Bier für zwei Euro, offen bis Mitternacht: Wie ein Verein im Saalekreis das Gasthaus im Ort rettet
In Sachsen-Anhalt sterben die Gasthöfe auf dem Land zunehmend aus. Damit verschwindet ein wichtiger gesellschaftlicher Kitt, der die Dorfgemeinschaften zusammenhält. Im kleinen Ort Schmon im Saalekreis haben engagierte Ehrenamtliche nun die Kneipe übernommen und stellen sich erfolgreich gegen diesen bedenklichen Trend. Die entscheidende Frage lautet: Kann dieses innovative Konzept auch für andere Kommunen ein zukunftsfähiges Modell darstellen?
Ein Leben für das Dorf: Der Feuerwehrverein als Retter in der Not
Matthias Roßner ist ein aktives Mitglied im örtlichen Feuerwehrverein, der den traditionsreichen Gasthof Schmon nun als Vereinshaus betreibt. Nachdem bereits der vierte Gastronom in Folge aufgegeben hatte, war diese Lösung die einzige Möglichkeit, das historische Gebäude vor dem endgültigen Aus zu bewahren. „Da habe ich mir mein Bier verdient“, kommentiert Roßner das Engagement lachend.
An einem typischen Freitagabend legt sich die Dämmerung über Schmon, die Straßen sind nur spärlich beleuchtet. Doch am Dorfplatz erstrahlt das größte Haus des Ortes in hellem Licht. Bereits zwei Stunden vor Öffnung wurde der Ofen angeheizt, der nun im Gastraum eine wohlige Wärme verbreitet. Ein Mann betritt die Tür, setzt sich an den langen Tisch und fragt in die Runde: „Und? Was gibt’s Neues?“ Die Antwort kommt prompt: „Na, wenn du es nicht weißt“. Gemeinsames Lachen erfüllt den Raum.
Vom Gasthaus Oberschmon zum Vereinshaus „Zu den drei Linden“
Das ehemalige Gasthaus Oberschmon im Saalekreis firmiert heute unter dem Namen Vereinshaus „Zu den drei Linden“ und wird komplett vom Feuerwehrverein geführt. Die Ehrenamtlichen bieten nicht nur Bier zum sensationellen Preis von zwei Euro an, sondern halten die Türen bis Mitternacht geöffnet. Dies schafft einen vitalen Treffpunkt für alle Generationen und stärkt das soziale Miteinander im ländlichen Raum.
Die Initiative zeigt, dass durch gemeinschaftliches Handeln und ehrenamtliches Engagement selbst scheinbar ausweglose Situationen gemeistert werden können. Während viele andere Dörfer in Sachsen-Anhalt mit leerstehenden Gasthäusern kämpfen, pulsiert in Schmon das Leben. Die regelmäßigen Öffnungszeiten und günstigen Preise locken nicht nur die Feuerwehrleute, sondern auch Familien, Jugendliche und Senioren an.
Ein Zukunftskonzept für andere Kommunen?
Experten diskutieren bereits, ob dieses Modell Schule machen könnte. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Erhalt kultureller und sozialer Infrastruktur in ländlichen Regionen
- Stärkung des Ehrenamts durch sinnstiftende Aufgaben
- Förderung des Gemeinschaftsgefühls über Vereinsgrenzen hinweg
- Niedrige Preise machen den Treffpunkt für alle Bevölkerungsschichten attraktiv
Allerdings erfordert dieses Konzept auch einen hohen persönlichen Einsatz der Beteiligten. Die Ehrenamtlichen müssen neben ihren regulären Berufen Zeit für den Betrieb des Hauses aufbringen. Dennoch zeigt das Beispiel Schmon, dass sich der Aufwand lohnen kann. Das Vereinshaus ist mehr als nur eine Kneipe – es ist zum Herzstück des Dorflebens geworden.
Während andernorts die Gaststätten sterben, schreibt man in Schmon eine Erfolgsgeschichte. Der Feuerwehrverein hat nicht nur ein Gebäude gerettet, sondern auch einen wichtigen sozialen Raum bewahrt. Ob dieses Modell tatsächlich auf andere Kommunen übertragbar ist, werden die kommenden Jahre zeigen. Eines steht jedoch fest: In Schmon im Saalekreis brennt das Licht am Dorfplatz wieder – und das bis Mitternacht.



