Bahn-Kampagne »Boah, Bahn« kostete über sieben Millionen Euro
Die umstrittene Imagekampagne der Deutschen Bahn mit dem Titel »Boah, Bahn« hat nach übereinstimmenden Medienberichten mehr als sieben Millionen Euro gekostet. Die Webserie mit der Komikerin Anke Engelke in der Hauptrolle als Zugchefin Tina sollte ursprünglich die Frustration der Kundschaft aufgreifen und gleichzeitig Verständnis für die Mitarbeitenden werben. Doch angesichts der jüngsten Debatte über Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn nach der Tötung eines Zugbegleiters durch einen Fahrgast wird die hohe Investition nun scharf kritisiert.
Politiker und Gewerkschaft üben scharfe Kritik
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Fiedler, nannte die Kosten für die sieben Kurzvideos und einen Song in der »Bild am Sonntag« einen Skandal. »Für dieses Geld hätten mindestens hundert zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können«, sagte Fiedler dem Blatt. Das Thema werde im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein Nachspiel haben.
Auch der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Martin Burkert, äußerte sich kritisch. Mit Blick auf die Kosten fragte er laut »Bild am Sonntag«, »ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre«. Hintergrund der Kritik ist die Tötung eines Zugbegleiters, der im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert hatte und von einem Fahrgast ohne Ticket schwer verletzt wurde und kurz danach starb.
Keine Fortsetzung der Kampagne geplant
Unter der neuen Bahn-Chefin Evelyn Palla wurde die Situation offenbar neu bewertet. »Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit«, hieß es auf Anfrage. Die drei- bis vierminütigen Episoden waren auf den Social-Media-Kanälen der Bahn ausgespielt worden. Der DB-Vorstand für den Personenfernverkehr, Michael Peterson, hatte die Webserie mit Engelke zum Start im Oktober 2025 seinerzeit als »humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden« der Bahn gelobt.
Die Deutsche Bahn machte keine Angaben zu den Kosten und verwies auf Anfrage darauf, dass »Informationen zu Werbeausgaben sowie zu Auftrags- bzw. Vertragsdetails unmittelbare Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Deutsche Bahn AG sind und nicht öffentlich kommuniziert werden«. Das Budget bewege sich im Rahmen vergleichbarer Werbekampagnen in der Branche.
Geheimhaltung und politische Reaktionen
Wie die »Bild am Sonntag« berichtet, hatte sich das Bundesverkehrsministerium geweigert, die Kosten öffentlich zu benennen, stattdessen wurden sie nur in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestags zur Verfügung gestellt. Auch die »Süddeutsche Zeitung« bestätigt die Kosten von sieben Millionen Euro.
Zahlreiche Mitarbeiter der bundeseigenen Deutschen Bahn wurden nach Angaben des Bundes bereits Opfer von Straftaten. Es werden daher entsprechende Gegenmaßnahmen debattiert. Die EVG verweist seit Jahren auf mehr Übergriffe gegen das Personal und fordert mehr Schutz der Mitarbeiter. Die Diskussion um die hohen Ausgaben für die Imagekampagne dürfte in diesem Kontext weiter an Schärfe gewinnen.



