Vorsitzender der Tierrettung Vorpommern-Greifswald wegen Untreue verurteilt
Das Amtsgericht Greifswald hat in der vergangenen Woche den Vorstandsvorsitzenden der Tierrettung Vorpommern-Greifswald, Klaus Kraft, in insgesamt 30 Fällen wegen Untreue schuldig gesprochen. Die verhängte Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Die Tierrettung Vorpommern-Greifswald ist seit mehreren Jahren als Verein kreisweit im Einsatz und unterstützt Behörden bei tierbezogenen Notfällen.
Drei Hauptvorwürfe mit finanziellen Schäden
Die dem Angeklagten zur Last gelegten Taten ereigneten sich zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 31. Januar 2024 und umfassen drei zentrale Themenkomplexe. Erstens soll Kraft eigenmächtig seinem Sohn über ein Jahr lang Mietkosten für ein Vereinsobjekt erlassen haben, wodurch dem Verein ein Schaden von fast 2000 Euro entstanden sei. Zweitens habe der Sohn des Beklagten für die private Abholung eines Pkw aus Hessen die EC-Karte des Vereins verwendet, was einen Schaden von etwa 420 Euro verursacht habe.
Der dritte Komplex betrifft 13 weitere Tatbestände rund um Handyrechnungen und den Mobilfunkvertrag des Angeklagten. Auch hier soll er ohne Absprache mit dem restlichen Vorstand gehandelt haben, was zu einem Schaden von ungefähr 700 Euro geführt habe. Während der Hauptverhandlung äußerte sich der Angeklagte umfassend, vier Zeugen wurden vernommen und umfangreiche Urkunden eingeführt.
Angeklagter geht in Berufung und erhebt Gegenvorwürfe
Klaus Kraft zeigt sich nach der Urteilsverkündung fassungslos und sieht die Anklage als persönlichen Angriff. „Sofort haben wir zudem Berufung gegen das Urteil eingelegt“, teilte er mit. Er betont, dass der Tierrettung kein finanzieller Schaden entstanden sei, da er alle Rechnungen sofort beglichen habe, als die Vorwürfe erstmals aufkamen. Sein privates Mobiltelefon diene auch als Notrufnummer für die Tierrettung, und der von seinem Sohn abgeholte Oldtimer sollte nach dem Wiederaufbau als Versteigerungsobjekt für den Verein genutzt werden.
Die verwendete EC-Karte sei als Tankkarte eingesetzt worden, was laut Kraft mit allen Beteiligten abgesprochen gewesen sei. Stattdessen verweist er auf seine erheblichen privaten Investitionen in den Aufbau der Tierrettung am Medower Standort.
Konflikt mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald
Kraft sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Vorwürfen gegen ihn und anhaltenden Unstimmigkeiten mit der Kreisverwaltung Vorpommern-Greifswald. Der Landkreis arbeite seit längerer Zeit nicht mehr mit der Tierrettung zusammen, und Kraft hat den Eindruck, dass es in der Verwaltung persönliche Probleme mit ihm gebe. Diesen Vorwürfen will er nun öffentlich entgegentreten.
Die Tierrettung Vorpommern-Greifswald leistet wichtige Dienste bei tiermedizinischen Notfällen, insbesondere bei Großtieren, bildet Retter aus und setzt bei Einsätzen wie der Rehkitz-Rettung Drohnentechnik ein. Der Verein ist laut eigenen Angaben überwiegend spendenfinanziert und unterstützt auch Feuerwehren bei Einsätzen mit betroffenen Tieren.



