Vereine als unverzichtbare Säule der Demokratie: Ein Appell zur Stärkung
Stefan Geister, Executive Board Member bei L'Oréal und Mitgründer von VEREINITY, hat im Podcast „Flutlicht an!“ eindringlich auf die zentrale Bedeutung von Sportvereinen für unsere demokratische Gesellschaft hingewiesen. Gleichzeitig mahnt er vor realen Gefahren, die diese wichtige Institution bedrohen könnten.
Persönliche Verbundenheit als Antrieb
Die Arbeit hat Stefan Geister zwar an viele Orte weltweit geführt, doch seine tiefste Zugehörigkeit empfindet der gebürtige Ostwestfale dort, wo er seine Vereine hat. Sowohl die große Liebe Arminia Bielefeld als auch der lokale Tennisverein, in dem er regelmäßig zum Schläger greift, bilden für ihn wichtige Ankerpunkte.
„Nicht immer war mir diese Bedeutung in voller Deutlichkeit bewusst“, gesteht Geister. „Aber irgendwann wurde klar: Ich möchte aus diesem Thema etwas machen, mich einbringen, mich engagieren.“
Engagement als Lebensprinzip
Das Thema Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch Geisters Biografie. Seine feste Überzeugung, dass alle Menschen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben sollen, reicht bis in die Kindheit zurück und ist eng mit der eigenen Familiengeschichte verbunden: Beide Elternteile waren Flüchtlingskinder.
Im Berufsleben hat Geister stets darauf geachtet, für Unternehmen tätig zu sein, die seine Werte teilen. Seit über einem Jahrzehnt ist er bei L'Oréal, wo er als Executive Board Member für DEIB-Themen (Diversity, Equity, Inclusion, Belonging) eintritt.
Vereine als demokratische Kraftzentren
Außerhalb des Berufsalltags identifiziert Geister Vereine als entscheidende Orte und Treiber für die Demokratie. Das Vereinswesen dürfe sich nicht nur auf den ihm garantierten verfassungsrechtlichen Schutz berufen, sondern müsse auch die eigenen Verpflichtungen ernst nehmen – für die Verfassung, für das Grundgesetz.
„Ich sehe, dass mittlerweile ein Drittel der Bevölkerung ein Problem mit der Zugehörigkeit zu diesem Land hat. Von daher ist es wichtig, dass man sich da ganz stark macht“, betont Geister. „So ist auch die Gründung von VEREINITY zustande gekommen.“
VEREINITY: Satzungen demokratiefest machen
Im Oktober 2024 gründete Geister mit einer Gruppe von Mitstreitern den Verein VEREINITY. Ihr primäres Ziel: gemeinsam mit Vereinen an deren Satzungen zu arbeiten und diese demokratiefest zu gestalten.
„Was wir beobachten, ist, dass Vereine und Verbände oft sehr funktionale Satzungen haben“, erklärt Geister. „Die eigenen Werte – sportliche Werte, demokratische Werte – sind darin häufig gar nicht gesondert verankert.“
Folglich fehle es auch an Wehrhaftigkeit, wenn Mitglieder im Verein gegen diese grundlegenden Werte verstoßen. Hier setzt VEREINITY mit konkreter Unterstützung an:
- Überprüfung der bestehenden Satzung
- Vorschläge für neu aufzunehmende demokratische Werte
- Intensive Gespräche mit Vereinsverantwortlichen
- Empfehlung zur rechtlichen Prüfung der finalen Satzungsfassung
Dringlichkeit und politische Dimension
Geister rät ausdrücklich zur Eile, denn für die Annahme einer neuen Satzung benötigen Vereine eine Zweidrittelmehrheit. „Diese Mehrheiten könnten in Zukunft gefährdet sein oder sind es in einigen Regionen vielleicht bereits heute“, warnt er.
Neben der Satzungsarbeit setzt VEREINITY auf mehrere Säulen:
- Bildungsarbeit, insbesondere für jüngere Generationen
- Aufbau von Netzwerken zwischen engagierten Vereinen
- Klassische Lobbyarbeit bei Verbänden und in der Politik
„Ich werde nicht müde, Politikerinnen und Politiker darauf hinzuweisen, dass sie mit den Sportvereinen eine riesige Kraft für die Demokratie an der Hand haben“, so Geister.
Jeder Beitrag zählt
Gleichzeitig versucht er, Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen zu motivieren, selbst aktiv zu werden. „Sich im Sportverein zu engagieren, kann gesellschaftspolitisch einen großen Impact haben – auch für unsere Demokratie“, betont Geister. „Und das funktioniert bereits als einfaches Mitglied.“
Sein Appell ist klar: Wer heute demokratische Werte in Vereinsstrukturen verankert, kann sich auch dann mit Sicherheit darauf berufen, wenn antidemokratische Kräfte weiter an Einfluss gewinnen sollten. Die Stärkung der Vereine ist damit nicht nur eine sportpolitische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von höchster Dringlichkeit.



