ICE-Verbindung Hamburg-Berlin: Fahrzeit verlängert sich trotz Sanierung
Bahnreisende zwischen Hamburg und Berlin müssen sich auf eine längere Fahrzeit einstellen. Trotz der aktuellen Generalsanierung der Strecke wird die schnellste ICE-Verbindung zwischen den beiden Metropolen künftig 107 Minuten benötigen. Das sind zwei Minuten mehr als vor den Bauarbeiten und deutlich mehr als die ursprünglich angestrebten 90 Minuten.
Sanierung verzögert sich – Fahrplanänderungen bleiben
Die Deutsche Bahn hat bestätigt, dass die Generalsanierung der Strecke nicht wie geplant Ende April abgeschlossen wird. Ein neues Fertigstellungsdatum wurde noch nicht genannt. Selbst nach Abschluss der Arbeiten wird sich die Fahrzeit jedoch nicht verkürzen, sondern sogar minimal erhöhen.
Historisch betrachtet zeigt sich eine kontinuierliche Verlängerung:
- Seit Jahren lag die schnellste Verbindung bei 103 Minuten.
- Unmittelbar vor Sanierungsbeginn wurde sie auf 105 Minuten angehoben.
- Nach den Bauarbeiten sind nun 107 Minuten geplant.
Ursprüngliches Ziel: 90 Minuten Fahrzeit
Unter dem ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn wurde die Strecke als Ersatz für den geplanten Transrapid mit dem Ziel von 90 Minuten Fahrzeit ausgebaut. Seit der Eröffnung im Jahr 2004 wurde diese Zielmarke jedoch nie erreicht. In einer Kleinen Anfrage der Grünen aus dem Jahr 2021 gab die Deutsche Bahn eine minimal fahrbare Zeit von 95 Minuten an, die sich aufgrund von Streckenalter und Verschleiß verlängert habe.
Überlastete Knotenpunkte als Grund für Verzögerungen
Eine Bahnsprecherin erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die aktuelle Verlängerung nicht auf den Streckenzustand zurückzuführen sei – schließlich werde diese ja saniert. Stattdessen liege der Grund in einem komplexen Fahrplansystem und überlasteten Bahnknotenpunkten in Hamburg und Berlin. Das Netz sei aufgrund vieler Nahverkehrszüge stark ausgelastet.
Kritik von Experten und Fahrgastvertretern
Bahn-Experte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, bezeichnet die wechselnden Begründungen der Deutschen Bahn als beunruhigend. Für Fahrgäste sei die Situation enttäuschend. Fahrgast-Vertreter Lukas Iffländer sieht das Problem in einer zu hohen Zugdichte auf dem Netz und fordert, auf einzelnen Strecken weniger Züge fahren zu lassen, um Pünktlichkeit und Fahrzeiten zu verbessern.
Die anhaltenden Verzögerungen und die verlängerte Fahrzeit werfen Fragen zur Effizienz der Bahninfrastruktur und zur Zukunft des Schienenverkehrs zwischen zwei der wichtigsten deutschen Metropolen auf.



