Die Geschichte des Aprilscherzes: Warum wir am 1. April veralbert werden
Am 1. April ist es erlaubt, kräftig zu flunkern und seine Mitmenschen hinters Licht zu führen. Doch woher stammt diese jahrhundertealte Tradition des Scherzens und Veräppelns? Wir tauchen ein in die faszinierende Geschichte des Aprilscherzes und beleuchten seine Ursprünge sowie einige der berühmtesten Streiche aller Zeiten.
Was genau ist ein Aprilscherz?
Aprilscherze sind glaubhaft klingende Geschichten oder Informationen, die so geschickt konstruiert sind, dass sie zunächst für wahr gehalten werden. Oft sind sie mit fantastischen Details ausgeschmückt, die selbst die absurdesten Erzählungen plausibel erscheinen lassen. Die Auflösung erfolgt traditionell mit dem Ruf „April, April!“. An diesem Tag darf man Familie, Freunde, Kollegen oder Nachbarn „in den April schicken“. Auch Medien wie Zeitungen, TV-Sender, Webseiten und Influencer beteiligen sich regelmäßig an diesem Brauch und verbreiten erfundene Meldungen über fliegende Pinguine, Duschgel mit Maggi-Duft oder neue Schoko-Burger.
Die historischen Wurzeln des Aprilscherzes
Die Tradition des Aprilscherzes ist erstaunlich alt und reicht bis in die Antike zurück. Ein möglicher Ursprung liegt im alten Rom, wo die Liebesgöttin Venus am 1. April ein Fest zu ihren Ehren ausrichtete, das von erotischen Neckereien geprägt war. Im Mittelalter in Deutschland wurden Menschen mit absurden Einkaufsaufträgen in die Irre geführt, wie dem Besorgen von Mückenfett, Krebsblut oder gehackten Flohbeinen aus der Apotheke. Lehrlinge wurden oft geschickt, um „Ipitum“ zu holen, was wie „I bin dumm“ klingt.
Ein weiterer historischer Bezugspunkt ist das Jahr 1564, als König Karl IX. von Frankreich den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Wer diese Änderung nicht rechtzeitig mitbekam und weiterhin am 1. April feierte, wurde als „Aprilnarr“ verspottet. Auch am französischen Hof im Jahr 1605 gab es einen berühmten Scherz: König Heinrich IV. erhielt einen Liebesbrief einer jungen Schönheit, der zu einem Rendezvous in einem Lustschlösschen einlud. Als er dort eintraf, fand er seinen gesamten Hofstaat vor, und seine Gemahlin dankte ihm für die Teilnahme am „Narrenball“.
Legendäre Aprilscherze, die in die Geschichte eingingen
Im Laufe der Zeit haben einige Aprilscherze weltweit für Aufsehen gesorgt und sind unvergesslich geworden:
- 1957: Die BBC berichtete über eine Spaghetti-Ernte im schweizerischen Tessin und zeigte Frauen, die lange Nudeln von Bäumen pflückten. Viele Zuschauer fragten anschließend, wie sie selbst ein Spaghetti-Bäumchen im Garten anpflanzen könnten.
- 1962: In Schweden verkündete der Sender SVT, dass das Land nun Nylon-Farbfernsehen einführe. Zuschauer sollten einfach einen Nylonstrumpf über ihren Schwarz-Weiß-Fernseher ziehen, um sofort farbiges Bild zu erhalten.
- 1986: Die französische Zeitung „Le Parisien“ meldete, der Eiffelturm werde abgebaut und im geplanten Euro Disneyland Resort wieder aufgestellt. Stattdessen solle in Paris ein neues Stadion für die Olympischen Spiele 1992 entstehen. Der Turm blieb natürlich stehen, und die Spiele fanden in Barcelona statt.
- 1998: Eine US-Imbisskette warb für einen speziellen „Linkshänder-Burger“.
- 2008: Der britische Komiker Terry Jones präsentierte sich in der BBC als Polarforscher und behauptete, fliegende Pinguine entdeckt zu haben – unterstützt durch eine Computeranimation.
- 2007: Die ARD-Tagesschau meldete, die Titelmelodie der Hauptausgabe werde nach 53 Jahren nicht mehr live von einem Orchester gespielt, um Kosten im sechsstelligen Bereich zu sparen. Nur der berühmte Gong bleibe erhalten.
- 2011: 78 deutsche Radiosender meldeten gemeinsam, das Kraftfahrt-Bundesamt wolle 60.000 Strafpunkte per Lotterie erlassen. Verkehrssünder könnten Lose kaufen, was zu überlasteten Leitungen in Flensburg führte.
Der Aprilscherz bleibt eine lebendige Tradition, die Jahr für Jahr für Lacher und Verwirrung sorgt. Ob im kleinen Kreis oder durch große Medien – am 1. April ist alles erlaubt, um andere „in den April zu schicken“ und gemeinsam über die kreativen Streiche zu schmunzeln.



