Deutsche Bahn: Hohe Entschädigungssummen für verspätete Züge
Die Deutsche Bahn (DB) hat im vergangenen Jahr aufgrund zahlreicher Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr 156,1 Millionen Euro an Entschädigungen an ihre Kunden ausgezahlt. Diese Bilanz teilte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson in einem Vorabbericht der Süddeutschen Zeitung mit. Die Summe stellt zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr dar, ist jedoch im Vergleich zu 2019 um das Dreifache gestiegen.
Rückgang dank fehlender Sonderereignisse
Peterson führte den Rückgang der Entschädigungszahlungen um etwa 41 Millionen Euro im Vergleich zu 2024 darauf zurück, dass es im vergangenen Jahr keine größeren Sonderereignisse wie Streiks gab. Trotzdem bleiben die Ausgaben für den Konzern eine erhebliche finanzielle Belastung. Die Sparte DB Fernverkehr belastet die Gesamtbilanz des Unternehmens spürbar.
„Die vielen Baustellen und Störungen sind für uns sehr herausfordernd“, erklärte Peterson. Eine mehrwöchige Streckensperrung könne zu Umsatzeinbrüchen „im ein- oder sogar zweistelligen Millionenbereich“ führen. Zusätzlich musste die Fernverkehrssparte fast 300 Millionen Euro mehr für die Nutzung der Schieneninfrastruktur aufbringen.
Einfluss des Deutschlandtickets auf die Auslastung
Eine weitere Herausforderung stellt das Deutschlandticket dar. Laut Peterson hat dieses Angebot 15 Millionen Fahrgäste aus den Fernzügen gezogen. Die Auslastung der Fernzüge sank 2025 auf nur noch 48 Prozent. „Vor Corona waren wir bei 56 Prozent, und ja, da wollen wir wieder hinkommen“, betonte der Vorstand.
Interne Turbulenzen an der Konzernspitze
Parallel zu den operativen Schwierigkeiten gab es erhebliche Verwerfungen in der Führungsetage. Fünf Vorstandsmitglieder, darunter Bahn-Chefin Evelyn Palla, haben in einem Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden die Abberufung der Finanzvorständin Karin Dohm gefordert. In dem Brief heißt es: „Das Vertrauensverhältnis eines jeden Einzelnen zu Frau Dohm ist nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestört.“
Dohm war erst im Dezember 2025 zur Finanzvorständin bestellt worden. Bereits Ende Februar 2026 wurde bekannt, dass sich die Deutsche Bahn nach nur drei Monaten wieder von ihr trennen will. In dieser kurzen Zeit hatte sie durch unkoordiniertes Handeln, etwa bei der Aufspaltung der Tochtergesellschaft DB Services, mächtige Interessenvertreter wie den Betriebsrat gegen sich aufgebracht.
Die Kombination aus hohen Entschädigungszahlungen, gesunkener Auslastung und internen Führungskrisen zeigt, dass die Deutsche Bahn weiterhin mit erheblichen strukturellen und finanziellen Herausforderungen zu kämpfen hat. Die Entwicklung der Entschädigungssummen bleibt ein kritischer Indikator für die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs in Deutschland.



