Vom Heimatfasching zur Landesrepräsentation: Ein Pegauer Paar schreibt Karnevalgeschichte
Was als bescheidener Plan für den heimischen Fasching begann, entwickelte sich zu einer historischen Karneval-Überraschung: Désirée und Simon Kremers vom Pegauer Karneval-Klub sind das erste Landesprinzenpaar Sachsens. Ursprünglich wollte das Ehepaar aus der südlich von Leipzig gelegenen Stadt lediglich das 62. Prinzenpaar ihrer Heimatgemeinde werden und die Faschingssaison in vertrautem Rahmen genießen.
Die unerwartete Krönung in Oelsnitz
Die Wende kam bei der Finalentscheidung in Oelsnitz im Vogtlandkreis. Nach Vortanzen und Vorstellung standen die Kremers mit zwei weiteren Paaren auf der Bühne. Als Platz drei und zwei verkündet wurden, wurde plötzlich klar: Das Pegauer Paar würde fortan die 186 Vereine des Verbands Sächsischer Carneval repräsentieren. „Damit hat eine ganz besondere Reise begonnen“, erinnert sich die 41-jährige Désirée Kremers.
Seit diesem denkwürdigen Moment tragen Désirée I. und Simon I. ihre dunkelgrünen, goldverzierten Kostüme und vertreten Karnevalsvereine im gesamten Freistaat. Die unerwartete Ehre erforderte besondere Maßnahmen: Beide nehmen für ihre Regentschaft Elternzeit – vier Wochen bei ihr, etwas mehr als drei Wochen bei ihm.
Elternzeit für das karnevalistische Ehrenamt
„Die Entscheidung dafür war jetzt keine schwere Entscheidung“, betont der 35-jährige Simon Kremers. Das Paar habe bewusst Freiräume schaffen wollen, um weder Beruf noch Familie zu vernachlässigen. Diese Hingabe zum karnevalistischen Ehrenamt unterstreicht die Bedeutung, die sie ihrer neuen Rolle beimessen.
Ihre gemeinsame Geschichte begann bereits vor Jahren im närrischen Trubel Leipzigs. „Im späteren Verlauf des Abends sind wir uns dann über die Füße gestolpert“, erzählt Simon Kremers, der am Niederrhein aufwuchs. Was ihn dort am Karneval begeisterte, findet er auch in Sachsen wieder: „Es ist einfach eine besondere Ausgelassenheit, weil alle ganz anders aussehen durch die Verkleidung.“
Höhepunkte und emotionale Momente
Zu den bisherigen Höhepunkten ihrer Amtszeit zählen:
- Der Besuch im Bundeskanzleramt in Berlin
- Der Empfang bei Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)
- Spontane Jubelstürme im eigenen Pegauer Verein
Besonders emotional waren die Momente in der Heimat. Nach einer Veranstaltung habe der gesamte Verein noch einmal spontan gejubelt, als sie den Raum betraten. „Ganz ehrlich und ganz spontan – und das war wirklich großartig“, schwärmt Simon Kremers.
Karneval als verbindende Kraft
Wenn ihre Amtszeit endet, hoffen die Kremers vor allem auf eines: dass ihnen die Menschen Echtheit bescheinigen. „Das wäre, glaube ich, das größte Lob“, sagt Simon Kremers. Für das Paar steht fest: Karneval soll Menschen zusammenbringen – besonders in Zeiten, die oft schwer wirken. Durch die Verkleidung verblassten Alltagsunterschiede, man werde „so ein bisschen gleicher untereinander“.
Was als lokales Faschingvergnügen begann, hat sich zu einer landesweiten Mission entwickelt. Das erste sächsische Landesprinzenpaar zeigt, wie karnevalistisches Engagement Menschen verbindet und selbst unerwartete Ehrenämter zu Herzensangelegenheiten werden können.



