Kulturverein 'Die Brücke' in Schwedt feiert 35-jähriges Bestehen nach der Wende
Schwedter Kulturverein 'Die Brücke' wird 35 Jahre alt (26.03.2026)

Kulturverein 'Die Brücke' in Schwedt: 35 Jahre Gemeinschaft nach der Wende

Aus einer schwierigen Zeit des Umbruchs entstand in Schwedt etwas Bleibendes: Der Kulturverein 'Die Brücke' feiert in diesen Tagen sein 35-jähriges Bestehen. Was 1991 als Initiative von ehemaligen Mitarbeitern des Petrolchemischen Kombinats (PCK) begann, die durch die Privatisierung in den Vorruhestand geschickt wurden, hat sich zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt entwickelt.

Gründung in einer Zeit des Umbruchs

Im Juni 1990 wurde das Petrolchemische Kombinat Schwedt aufgelöst, die Treuhand privatisierte den Betrieb. Mehr als 8000 Beschäftigte bangten um ihre Arbeitsplätze, die Stimmung in der Stadt war gedrückt. Durch verschiedene Maßnahmen wurden Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut – eine davon war der Vorruhestand für viele Arbeiter und Ingenieure, die oft erst Mitte 50 waren.

Lore Höpfner, damals Leiterin der Gewerkschaftsbibliothek im PCK, empfand diesen frühen Ruhestand als zu früh für Körper und Geist. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete sie den Klub der Mittfünfziger mit einem klaren Anspruch: Jeden Mittwoch sollte eine kulturelle Veranstaltung stattfinden.

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Von der Initiative zum festen Verein

Dieser Ehrenkodex wird bis heute durchgehalten. Was als kleiner Klub begann, wuchs schnell und wurde bald zum Kulturverein 'Die Brücke' umbenannt. Der Name war Programm: Die Ruheständler wollten Brücken zueinander bauen und Verbindungen schaffen.

Das Programm ist vielfältig und umfasst:

  • Schriftstellerlesungen
  • Museums- und Konzertbesuche
  • Vorträge zu verschiedenen Themen
  • Kino- und Theaterbesuche
  • Regionale Kulturveranstaltungen

Ein Stück Stadtgeschichte

Die Geschichte des Vereins ist eng mit der Geschichte Schwedts verwoben. Im vergangenen Jahr beschäftigten sich die Mitglieder mit Kunst und Kultur der 1970er-Jahre – eine Zeit, die viele von ihnen als junge Eltern miterlebt hatten.

1970 entstand aus dem Erdölverarbeitungswerk Schwedt das Petrolchemische Kombinat, die Stadt bekam ihre erste Ampel, das Centrum-Warenhaus wurde eröffnet und der Grundstein für das heutige Kreiskulturhaus gelegt. Damals hatte Schwedt ein Durchschnittsalter von 29 Jahren und zählte 54.000 Einwohner, von denen die meisten im PCK arbeiteten.

Brücken in die Gegenwart

Heute hat der Verein 98 Mitglieder, viele sind mit ihrem Verein älter geworden und längst über 80. Lore Höpfner arbeitet als Ehrenmitglied immer noch im Vorstand, genau wie Mitgründerin Rita Fischer, die Ingenieurin in der Wasserwirtschaft des PCK war.

„Was wäre gewesen, wenn wir diesen Verein nicht gegründet hätten?“, fragt Lore Höpfner. „Er ist eine Heimstatt für viele, und unser Mittwoch ist immer ein ganz wichtiger Tag.“ Vorsitzende Gudrun Eger ergänzt: „Einmal Brücke, immer Brücke.“

Der Verein schlägt auch Brücken zu Künstlern der Uckermark. Im Juni ist Autorin Doreen Mechsner aus Seelübbe erneut zu Gast und stellt ihr neues Buch vor. 2026 ist ein besonderes Themenjahr für „Die Brücke“ – die Veranstaltungen widmen sich dem „Kulturland Sachsen“.

Fester Bestandteil des kulturellen Lebens

„Diese Entwicklung war nicht abzusehen“, sagt Gudrun Eger. „Der Verein ist eine beständige Größe im kulturellen Angebot von Schwedt. Unsere Programme stehen allen Bürgern offen.“

Aus einer traurigen Sache – dem Verlust des Arbeitsplatzes und dem erzwungenen Vorruhestand – ist etwas Gutes geworden: Eine Gemeinschaft, die seit 35 Jahren das kulturelle Leben in Schwedt bereichert und Generationen verbindet.

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