Schwedt würdigt visionären Bürger mit Parkbenennung
Die Stadt Schwedt hat einen neuen Hain zwischen der Michail-Lomonossow-Straße und der Justus-von-Liebig-Straße offiziell als Dr.-Hans-Lobeck-Park benannt. Dieser besondere Ort, an dem künftig Baumpflanzungen zu besonderen Anlässen möglich sind, erinnert nun an einen Mann, der seiner Zeit weit voraus war.
Demokratische Entscheidung durch Online-Abstimmung
Die Namensgebung erfolgte auf Basis einer öffentlichen Online-Abstimmung, bei der die Bürgerinnen und Bürger Schwedts aktiv mitwirken konnten. Ende des Jahres 2025 hatten insgesamt 57 Personen 116 Namensvorschläge eingereicht, aus denen sechs Favoriten für die finale Abstimmung ausgewählt wurden.
Insgesamt gingen 756 Stimmen ein, wobei der Vorschlag „Dr.-Hans-Lobeck-Park“ mit 177 Stimmen (23,41 Prozent) die klare Mehrheit erzielte. Dieser Gewinnervorschlag wurde vom Kinder- und Jugendtheater Stolperdraht eingereicht. Die weiteren Platzierungen belegten „Grünes Eck“ mit 155 Stimmen, „Fröbelhain“ mit 135 Stimmen, „Fröbelgarten“ mit 128 Stimmen, „Schwedter Zeitgarten“ mit 93 Stimmen und „Liebighain“ mit 68 Stimmen.
Wer war Dr. Hans Lobeck?
Dr. Hans Lobeck lebte von 1881 bis 1945 in Schwedt und hinterließ als Arzt und engagierter Kommunalakteur ein bedeutendes Erbe. Von 1926 bis 1936 leitete er das städtische Krankenhaus und setzte sich intensiv für Maßnahmen zur Seuchenprävention ein. Zu seinen konkreten Projekten gehörte unter anderem das Zuschütten der Schinderkuhle, um die hygienischen Verhältnisse zu verbessern.
Als Mitglied des Magistrats und Dezernent für Verkehrs-, Verschönerungs- und Friedhofsangelegenheiten trieb er zahlreiche Stadtentwicklungsprojekte voran. Dazu zählten:
- Die Einrichtung einer Abwasserableitung vom Juliusturm durch den Polderbereich zur neuen Stromoder
- Die Sicherstellung von Krankenhausbehandlungen für Bedürftige nach 1923
- Aktives Engagement in Vereinen wie dem gemeinnützigen Bürgerverein Schwedt
Visionäre Stiftungspläne für die Stadt
Besonders bemerkenswert waren Lobecks Pläne für eine großzügige Stiftung, mit der er große Teile seines Vermögens gemeinnützigen Zwecken widmen wollte. Seine ambitionierten Ziele umfassten:
- Die Umgestaltung des Stadtbereichs für verbesserte Lebensbedingungen
- Die Umbettung der Gräber beider kirchlicher Friedhöfe auf ein neues Areal
- Die Verlegung des Bahnhofs zur Optimierung der Infrastruktur
- Die Wiederherstellung der Sichtachse zwischen Monplaisir und Stadtschloss
- Die Stärkung des Hochwasserschutzes
Die Stadt Schwedt würdigt dieses Engagement mit den Worten: „Insgesamt waren die Stiftungsziele darauf ausgelegt, den Einwohnern und künftigen Generationen Bedingungen zu schaffen, unter denen man in Schwedt gut leben und wohnen kann. Damit war Lobeck in seinem Handeln und Denken seiner Zeit weit voraus.“
Persönliches Engagement trotz Widerstände
Die Stiftung wurde am 11. April 1934 unter Auflagen genehmigt, was ihre Umsetzung deutlich verzögerte. Dennoch blieb Lobeck aktiv: Anlässlich seines 50. Promotionsjubiläums eröffnete er eine neue Flussbadestelle, die er aus eigenen Mitteln finanzierte. Im selben Jahr verlieh ihm die Stadt Schwedt/Oder die Ehrenbürgerwürde.
Im September 1941 wurden seine Stiftungspläne durch einen Erlass des Potsdamer Ministeriums aus politischen Gründen gestoppt. Die bereits vorhandenen Gelder in Höhe von 85.000 Reichsmark flossen mit Lobecks Zustimmung in einen Krankenhausanbau, womit sein philanthropischer Geist dennoch Wirkung zeigte.
Mit der Benennung des neuen Parks setzt Schwedt nun ein bleibendes Zeichen der Anerkennung für einen Bürger, dessen visionäres Wirken die Stadt nachhaltig geprägt hat. Der Dr.-Hans-Lobeck-Park wird nicht nur ein Ort der Erholung sein, sondern auch ein lebendiges Denkmal für bürgerschaftliches Engagement und Weitsicht.



