Einmaliger Vorgang im Lübzer Karneval
Die Narren in Lübz erlebten bei der offiziellen Proklamation am Freitagabend eine historische Überraschung. Henry Müller wurde als Prinz Henry zum II. zum zweiten Mal in das höchste Amt des Lübzer Karnevals berufen - ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte der mecklenburgischen Narrenregentschaft.
Geheimnisvolle Enthüllung zur festgesetzten Stunde
Bis genau 21 Uhr blieb die Identität des neuen Prinzenpaares streng geheim gehalten. Erst dann wurde Rebecca I. gemeinsam mit ihrem Gemahl der närrischen Gemeinde präsentiert. Viele anwesende Karnevalisten rieben sich verwundert die Augen, als sie den wiederkehrenden Prinzen erkannten.
Der 60-jährige Henry Müller hatte das Prinzenamt bereits vor vielen Jahren inne, damals in jüngeren Jahren und mit seiner ersten Ehefrau. „Daher ist meine heutige Frau Rebecca als Prinzessin auch die Erste“, erklärt der wiedergewählte Prinz mit einem Schmunzeln.
Tief verwurzelte Karnevalstradition in der Familie
Die Verbindung der Familie Müller zum Lübzer Karneval reicht über Generationen zurück:
- Prinzessin Rebecca war bereits in der 25. Session als Funkenmariechen aktiv
- Ihre Tochter übernahm dieselbe Rolle ein Vierteljahrhundert später
- Henry Müller bekleidete verschiedene Funktionen im Karnevalsverein
- Sohn Thomas Müller trug vor zwei Jahren die Prinzenwürde und sitzt im Elferrat
„Er ist demzufolge auch der Einzige in der Familie, der von unserer Nominierung wusste“, verrät das Prinzenpaar. „Unsere beiden anderen Kinder und die Enkeltochter hatten bis zur offiziellen Nominierung keine Ahnung! Wir haben eben den Karneval im Herzen.“
Von der humorvollen Idee zur ernsthaften Ernennung
Die außergewöhnliche Wiederwahl entwickelte sich aus einem scheinbaren Scherz heraus. Nach der Veranstaltung des 72. Prinzenpaares Sina und Steffen Wallstabe entstand unter Mitgliedern des Elferrats die humorvolle Idee, man könne einen Prinzen quasi „recyceln“. Dieser Gedanke wurde als Running Gag weitergetragen, doch das Ehepaar Müller nahm die Anspielungen zunächst nicht ernst.
Erst als der Elferrat am vierten Advent persönlich vor der Tür stand und die offizielle Anfrage überbrachte, wurde aus der scherzhaften Idee ernsthafte Realität. „Da hättet ihr gern 20 Jahre eher kommen können!“, reagierte Rebecca Müller spontan. „Denn inzwischen sind wir beide über 60 - so ein altes Prinzenpaar hatte es unseres Wissens nach in Mecklenburg noch nicht gegeben.“
Symbolische Übergabe und persönliche Entscheidung
Die entscheidende Weichenstellung erfolgte durch eine symbolträchtige Geste. Das scheidende Prinzenpaar hatte eine sogenannte Karnevalskiste vorbereitet, die eine Flasche Sekt, Orden, Mützen und einen Brief für die Nachfolger enthielt. Rebecca Müller, die zufällig am Ausgang saß, nahm diese Kiste vom Präsidenten entgegen - ohne sich der tiefgreifenden Bedeutung dieser Handlung bewusst zu sein.
Letztlich überwog bei beiden die Ehre, das Amt anzunehmen. Besonders beeindruckt zeigte sich Rebecca von einem Leitsatz, den die amtierende Prinzessin kurz zuvor verlesen hatte: „Du bist noch nicht zu alt und es ist noch nicht zu spät!“ Diese Worte gaben den Ausschlag für die historische Entscheidung, die nun in die Annalen des Lübzer Karnevals eingehen wird.



