Pilotprojekte bei Aldi Nord und anderen Ketten: Können Supermarkt-Parkplätze das Parkplatzproblem in der Innenstadt lösen?
Stadtbewohner mit Auto kennen die allabendliche Herausforderung nur zu gut: die zermürbende Suche nach einem freien Parkplatz nach Feierabend. Doch nun zeichnet sich eine vielversprechende Lösung am Horizont ab. Immer mehr Supermarkt-Filialen erklären der Parkplatznot den Kampf und stellen ihre großzügigen Parkflächen über Nacht der Allgemeinheit zur Verfügung. Ein Vorreiter dieser Entwicklung ist der Discounter Aldi Nord, der aktuell ein neues Pilotprojekt ins Leben ruft.
Aldi Nord startet mit Feierabendparken in Bochum
Wie heute bekannt wurde, startet Aldi Nord ein Pilotprojekt zum sogenannten Feierabendparken an gleich drei Filialen in Bochum. Konkret handelt es sich um die Standorte Hansastraße 41, Unterstraße 54 und Hattinger Straße. Anwohner können dort ihre Fahrzeuge in der Zeit von 18.30 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag abstellen. Die Nutzung ist gebührenpflichtig und wird bequem per App abgewickelt. Die Kosten gestalten sich äußerst attraktiv: 2 Euro pro Nacht, 8 Euro für eine ganze Woche oder 20 Euro für einen kompletten Monat.
Claus Martin, Expansionist bei Aldi Nord, betont den gesellschaftlichen Nutzen: „Mit dem Feierabendparken leisten wir einen konkreten Beitrag zur Entlastung der Wohnquartiere.“ Pro Filiale stehen bis zu zehn Stellplätze für dieses Angebot bereit. Statt tausende Quadratmeter Asphalt nach Geschäftsschluss ungenutzt leer stehen zu lassen, werden so wertvolle Ressourcen aktiviert, die Zeit und Nerven der Autofahrer schonen und den lästigen Parksuchverkehr in den Wohnvierteln reduzieren.
Technologie und Kontrolle: Das Beispiel Getränke Hoffmann
Die Idee des nächtlichen Parkplatz-Sharings ist nicht auf Aldi beschränkt. Die Berliner Getränkekette Getränke Hoffmann hat ebenfalls ein Pilotprojekt gestartet und gibt Parkplätze an ausgewählten ihrer 90 Filialen für Nachtparker frei. Dieses Vorhaben wird ausdrücklich vom Berliner Senat unterstützt. Für die reibungslose Abwicklung und Kontrolle setzt Getränke Hoffmann auf die Technologie des Münchner Unternehmens Wemolo.
Das System funktioniert vollautomatisch: Kameras an Ein- und Ausfahrt registrieren das Kennzeichen der einfahrenden und ausfahrenden Fahrzeuge und ermitteln so die genaue Parkdauer. Parkplätze können sogar im Voraus reserviert werden, die Bezahlung erfolgt komplett online. Diese technologische Lösung gewährleistet eine sichere und transparente Nutzung der Flächen.
Die Lage bei anderen großen Handelsketten
BILD hat bei weiteren großen Supermarktketten nachgefragt, wie sie zum Thema Feierabendparken stehen. Die Antworten zeigen, dass das Konzept zunehmend an Bedeutung gewinnt.
- Aldi Süd: In Städten wie Düsseldorf, Köln, Bonn und Krefeld wird auf ausgewählten Filial-Stellplätzen bereits in Randzeiten geparkt. Auch in Augsburg läuft ein Pilotprojekt. Eine Sprecherin von Aldi Süd erklärt: „Die bisherigen Erfahrungen mit der Freigabe von Parkflächen über Nacht sind durchweg positiv. Das Feierabendparken kommt insbesondere in innerstädtischen Lagen gut an.“ Weitere innenstadtnahe Standorte werden regelmäßig geprüft.
- Edeka: Aufgrund der genossenschaftlichen Struktur entscheiden die einzelnen Filialleiter eigenständig über solche Angebote. Nichtsdestotrotz gibt es Feierabendparken bereits an Filialen in Großstädten wie Hamburg, München, Köln und Düsseldorf.
- Lidl: Auch der Discounter Lidl testet das Konzept des Anwohner- und Feierabendparkens, beispielsweise in Düsseldorf und Hamburg. Eine Sprecherin betont: „Im Rahmen unserer Filialentwicklungen denken wir grundsätzlich das Thema Mobilität mit und prüfen, welche Konzepte für den jeweiligen Standort umgesetzt werden können.“ Gleichzeitig wird darauf geachtet, ausreichend Parkmöglichkeiten für die regulären Kunden bereitzuhalten.
Die Pilotprojekte von Aldi Nord, Getränke Hoffmann und anderen zeigen einen klaren Trend: Supermarkt-Parkplätze entwickeln sich von reinen Kundenparkflächen zu multifunktionalen Räumen, die einen Beitrag zur Lösung urbaner Verkehrsprobleme leisten können. Ob sich dieses Modell flächendeckend durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die ersten Reaktionen und Erfahrungsberichte sind jedoch vielversprechend und deuten auf ein großes Potenzial für gestresste Stadtbewohner hin.



