Verkehrsminister erwägt Alkoholverbot in Zügen nach Attacken auf Zugpersonal
Die Sicherheit von Zugbegleitern rückt zunehmend in den Fokus der Verkehrspolitik. Nach einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen und verbalen Attacken gegen das Bahnpersonal denkt Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) nun über drastische Maßnahmen nach. Im Zentrum der Überlegungen steht ein mögliches Alkoholverbot für Fahrgäste im Regionalverkehr.
Alkohol als Hauptursache für Sicherheitsprobleme
In einem aktuellen Interview mit dem „Nordkurier“ brachte Crumbach das kontroverse Thema auf den Tisch. „Wenn ich mir anschaue, was denn der Hauptgrund für Sicherheitsprobleme ist, dann stelle ich fest, es ist sehr häufig Alkoholkonsum“, erklärte der Minister. Diese Beobachtung deckt sich mit den Erfahrungsberichten der Gewerkschaften EVG und GDL, die seit längerem über zunehmend enthemmte Angriffe gegen Zugbegleiter klagen.
Crumbach betonte die Dringlichkeit des Themas: „Die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter, die von Betrunkenen angegriffen oder angepöbelt werden, haben es verdient, dass wir das ernst nehmen.“ Der Minister wünscht sich eine gründliche Diskussion in den kommenden Wochen und Monaten.
Mögliche Umsetzung: Zeitliche und räumliche Beschränkungen
Interessant ist der differenzierte Ansatz, den der Verkehrsminister vorschlägt. Statt eines pauschalen Verbotes denkt Crumbach über maßgeschneiderte Lösungen nach: „Und wir müssen auch mal hingucken, ob das Alkoholverbot vielleicht auch nur zu bestimmten Zeiten und auf bestimmten Strecken gilt.“
Dieser pragmatische Ansatz könnte bedeuten, dass Alkoholverbote vor allem in den Abend- und Nachtstunden sowie auf besonders betroffenen Streckenabschnitten gelten würden. Der Minister konkretisierte, dass das Verbot nicht nur in den Zügen selbst, sondern auch auf Bahnhöfen und Bahnsteigen gelten könnte.
Gewerkschaften begrüßen Diskussionsansatz
Die Gewerkschaften EVG und GDL, die seit Jahren auf die prekäre Sicherheitssituation für Zugbegleiter hinweisen, dürften den Vorstoß des Ministers mit Interesse verfolgen. Ihre Forderungen nach besserem Schutz für das Bahnpersonal finden damit erstmals konkreten politischen Widerhall auf Ministerebene.
Crumbach stellte klar, dass es ihm nicht um eine generelle Bevormundung der Fahrgäste geht, sondern um den Schutz der Beschäftigten: „Man muss tatsächlich auch darüber nachdenken, ob wir Alkoholkonsum in Zügen, auf Bahnhöfen und Bahnsteigen künftig weiter tolerieren wollen.“
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Der Vorstoß des Brandenburger Verkehrsministers dürfte eine bundesweite Debatte auslösen. Andere Bundesländer mit ähnlichen Problemen im Nahverkehr werden die Entwicklung in Brandenburg genau beobachten. Die Diskussion um ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr steht exemplarisch für die größere Frage, wie der Schutz von Dienstleistungspersonal im öffentlichen Raum gewährleistet werden kann.
Bis zu konkreten Gesetzesänderungen wird es jedoch noch ein weiter Weg sein. Zunächst muss die von Crumbach angestoßene Diskussion in Fachkreisen, bei den Verkehrsunternehmen und in der Öffentlichkeit geführt werden. Sicher ist jedoch: Das Thema Sicherheit für Zugbegleiter hat durch den Ministervorstoß neue politische Priorität erhalten.



