Inklusives Training: Hansa-Coach Christian Rahn und Goalball-Star Reno Tiede im gemeinsamen Einsatz
Der Verband für Behinderten- und Rehasport Mecklenburg-Vorpommern (VBRS MV) setzt mit seiner Initiative „Werde auch du Trainer im Para-Sport“ ein starkes Zeichen für Inklusion und Sichtbarkeit. Im Rahmen dieser besonderen Aktion kam es zu einem außergewöhnlichen Zusammentreffen: Christian Rahn, Chefcoach der U19-Bundesligamannschaft von Hansa Rostock, trainierte gemeinsam mit dem paralympischen Goalballer Reno Tiede, der aufgrund des Gendefekts Morbus Stargardt gesetzlich blind ist.
Eine spontane Umstellung mit professionellem Ergebnis
Eigentlich sollte Christian Rahn eine Trainingseinheit mit der Para-Leichtathletin Lindy Ave absolvieren, die jedoch kurzfristig absagen musste. Stattdessen übernahm „Mr. Goalball“ Reno Tiede diese Rolle – ein mehrfacher deutscher Meister, Europameister von 2019 und zweifacher Paralympics-Teilnehmer, der aktuell auch als Geschäftsführer des VBRS MV tätig ist. Der 46-jährige Fußballtrainer zeigte sich beeindruckt von der Flexibilität und dem professionellen Umgang mit der Situation.
„Es ist sehr gut gelaufen. Reno war der beste Sportler, den man für so etwas bekommen konnte, zumal er ja auch glühender Hansa-Fan ist. Das passte perfekt. Wir hatten eine lockere Einheit zusammen, die sehr viel Spaß gemacht hat“, erklärte Christian Rahn nach dem Training. Der Coach hatte im Vorfeld spezielle Übungen vorbereitet, die er aufgrund von Tiedes Seheinschränkung kurzerhand anpassen musste – etwa durch den Einsatz akustischer statt visueller Signale.
Keine Berührungsängste und eine wertvolle Erfahrung
Für Christian Rahn war das Thema Inklusion nicht neu. „In meinem Freundeskreis gibt es jemanden mit Down-Syndrom. Ich kenne auch zwei Rollstuhlfahrer, die große HSV-Fans sind. Ich hatte also schon vorher Kontakt zu Menschen mit Handicap und weiß, dass man im Umgang keine Scheu haben darf“, betonte der ehemalige Bundesligaspieler und Nationalspieler. Diese Offenheit spiegelte sich auch in der Trainingseinheit wider, bei der beide Seiten voneinander lernten.
Reno Tiede, der aktuell mit dem RGC Hansa in der Champions League um den Finaleinzug kämpft, lobte insbesondere die Anpassungsfähigkeit des Fußballtrainers: „Man hat rasch gemerkt, dass man es mit einem Profi-Trainer mit klaren Vorstellungen zu tun hat, der wusste, was er erreichen will, aber sehr schnell in der Lage war, auf meine Einschränkung einzugehen und Übungen, die er sicherlich anders geplant hatte, kurzerhand umzustellen. Das fand ich cool.“
Ziel der Aktion: Mehr Sichtbarkeit und neue Trainer gewinnen
Der VBRS MV verfolgt mit seiner Traineroffensive das klare Ziel, Berührungsängste abzubauen und den Para-Sport stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Durch die Begegnung von Spitzensportlern mit Handicap und etablierten Trainern aus dem Profisport soll gezeigt werden, wie einfach der Einstieg in den inklusiven Sport sein kann und welches immense Potenzial in dieser Disziplin steckt.
„Ich hatte nie das Gefühl, dass vor mir jemand steht, der nur ein Prozent Sehkraft hat“, resümierte Christian Rahn die gemeinsame Trainingseinheit. Diese Aussage unterstreicht den Kern der Initiative: Menschen mit und ohne Behinderung können auf Augenhöhe zusammenarbeiten und voneinander profitieren. Der Para-Sport verdient einen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft – und Aktionen wie diese tragen maßgeblich dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.



