis zu 800 Menschen im Saal.

Das Engagement als Familienprojekt

Für Anja Tippelt ist die Arbeit mit den Greifennarren ein echtes Familienprojekt. Ihr Ehemann Sebastian fungiert als Schatzmeister, und beide wurden kürzlich sogar ins Bundeskanzleramt eingeladen, wo das Interesse am närrischen Treiben zur Tradition gehört. Kostüme, Requisiten und Organisation – vieles entsteht in Eigenregie. Zum Angebot des Vereins gehört auch ein Männerballett. Selbst die drei Kinder der Familie zeigen großes Interesse am sportlichen Karnevalstreiben.

Öffentliche Termine in Rostock sind beispielsweise der „Rathaussturm“ und der Umzug durch die Kröpeliner Straße am 11. November. Große Rosenmontagsumzüge gibt es in der Stadt nicht, dafür ist das Männerballett des Vereins regelmäßig bei befreundeten Vereinen in der Region zu Gast. „Auch zur Konkurrenzbeobachtung“, gibt Tippelt mit einem Lächeln zu.

Herausforderungen und persönliche Erfolgsgeschichten

Ein Thema beschäftigt die engagierte Trainerin kontinuierlich: die knappen Hallenzeiten. „In Rostock gibt es einfach zu wenig Trainingshallen, die uns zur Verfügung stehen“, stellt sie fest. Diese Engpässe erfordern eine präzise Planung – von Technikblöcken bis hin zur Choreografie, die trotz niedriger Deckenhöhen funktionieren muss. Gleichzeitig ist es Tippelt ein Anliegen, persönliche Entwicklungswege innerhalb des Vereins zu ermöglichen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die Ärztin Marie (27) ist nach einer studienbedingten Pause zurückgekehrt, trainiert wieder intensiv und übernimmt zeitweise sogar eigene Trainingseinheiten. „Karnevalsbühnenprogramm ist nicht mein Hauptfokus“, sagt Marie, „der Tanz selbst steht für mich im Vordergrund.“ Genau diesen Fokus hält Tippelt für essenziell.

Freude und Gemeinschaft als Fundament

Wie sehr die Arbeit der Greifennarren Familien prägt, zeigt die Geschichte eines Vaters: Ein Hinweis im Kindergarten seiner Tochter führte die Familie zu den Greifennarren. Seitdem strukturiert das Training den gesamten Wochenablauf. Die neunjährige Thea wurde unter der Betreuung von Anja Tippelt und ihrem Trainerteam sogar Vizelandesmeisterin. „Wettkampf ist wichtig“, sagt das Mädchen, „aber Hauptsache, es macht mir Spaß.“

Für Anja Tippelt ist genau das der Kern ihrer Arbeit: Ambition und Disziplin sind wichtig, doch sie müssen von Freude, Verlässlichkeit und Gemeinschaft getragen werden. Dass Rostock nun zum vierten Mal in Folge Halbfinal-Luft atmet, interpretiert die Trainerin als starkes Signal. „Wir wollen zeigen, dass der karnevalistische Tanzsport im Norden weiter wachsen und erfolgreich sein kann“, betont sie abschließend.