Bitterfeld-Wolfen erwägt neue Messen für Vereine und Handwerk ab 2027
Die Stadt Bitterfeld-Wolfen könnte ab dem Jahr 2027 zwei bedeutende Fachmessen etablieren. Unter dem übergreifenden Motto „Marktplatz der Talente“ plant die Kommune die Prüfung einer regelmäßigen Vereinsmesse sowie einer Handwerker- und Gewerbemesse. Der Stadtrat hat diesen Vorstoß mehrheitlich beschlossen, wobei nun der Oberbürgermeister beauftragt ist, das Interesse bei ansässigen Vereinen, Handwerkern, Gewerbetreibenden, Verbänden und Initiativen zu ermitteln.
Freie Fraktion treibt Initiative für sichtbarere Angebote voran
Die Initiative geht von der Freien Fraktion aus, deren Fraktionschef Torsten Weiser erklärt: „Wir wollen damit zusätzliche Angebote in der Stadt schaffen und vorhandene Stärken und Möglichkeiten sichtbarer machen.“ Bitterfeld-Wolfen verfügt über eine vielfältige Vereinslandschaft, die einen wesentlichen Beitrag zum städtischen Leben leistet. Allerdings, so Weiser, wissen viele Bürgerinnen und Bürger nicht, welche Vereine existieren und wie sie sich vor Ort engagieren können.
Eine Vereinsmesse würde das Ehrenamt und das bürgerschaftliche Engagement stärken sowie den Vereinen helfen, neue Mitglieder zu gewinnen. Insbesondere Kindern, Jugendlichen und neu zugezogenen Bürgern würde der Zugang zu Vereinsangeboten erleichtert. Parallel dazu soll die Handwerkermesse die Vielfalt handwerklicher Berufe fördern und die lokale Gewerbebranche hervorheben, wo nicht nur Produkte präsentiert, sondern auch Kontakte geknüpft werden können.
Rathaus äußert Bedenken und fordert Rahmenprogramm
Im Rathaus zeigt man sich jedoch weniger optimistisch. Vereine nutzen bereits seit Jahren Veranstaltungen wie das Wolfener Sommerfest, Weihnachtsmärkte oder die Kunst- und Kulturwoche, um sich zu präsentieren und diese Feste zu bereichern. Eine Vereinsmesse ohne attraktives Rahmenprogramm würde voraussichtlich weniger Aufmerksamkeit erhalten. Daher soll zunächst bei den Vereinen abgefragt werden, wie sie zu dieser Idee stehen.
Erfahrungen aus den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld und Nordsachsen deuten zudem darauf hin, dass eine reine Handwerkermesse nicht funktionieren würde. Die Verwaltung betont, dass nur wenige Besucher an einem Samstag eine solche Messe ohne zusätzliche Anreize besuchen würden. Ein ansprechendes Rahmenprogramm sei zwingend erforderlich, um überhaupt Besucher anzulocken, was bisher nur in Verbindung mit Großveranstaltungen wie dem Hafen- und Sommerfest gelungen sei. Zudem stellt sich die Frage, welchen konkreten Nutzen eine solche Messe für die Handwerksbetriebe hätte.
Die Diskussion um den „Marktplatz der Talente“ zeigt somit die Spannung zwischen ambitionierten Plänen zur Förderung des lokalen Engagements und praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um das tatsächliche Interesse und die Machbarkeit dieser Messen zu klären.



