Deutsche Bahn startet Pilotprojekt: Erster Schienenersatzverkehr mit Leihfahrrädern
In Nordrhein-Westfalen startet die Deutsche Bahn ein innovatives Pilotprojekt, das den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren könnte. Statt der üblichen Busse sollen bei Streckensperrungen erstmals Fahrräder als offizieller Schienenersatzverkehr zum Einsatz kommen. Dieses ungewöhnliche Konzept wird ab dem 10. April 2026 zwischen Köln-Mühlheim und Bergisch Gladbach getestet.
Modernisierung erfordert kreative Lösungen
Grund für die außergewöhnliche Maßnahme ist die umfangreiche Modernisierung eines Stellwerks entlang der S-Bahn-Linie 11. Die wichtige Pendlerstrecke bleibt bis zum 3. Juli 2026 vollständig gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn soll der Zugverkehr nach Abschluss der Arbeiten deutlich zuverlässiger und pünktlicher werden. Zudem bildet diese Modernisierung die essentielle Voraussetzung für den geplanten zweigleisigen Ausbau der gesamten Strecke.
Ein Sprecher des Zweckverbands go.Rheinland, der das Nahverkehrsangebot in der Region plant und mit der Deutschen Bahn kooperiert, erklärt: „Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das wir im Anschluss gründlich auswerten werden. Basierend auf diesen Erkenntnissen entscheiden wir dann, ob dieser innovative Ansatz auch bei zukünftigen Bauarbeiten an der Schiene zum Einsatz kommen kann.“
So funktioniert der Fahrrad-Ersatzverkehr
An allen fünf Bahnhöfen zwischen Köln-Mühlheim und Bergisch Gladbach werden jeweils zehn speziell gekennzeichnete „S11-Bikes“ bereitgestellt. Diese Fahrräder tragen ein deutliches SEV-Branding und stehen morgens für Pendler bereit. Die praktische Umsetzung übernimmt die Regionalverkehr Köln GmbH in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Sharing-Anbieter nextbike.
Die Nutzung gestaltet sich einfach:
- Vor der ersten Nutzung ist eine Registrierung in der nextbike-App erforderlich
- Am Fahrrad kann dann der QR-Code gescannt werden
- Deutliche Schilder weisen den Weg entlang der speziellen Rad-Pendlerroute in beide Richtungen
- Eine Reservierung ist bis zu 15 Minuten vor Fahrtbeginn möglich
- Die Rückgabe erfolgt an einem der fünf beteiligten Bahnhöfe
Attraktive Konditionen für Nutzer
Für Abokunden des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg gestaltet sich die Nutzung besonders vorteilhaft: Sie erhalten pro Ausleihe 30 Freiminuten. Für alle anderen Nutzer gilt ein Regeltarif von einem Euro je angefangene 15 Minuten. Der bekannte Sharing-Anbieter nextbike kümmert sich zudem um eventuelle Pannen und stellt so einen reibungslosen Ablauf sicher.
Langfristige Perspektiven
Das Pilotprojekt könnte wegweisend für zukünftige Verkehrskonzepte werden. Bereits für das Jahr 2027 sind zwei weitere Sperrungen des Streckenabschnitts zwischen Köln und Bergisch Gladbach geplant: zunächst im Mai für eine Woche, dann im Juli für drei Monate. Ob dann erneut ein Schienenersatzverkehr mit Fahrrädern angeboten wird, hängt maßgeblich von den Ergebnissen des aktuellen Pilotprojekts ab.
Dieser innovative Ansatz zeigt, wie Verkehrsunternehmen auf aktuelle Herausforderungen reagieren und gleichzeitig umweltfreundliche Alternativen fördern können. Die Kombination aus traditionellem Schienenersatzverkehr mit Bussen und der neuen Fahrradoption bietet Pendler*innen erstmals eine echte Wahlmöglichkeit und könnte den Weg für ähnliche Projekte in anderen Regionen Deutschlands ebnen.



