Boizenburger Bürger wehren sich gegen Vandalismus: Gemeinsamer Plan gegen Graffiti und Schmierereien
In der Elbestadt Boizenburg hat sich eine bemerkenswerte Bürgerinitiative formiert, die dem zunehmenden Vandalismus in der Stadt entschieden entgegentreten will. Rund 35 engagierte Menschen aus der gesamten Region trafen sich kürzlich im historischen Rathaus, um einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die wachsende Flut von Graffitis, sinnlosen Schmierereien und illegalen Aufklebern zu entwickeln.
Frust über verschandeltes Stadtbild wächst
Die Teilnehmer der öffentlichen Beratung äußerten ihren wachsenden Frust über die zunehmende Verschandelung des Boizenburger Stadtbildes. „Dabei stören mich die sinnlosen Schmierereien genauso, wie die allgegenwärtigen Hansa-Rostock-Schriftzüge und Aufkleber“, brachte ein Teilnehmer die allgemeine Stimmung auf den Punkt. Besonders kritisiert wurde, dass die Taten zwar als Sachbeschädigung angezeigt werden können, die Strafverfolgung jedoch kaum sichtbare Erfolge zeigt.
Angelika Voß, die Amtsvorsteherin des Amtes Boizenburg Land, berichtete von enttäuschenden Erfahrungen mit dem Fußballverein Hansa Rostock. „Die haben erst gar nicht und dann desinteressiert und frech reagiert“, erzählte sie von ihren schriftlichen Bitten um Unterstützung bei der Beseitigung der Fan-Bekundungen. „Die wollen sich überhaupt nicht für ihre angeblichen Fans interessieren“, so die deutliche Kritik der Amtsvorsteherin.
Politische Unterstützung und rechtliche Rahmenbedingungen
Christian Frenzel, Staatssekretär im Ministerium für Inneres und Bau, erläuterte bei dem Treffen die rechtliche Lage und die Haltung der Landesregierung. Er bestätigte, dass Innenminister Christian Pegel (SPD) weiterhin mit Hansa Rostock im Gespräch sei, um den Verein für das Verhalten seiner Fans in die Verantwortung zu nehmen. Dennoch zeigte sich bei den Anwesenden die Erkenntnis, dass man sich nicht allein auf politische Lösungen verlassen kann.
Bürger ergreifen selbst Initiative
Jens Prötzig, 1. Vorsitzender des Vereins Haus & Grund Boizenburg, der die Initiative ergriffen hatte, betonte die Notwendigkeit eigenen Engagements. „Wir sollten einerseits die Schmierereien aktiv beseitigen und andererseits einen Weg finden, uns als Stadtgemeinschaft zusammenzuschließen“, machte er deutlich. Der Verein lädt daher alle Interessierten ein, sich über die E-Mail-Adresse [email protected] zu vernetzen und gemeinsam gegen den Vandalismus vorzugehen.
Bürgermeister Rico Reichelt würdigte dieses Engagement, wies jedoch darauf hin, dass eine Entfernung oder Übermalung von Graffitis immer mit den Eigentümern der betroffenen Flächen abgestimmt werden müsse. Gleichzeitig lud er alle Anwesenden zu den kommenden Stadtputzterminen ein, die eine ausgezeichnete Gelegenheit böten, sich gemeinsam für ein schöneres Boizenburg einzusetzen.
Kunst statt Vandalismus als möglicher Weg
Interessanterweise zeigte die Diskussion auch alternative Ansätze auf. Ein bereits durchgeführtes Kunstprojekt gemeinsam mit Jugendlichen unter Anleitung des Profis Björn Lapp aus Hamburg hatte viele Graffitis in der Stadt in anerkannte Kunst verwandelt. Dieser Ansatz könnte möglicherweise ein Teil der Lösung sein, um Jugendliche von sinnlosem Vandalismus abzuhalten und ihre kreative Energie in konstruktive Bahnen zu lenken.
Die Boizenburger Initiative zeigt deutlich, dass sich Bürger nicht länger mit der Verschandelung ihres Lebensumfeldes abfinden wollen. Durch gemeinsames Handeln, politischen Druck und kreative Alternativen soll das historische Stadtbild der Elbestadt wieder in seinem alten Glanz erstrahlen.



