Deutsche Bahn: Umbau schreitet voran, doch Trendwende bleibt aus
Die Deutsche Bahn befindet sich mitten in einem umfassenden Transformationsprozess, doch eine echte Trendwende ist sowohl im Betrieb als auch in der wirtschaftlichen Lage bisher nicht erkennbar. Bahnchefin Evelyn Palla, die seit Oktober vergangenen Jahres an der Spitze des bundeseigenen Konzerns steht, zeigt sich unzufrieden mit dem aktuellen Zustand.
Umstrukturierung in vollem Gange
Die Neuaufstellung der Deutschen Bahn schreitet mit deutlichen Veränderungen in der Führungsstruktur voran. Bis 2027 soll die Umstrukturierung weitgehend abgeschlossen sein. Ein zentraler Bestandteil ist ein Kahlschlag in der Verwaltung: Von etwa 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung will Palla ein knappes Drittel abbauen.
Die Chefetagen werden deutlich verkleinert: Auf der Ebene unterhalb des Konzernvorstands wurden rund die Hälfte von zuvor 43 Führungsposten gestrichen. Die Chefetage selbst umfasst inzwischen nur noch sechs statt acht Vorstände. Nur zwei Mitglieder – Martin Seiler (Personal) und Michael Peterson (Fernverkehr) – sind aus der Ära von Pallas Vorgänger Richard Lutz übriggeblieben.
Entscheidungen sollen künftig verstärkt dort getroffen werden, wo sie anstehen, betont die Bahnchefin. Das bedeutet eine größere Verantwortlichkeit in der Fläche und weniger zentrale Steuerung.
Pünktlichkeit weiterhin problematisch
Für die Fahrgäste sind die Veränderungen bisher kaum spürbar. Im vergangenen Jahr waren lediglich rund 60 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs. Angesichts der überalterten und überlasteten Infrastruktur stellt Palla für dieses Jahr keine Verbesserung in Aussicht. Die Pünktlichkeitsquote soll lediglich stabil bleiben – ein Ziel, das angesichts der Extremwetterlagen im Januar und Februar bereits jetzt gefährdet erscheint.
„Die Schiene in Deutschland wieder in einen guten Zustand zu bringen, wird mindestens zehn Jahre dauern“, bekräftigte Palla in Berlin. Sie stimmt die Fahrgäste auf einen jahrelangen Marathon ein, wenn es um einen verlässlicheren Verkehr auf der Schiene geht.
Sofortprogramme für mehr Kundenzufriedenheit
Damit Fahrgäste trotzdem spürbare Verbesserungen erleben, hat die Bahn drei Sofortprogramme angekündigt, von denen zwei bereits angelaufen sind:
- Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen
- Komfort in den Fernverkehrszügen
- Information von Fahrgästen bei Verspätungen und Gleiswechseln
Diese Maßnahmen sind Teil der „Agenda für zufriedene Kunden“ des Bundesverkehrsministeriums und sollen kurzfristig für spürbare Verbesserungen sorgen.
Hohe Nachfrage trotz Problemen
Trotz der anhaltenden Pünktlichkeitsprobleme ist die Nachfrage im Schienenverkehr so hoch wie seit Jahren nicht. Der bundeseigene Konzern verzeichnete über alle Verkehrssparten hinweg im vergangenen Jahr rund 1,93 Milliarden Fahrgäste – ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit dem Ende der Pandemie.
Finanzielle Lage: Wenig Licht, viel Schatten
In der Bilanz für 2025 zeigt sich ein gemischtes Bild. Rechnet man den Verkaufserlös für die einstige Logistiktochter DB Schenker heraus, steht unterm Strich erneut ein Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro – etwa 0,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.
Hauptgrund dafür waren Wertminderungen bei der Unternehmenstochter DB Fernverkehr in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro. Da sich der Zustand des Netzes und damit auch die Pünktlichkeit nur langsam erholen, wirkt sich dies längerfristig auf das Geschäft im Fernverkehr aus. Die Abschreibungen beziehen sich laut Fernverkehrsvorstand Michael Peterson in gleichen Teilen auf die Züge und auf die Werke.
Die Sparte verzeichnete zwar einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 45 Millionen Euro und einen steigenden Umsatz, doch beide Kennzahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. Bahnchefin Palla stellte für den Fernverkehr ein Sanierungsprogramm in Aussicht.
Positive Signale trotz Herausforderungen
Trotz der hohen Verluste zeichnet sich nach Angaben von Palla mit Blick auf die wirtschaftliche Krise eine Trendwende ab. Der Konzern machte operativ, also vor Zinsen und Steuern (Ebit), einen Gewinn von 297 Millionen Euro und kam somit erstmals seit Jahren wieder in die schwarzen Zahlen. Der Umsatz stieg zudem um rund drei Prozent auf 27 Milliarden Euro.
Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen ein Ebit von rund 600 Millionen Euro und 28 Milliarden Euro Umsatz. Ein wichtiger Schritt war der Abbau des Schuldenbergs: Durch den Verkaufserlös von DB Schenker konnte die Verschuldung um knapp 12 Milliarden auf nunmehr 20,7 Milliarden Euro reduziert werden.
Auch Güterverkehr zeigt leichte Besserung
Bei der kriselnden Güterverkehrssparte DB Cargo gab es ebenfalls eine positive Entwicklung. Nach jahrelangen Verlusten verfehlte die Tochter im operativen Bereich mit einem Minus von 7 Millionen Euro nur knapp die Gewinnschwelle. Allerdings haben Veräußerungen von Teilen des Fuhrparks einen großen Anteil an diesem Ergebnis.
Der neue Cargo-Chef Bernhard Osburg hat einen Umstrukturierungsplan vorgelegt, der in Deutschland einen Abbau von 6.200 Stellen umfasst. In diesem Jahr muss die Tochter schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen Konsequenzen der EU-Kommission.
Langfristige Perspektiven
Fahrgäste müssen ihre Hoffnung auf ein umfassendes Sanierungsprogramm setzen, mit dem Bund und Bahn bis Mitte der 30er Jahre mehr als 40 wichtige Verkehrskorridore grundlegend modernisieren wollen. Allerdings wird sich das Baugeschehen dadurch zunächst erhöhen – allein für dieses Jahr stehen rund 28.000 Baustellen im Netz an.
Abzuwarten bleibt zudem, ob die Vorschläge einer „Taskforce zuverlässige Bahn“ dazu geeignet sind, das Schienennetz zu entlasten und für mehr Stabilität zu sorgen. Die Deutsche Bahn steht vor einem langen Weg der Erneuerung, dessen Erfolg sich erst in den kommenden Jahren zeigen wird.



