Rund zweieinhalb Monate nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einem Regionalzug in der Westpfalz testet die Deutsche Bahn beim Personal nun die Doppelbesetzung. Seit dem 13. April sind Kundenbetreuer in zahlreichen Zügen von DB Regio Mitte erstmals zu zweit unterwegs, wie die Bahn mitteilte. Ziel der Maßnahme ist es, die Sicherheit im Zug zu erhöhen.
Testläufe in mehreren Bundesländern
Für den Test wurden zunächst einige Strecken in Rheinland-Pfalz, im Saarland und im nördlichen Baden-Württemberg ausgewählt. Dazu gehört auch der Landkreis Bergstraße in Südhessen, der zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zählt. Die Doppelbesetzung soll dazu beitragen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen.
Erste positive Rückmeldungen
Bereits nach der ersten Einsatzwoche gab es positive Rückmeldungen von den Mitarbeitern. Silke Janser, Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Mitte, erklärte: „Durch das gemeinsame Auftreten konnten sie eine kritische Situation entschärfen und eine weitere Eskalation verhindern.“ Dies zeige die schnelle Wirksamkeit der Doppelbesetzung.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Tests werden mit der derzeit verfügbaren Anzahl an Kundenbetreuern durchgeführt. Dies bedeutet jedoch, dass einige Züge mit zwei Betreuern besetzt sind, während auf anderen Zügen gar kein Personal an Bord ist. Die Besetzung rotiert, sodass sich die Einsätze gleichmäßig über alle Züge und Linien verteilen. Wie lange der Testbetrieb andauern wird, ist noch nicht festgelegt.
Weitere Sicherheitsmodelle geplant
Die doppelte Besetzung war laut Bahn ein großer Wunsch vieler DB-Beschäftigter. In einem nächsten Schritt sollen auch andere Modelle getestet werden, etwa gemischte Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitspersonal oder Prüftrupps mit einer größeren Anzahl von Personen.
Hintergrund: Der tödliche Angriff
Anfang Februar war der Zugbegleiter Serkan Çalar in einem Regionalexpress von einem Fahrgast angegriffen und tödlich verletzt worden. Wegen des Verdachts des Totschlags sitzt ein griechischer Staatsbürger in Untersuchungshaft. Der damals 26-Jährige hatte keinen Fahrschein und sollte des Zuges verwiesen werden, woraufhin er den 36-jährigen Zugbegleiter mit Faustschlägen gegen den Kopf attackierte. Das Opfer erlag später einer Hirnblutung. Der Zug war von Landstuhl im Kreis Kaiserslautern nach Homburg im Saarland unterwegs.



