Bahn-Taskforce fordert Joker-Gleise gegen Verspätungen - Streichung von Verbindungen abgelehnt
Bahn-Taskforce: Joker-Gleise gegen Verspätungen gefordert

Bahn-Taskforce fordert Joker-Gleise für mehr Pünktlichkeit

Monatelang hat eine Expertengruppe intensiv über Maßnahmen gegen die chronischen Verspätungen der Deutschen Bahn beraten. Nun liegen nach SPIEGEL-Informationen konkrete Vorschläge vor, die insbesondere überlastete Bahnhöfe in den Fokus nehmen. Die Taskforce "Zuverlässige Bahn" empfiehlt unter anderem das systematische Freihalten von Ausweichgleisen, sogenannten Joker-Gleisen, an neuralgischen Knotenpunkten.

Überlastete Knotenpunkte als Hauptproblem

Die Überlastung viel genutzter Bahnhöfe in Metropolen wie Hamburg, Köln oder Frankfurt gilt als eine der wesentlichen Ursachen für die zahlreichen Verspätungen im Schienenverkehr. Die Expertengruppe, die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) als Teil seiner Bahn-Agenda eingesetzt wurde, schlägt in ihrem Entwurf für den Abschlussbericht vor, an diesen kritischen Punkten kurzfristige dispositive Entscheidungen durch reservierte Gleise zu ermöglichen. Dies soll die Flexibilität im Betriebsablauf erhöhen und Störungen schneller abfedern.

Weitere Maßnahmen zur Entlastung

Neben den Joker-Gleisen enthält der Bericht weitere konkrete Vorschläge zur Optimierung der Knotenpunkte:

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram
  • Einschränkung der Haltezeiten zum Wenden von Zügen
  • Verlängerung von Bahnsteigen für den Einsatz längerer Züge
  • Einführung verbindlicher Mindestpufferzeiten ab 2027, beispielsweise von einer Minute, um die Übertragung von Verspätungen zwischen Zugfahrten zu reduzieren

Insgesamt listet die Taskforce 22 Maßnahmen auf, die kurzfristig für mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sorgen sollen. Dazu zählen sogenannte Flex-Abfahrten, bei denen die Fahrplanzeit kurz vor der tatsächlichen Abfahrt liegt, sowie "Schubladenkonzepte" für den Störungsfall und der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Zugdisposition.

Kritische Punkte und Ablehnung von Verbindungsstreichungen

Allerdings bleiben viele der Vorschläge noch unverbindlich und sehen zunächst Prüfungen vor oder führen bereits beschlossene Schritte lediglich auf. Die praktische Umsetzung wirft zudem Fragen auf, da es an ohnehin überlasteten Bahnhöfen schwierig sein dürfte, Kapazitäten für zusätzliche Joker-Gleise zu finden.

Einer zentralen Forderung erteilen die Taskforce-Mitglieder eine klare Absage: der Streichung von Verbindungen. Obwohl Experten dies als Möglichkeit zur Verbesserung der Pünktlichkeit sehen, weil sich mit dem Verkehrsaufkommen auch das Risiko von Verspätungen erhöht, lehnt die Taskforce solche Kürzungen ab. Dem Bericht zufolge sieht die Gruppe "eine vorübergehende Reduktion des Angebots ausschließlich als Ultima Ratio" an, da sie unmittelbare negative Auswirkungen auf Verkehrsunternehmen, Reisende, Wirtschaft und Beschäftigte hätte.

Bis Ende März soll die Taskforce ein konkretes Maßnahmenpaket erarbeiten, das der Optimierung des Angebots in hochbelasteten Knoten dient. Die Expertengruppe setzt sich aus Vertretern von Bund und Ländern, Verkehrsverbünden, Branchenverbänden und Gewerkschaften zusammen und betont, dass eine Reduzierung von Verkehrsangeboten kein reguläres Instrument zur Verbesserung der Betriebsqualität darstellt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration