Fahrlehrerverbände wehren sich scharf gegen geplante Führerscheinreform
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) hat mit deutlicher Kritik auf die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vorgestellten Pläne zur Führerscheinreform reagiert. Der Vize-Vorsitzende der BVF, Kurt Bartels, bezeichnete den Reformvorschlag in der „Rheinischen Post“ als „absolut entsetzlich“ und sprach von einem „massiven Angriff auf die Verkehrssicherheit“.
Kritik an Laienausbildung und Online-Theorie
Schnieder hatte am Mittwoch die überarbeiteten Eckpunkte zur Reform präsentiert, die unter anderem die Erprobung einer sogenannten „Laienausbildung“ vorsehen. Dabei könnten Fahrschülerinnen und -schüler Fahrpraxis mit nahestehenden Personen im privaten Umfeld erwerben. Zudem soll die Vorbereitung auf die Theorieprüfung komplett online, beispielsweise über Apps, möglich sein.
Bartels äußerte dazu deutliche Bedenken: „Viele Themenbereiche können nur im Präsenzunterricht vermittelt werden.“ Er verwies auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, wo Distanzunterricht nicht zu besseren, sondern teilweise schlechteren Ergebnissen geführt habe. Der BVF-Vertreter betonte, dass mit den Reformvorschlägen keine Kosteneinsparungen verbunden seien und kritisierte sie als „rein politische Äußerungen, die an der Wirklichkeit vorbeigehen“.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf Fahrschulen
Parallel zur politischen Diskussion berichten Fahrschulen bereits von erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Fahrlehrerverbänden ergab Einbrüche bei Anmeldungen von bis zu 70 Prozent. Reiner Nuthmann, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Sachsen-Anhalt, bezeichnete die Entwicklung für zahlreiche Betriebe als „hochproblematisch“.
Kurt Bartels, der auch Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein ist, sprach von einem deutlichen „Schnieder-Effekt“. Viele potenzielle Fahrschüler würden aktuell abwarten, da die Pläne des Verkehrsministers eine Senkung der Preise suggerierten. Diese Einschätzung teilte Daniel Boßlet, Vorsitzender des saarländischen Fahrlehrerverbandes, der ebenfalls vor verfrühten Erwartungen warnte.
Verkehrsministerium und Sicherheitsbedenken
Die scharfe Kritik der Fahrlehrerverbände richtet sich insbesondere gegen die geplanten Änderungen bei der Ausbildung. Bartels betonte, dass „das System in Deutschland auf die Verkehrssicherheit ausgelegt ist“ und warnte davor, dass diese Grundlage durch die Reformpläne ausgehöhlt werden könnte. Die Verbände fordern eine Überarbeitung der Vorschläge, die die bewährten Standards der Fahrschulausbildung berücksichtigt und die Sicherheit im Straßenverkehr nicht gefährdet.



