50 km/h in 30er-Zone: Unfallforscher warnt vor unterschätzten Gefahren
50 km/h in 30er-Zone: Unfallforscher warnt vor Risiken

Berlin - Mal eben rechts auf dem Radweg halten, um Brötchen zu holen: Wird schon nicht so schlimm sein. Und was macht es schon, wenn ich in der 30er-Zone mal 50 km/h fahre? Der Unfallforscher Siegfried Brockmann warnt: Diese scheinbar harmlosen Regelverstöße können tödliche Folgen haben.

Die drei am meisten unterschätzten Gefahren

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur nennt Brockmann gleich mehrere Risiken, die viele Verkehrsteilnehmer nicht ernst genug nehmen. An erster Stelle steht das zu schnelle Fahren. Viele hielten Tempoüberschreitungen für ein Kavaliersdelikt, dabei könnten bereits 20 km/h zu viel den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Ein eindrückliches Beispiel

Brockmann veranschaulicht dies mit einem Szenario: Ein Kind läuft plötzlich auf die Straße. Bei Tempo 30 kommt das Auto mit einer Vollbremsung direkt vor dem Kind zum Stillstand. Fährt man jedoch 50 km/h, beträgt der Anhalteweg – also Reaktionsweg plus Bremsweg – deutlich mehr. Allein der Reaktionsweg liegt bei 50 km/h bei 18 Metern, während der gesamte Anhalteweg bei Tempo 30 nur etwa 14,5 Meter beträgt. Die Folge: Bei 50 km/h wäre das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit tot, denn ein Aufprall mit dieser Geschwindigkeit ist in der Regel lebensbedrohlich.

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Motorradfahren: 20-mal höheres Risiko

Eine weitere unterschätzte Gefahr sei das Motorradfahren an sich. Das Risiko, auf dem Motorrad getötet zu werden, sei 20-mal höher als beim Autofahren. Viele Motorradfahrer überschätzten den Schutz ihrer Kleidung und Helme. Doch ab einer Aufprallgeschwindigkeit von 40 km/h könne selbst ein Helm schwere Kopfverletzungen nicht verhindern, da das Gehirn sich im Schädel bewege.

Halten und Parken als Unfallursache

Als dritte große Gefahr nennt Brockmann das Halten und Parken. Dies sei eine mittelbare Ursache für viele Unfälle. Beim Aus- und Einparken würden häufig Radfahrer oder Fußgänger übersehen. Wer kurz auf dem Radweg halte, zwinge Radfahrer in den fließenden Verkehr. Auch das plötzliche Öffnen von Autotüren (Dooring) stelle eine erhebliche Gefahr dar. Zudem behinderten parkende Autos die Sicht, besonders für Kinder. Brockmann kritisiert, dass Kommunen oft zögerten, Parkplätze zu streichen, aus Angst vor Anwohnerprotesten.

Brockmann ist Leiter der Unfallforschung und Unfallprävention bei der Björn Steiger Stiftung und klärt seit Jahren über Risiken im Straßenverkehr auf. Er wünscht sich, dass der erste Satz der Straßenverkehrsordnung – „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ – in jedem Fahrzeug sichtbar wäre.

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