Schweriner Modellbahnclub: Wo Miniaturzüge Heimatgeschichte und Hightech verbinden
Wenn Tobias Hofmann aus Klein Krams bei Ludwigslust über seine detailgetreue Nachbildung des Bahnhofs Dömitz um das Jahr 1963 spricht, klingt das nicht nach Spielzeug. Es ist eine Erzählung von Landschaft, Geschichte und Heimat. In der Mensa der Schweriner John-Brinckman-Schule reihen sich sorgsam verschraubte Module aneinander, die Geschichten aus der Griesen Gegend zwischen Dömitz an der Elbe und Hagenow lebendig werden lassen – einer Region, die im Original längst nicht mehr so existiert.
Mehr als 350 Meter Gleise im Miniaturformat
„Solche Anlagen erzählen Geschichten“, betont Tobias Hofmann. In diesem Jahr bildet die Nachbildung der früheren Strecke Ludwigslust–Dömitz einen besonderen Höhepunkt der Ausstellung des Schweriner Modellbahnclub e. V. Was einst Mecklenburg und das Elbland verband, fährt hier im Maßstab 1:87 wieder. Die aktuelle Präsentation umfasst beeindruckende mehr als 350 Meter Gleise, verteilt auf 93 Module. Seit Wochen haben die Vereinsmitglieder intensiv gebaut, gelötet und programmiert. Drei Tage vor der Eröffnung begann der komplexe Aufbau: Kisten wurden sortiert, Kabel verlegt und die digitale Steuerung gründlich geprüft.
Digitale Pionierarbeit seit 1997
Digitalisierung ist für den Schweriner Verein keineswegs neu. Bereits seit dem Jahr 1997 setzt der Club auf diese fortschrittliche Technik. Jede Lokomotive kann einzeln angesteuert werden, inklusive realistischer Licht- und Soundeffekte. „Wer möchte, darf selbst ans Steuer“, lädt Vereinsvorsitzender Frank Tille die Besucher ein. Besonders faszinierend werden die Nachtfahrten am 20. Februar, wenn die Lichter angehen und Züge durch die Dunkelheit rollen. Dabei entsteht jene stille Faszination, die Gäste in den Winterferien immer wieder anzieht.
Eine gelungene Mischung aus Tradition und Innovation
Vereinschef Frank Tille blickt zufrieden auf den Eröffnungstag am Sonnabend, dem 14. Februar, zurück. „Sehr erfolgreich“, resümiert er nüchtern und meint damit die vielen strahlenden Gesichter unter den Besuchern. Trotz des sonnigen Wetters draußen fanden zahlreiche Familien den Weg in die Ausstellung. „Man kann sich hier aufwärmen, ein paar Runden drehen und danach wieder raus in den Schnee“, erklärt Tille den Reiz. Der Club zählt 35 Mitglieder, von denen rund 20 die Ausstellung vor Ort stemmen. Dass darunter inzwischen fünf Jugendliche sind, erfüllt Tille mit Optimismus. Lange wurde das Hobby belächelt, doch die Kombination aus Handwerk und Hightech zieht wieder an.
Jugendliche begeistern sich für moderne Modellbahn
Einer, der diese Entwicklung bestätigt, ist Piet Kalledettmann. Der 15-Jährige steht neben seiner eigenen Anlage und ist seit Januar 2025 Mitglied im Verein. Seine Begeisterung begann beim Großvater, der ihm die ersten Züge zeigte. Heute lötet Piet Decoder ein, rüstet Loks von analog auf digital um und spricht selbstverständlich von Lichtfunktionen und Soundmodulen. „Man kann die Modelleisenbahn inzwischen sogar über das Handy steuern“, erklärt der junge Modellbahner. Fünfmal war er bereits im Miniaturwunderland Hamburg, zuletzt elfeinhalb Stunden am Stück. Ideen bringt er mit zurück nach Schwerin: „Ein Modul mit Weinbergen sollte es werden, nun planen wir einen Irrgarten“. Auf seiner privaten Spur-N-Anlage im Maßstab 1:160 stecken mehr als 170 Arbeitsstunden. Weitere Projekte sind bereits in Planung, darunter ein Hafen, sobald die neue Gleistechnik verlegt ist.
Generationenübergreifende Faszination
Zwischen Tobias Hofmanns detailgetreuer Dömitz-Szenerie und Piets kompakter Nachwuchsanlage spannt sich ein faszinierender Bogen. Er reicht von Erinnerungskultur bis zur Zukunftsvision, von analoger Handarbeit bis digitaler Steuerung. In den Winterferien wird die Mensa zum lebendigen Treffpunkt für Generationen:
- Großeltern erklären ihren Enkeln alte Baureihen
- Jugendliche und erfahrene Modellbahner programmieren gemeinsam Decoder
- Eltern staunen über die Präzision im Kleinen
Wenn die Soundloks anfahren, verschwimmt für einen Moment der Unterschied zwischen Original und Modell – bis auf den Größenunterschied, wie Piet treffend bemerkt. Die Schweriner Modellbahnausstellung ist in der Mensa der alten John-Brinckmann-Schule noch bis zum 22. Februar zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, am 22. Februar bis 16 Uhr und am besonderen „Nachtfahrtag“ (20.02.) sogar bis 19 Uhr.



