Bahn in der Krise: Ex-Minister Wissing und Ex-GDL-Chef Weselsky streiten über Rettung
Bahn-Krise: Wissing und Weselsky streiten über Rettung

Bahn in der Krise: Spitzengespräch über Gewalt, Vorstandsprobleme und Rettungspläne

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen Krise. Gewaltvorfälle in Zügen, interne Querelen im Vorstand und anhaltende Sanierungsprobleme dominieren die Debatte. In einem exklusiven SPIEGEL-Talk lieferten sich der ehemalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und der frühere Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, eine hitzige Diskussion über den Zustand des Staatskonzerns.

Gewalt und "Erbsenzähler": Kritik am Bahn-Management

Claus Weselsky übte scharfe Kritik an der aktuellen Führung der Deutschen Bahn. Er warf dem Vorstand vor, mit "Erbsenzählerei" betriebswirtschaftliche Details über die Sicherheit von Fahrgästen und Personal zu stellen. Die zunehmende Gewalt in Zügen sei ein alarmierendes Signal, das sofortiges Handeln erfordere. "Wenn Fahrgäste und Bahnmitarbeiter Angst haben müssen, hat die Bahn ihre grundlegende Aufgabe verfehlt", so der ehemalige Gewerkschaftschef.

Wissing verteidigt Bahn-Reform und kritisiert eigene Partei

Volker Wissing verteidigte dagegen die bisherigen Reformbemühungen, räumte aber erhebliche Defizite ein. Der Ex-Minister verwies auf die historische Last der Bahn, die 1994 in ein privatrechtliches Unternehmen umgewandelt wurde, jedoch komplett im Staatsbesitz verblieb. Ein damals geplanter Börsengang fand nie statt, was nach Wissings Ansicht langfristige Planungsunsicherheiten verursachte. Interessanterweise kritisierte Wissing auch seine eigene Partei, die FDP, und bezeichnete sie implizit als "Sanierungsfall". "Diese Regierung hätte erfolgreich sein können, ja sogar müssen", merkte er enttäuscht an.

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Historischer Kontext: Die umstrittene Bahn-Privatisierung

Ein zentraler Streitpunkt blieb die historische Umwandlung der Bahn. In einer früheren Version des Gesprächs war von "Privatisierung" als größtem Fehler die Rede, was die Redaktion korrigierte. Tatsächlich wurde die Bahn 1994 lediglich in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft überführt, bleibt aber vollständig im Eigentum des Bundes. Diese halbherzige Reform sieht Weselsky als Ursache vieler heutiger Probleme: "Weder Fisch noch Fleisch - das ist das Grundübel der Bahn".

Moderation und Produktion

Das Spitzengespräch wurde von Markus Feldenkirchen moderiert. Verantwortlich für die Produktion waren Kim Höbel (Leitung), Simon Garschhammer, Jan Kunigkeit und Fabius Leibrock (Redaktion), Sven Christian (Regie), Christian Weber (Ton & Produktion), Julia Parker (Gästeredaktion) sowie Robert Ackermann und Luis Schubert (Kamera). Das Gespräch fand am 19. März 2026 statt und löste eine breite Debatte über die Zukunft der Deutschen Bahn aus.

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