Esperanto lebt in Prenzlau: Weltsprache findet Anhänger in der Uckermark
Esperanto lebt in Prenzlau: Weltsprache in der Uckermark

Esperanto lebt in Prenzlau: Eine Sprache für den globalen Frieden

In der beschaulichen Stadt Prenzlau in der Uckermark pflegt eine kleine Gruppe ein besonderes sprachliches Erbe. Edeltraut Henning leitet dort eine Esperanto-Gruppe und beantwortet die Frage, ob diese konstruierte Weltsprache noch existiert, mit einem klaren Ja. Auch wenn die Gruppe aktuell nur aus vier Personen besteht, ist sie aktiv und stets offen für neue Mitsprecher.

Internationale Begegnungen durch eine neutrale Sprache

Die Lebendigkeit des Esperanto zeigte sich im Sommer besonders deutlich, als ein Esperantist aus Kuba die Uckermark besuchte. Der Neubrandenburger Esperanto-Verein hatte ihn eingeladen und führte ihn auch nach Prenzlau. „Es ist eine Sprache, die über drei Millionen Menschen auf der ganzen Welt sprechen, aber sie ist nirgends Muttersprache“, erklärt Edeltraut Henning. Dieser Umstand biete allen Menschen gleiche Chancen und Voraussetzungen zum Erlernen.

Die Sprache verbindet Menschen über Kontinente hinweg. Der Esperanto-Weltbund (Universala Esperanto-Asocio) verfügt über Delegierte in 100 Ländern, die regelmäßig Treffen, Tagungen und Ferienreisen organisieren. Der jährliche Weltkongress zieht zwischen 1500 und 5000 Teilnehmer aus mehr als 60 Nationen an. Edeltraut Henning hat bereits an 15 Weltkongressen in verschiedenen europäischen Ländern teilgenommen und dabei zahlreiche Freundschaften geschlossen.

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Eine 138-jährige Vision der Verständigung

Esperanto wurde vor 138 Jahren von dem Arzt Ludwik Lejzer Zamenhof entwickelt. Ursprünglich sollte die Sprache als Hilfsmittel zur friedlichen Verständigung zwischen Menschen dienen. „Ein gutes Argument, auch in der Gegenwart“, betont die Prenzlauerin. Der Wortschatz basiert auf den wichtigsten europäischen Kultursprachen, während die Grammatik sich auf das Wesentliche konzentriert und die Aussprache eindeutig sowie identisch mit der Schrift ist.

Die Ziele der Sprache sind klar definiert:

  • Beseitigung des Sprachenchaos
  • Etablierung als neutrale Zweitsprache für alle
  • Schaffung eines leicht erlernbaren Verständigungsmittels

In Deutschland zeigt sich die Präsenz des Esperanto sogar im öffentlichen Raum: In Herzberg am Harz finden sich zweisprachige Wegweiser auf Deutsch und Esperanto.

Moderne Lernwege und traditionelle Treffen

Während sich viele junge Sprecher heute über das Internet weiterbilden und austauschen, gelten traditionelle Klubs teilweise als altmodisch. Dennoch erfordert das Erlernen von Esperanto Eigenmotivation. „Wer lernt heute freiwillig? Auf alle Fälle Interessierte, und wen dieser Bazillus erwischt hat, der kommt nicht mehr davon los“, so Henning.

Für viele Esperanto-Sprecher ist der internationale Briefwechsel eine Bereicherung. Edeltraut Henning kennt Lesevereinigungen in der ganzen Welt und berichtet von einer besonderen Lektüreerfahrung: Sie las kürzlich die Biografie eines verstorbenen polnischen Journalisten, den sie persönlich kannte. Das Buch erhielt sie von polnischen Esperantisten aus Szczecin, während ihr Betreuer aus Nepal stammte. „Mit Esperanto und dank des Internets ist eine weltweite Kommunikation komplikationslos möglich“, freut sie sich.

Regelmäßige Treffen in Prenzlau

Um diese internationale Verbundenheit auch in der Uckermark zu fördern, trifft sich die Esperanto-Gruppe jeden Dienstag um 15 Uhr im Prenzlauer Bürgerhaus. Interessierte können sich über die offizielle Webseite oder per E-Mail informieren und der Gemeinschaft beitreten. Die kleine Gruppe beweist, dass Esperanto nicht nur eine historische Kuriosität ist, sondern eine lebendige Sprache mit globaler Reichweite und friedlicher Mission.

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