Ein Jahr Radweg in Karstädt: Bürger feiern Erfolg gegen Verwaltungsirrsinn
Ein ganzes Jahr ist vergangen, seit die Bürger von Karstädt ihren geliebten Radweg zurückerhalten haben. Was zunächst wie ein Akt des Verwaltungswahnsinns erschien, endete im Februar 2025 mit einem triumphalen Erfolg für die Gemeinde. Am vergangenen Sonnabend feierten mehr als hundert Einwohner dieses Jubiläum mit einem fröhlichen Bürgerfest bei Motorradhändler und Postfiliale Hein dem Prignitzer.
Jahrzehntealte Praxis plötzlich infrage gestellt
Jahrzehntelang teilten sich Fußgänger und Radfahrer in Karstädt problemlos den Gehweg entlang der Hauptstraße. Diese bewährte Praxis wurde jedoch 2024 abrupt beendet, als im Zuge einer umfassenden Straßenerneuerung die Planer keinen Platz mehr für einen Radweg vorsahen. „Niemand hatte verstanden, dass etwas, das jahrzehntelang funktionierte, plötzlich weg war“, erinnerte sich Ortsvorsteherin Angela Hüter während der Feierlichkeiten.
Die Konsequenz war besorgniserregend: Schulkinder und ältere Mitbürger sollten fortan auf die stark befahrene Ortsdurchfahrt ausweichen, eine Landesstraße, die regelmäßig von Lkw und Treckern genutzt wird. „Wir hatten schlicht Angst, die Straße zu benutzen“, berichtete die 64-jährige Karstädterin Rita Schulz unserer Redaktion.
Monatelanger Bürgerprotest führt zum Erfolg
Was folgte, war ein monatelanger Kampf der Karstädter Bevölkerung gegen bürokratische Vorschriften und eine zunächst unaufmerksame Verwaltung. Das BürgerBündnisKarstädt (BBK) führte die Proteste an, nachdem ein erster Bericht in der Lokalzeitung Mitte Mai 2024 auf das Problem aufmerksam gemacht hatte.
Die Lösung erwies sich am Ende als überraschend simpel: „Der war auch vorher schon so, eigentlich sind nur die Schilder ausgetauscht worden“, erklärte Rita Schulz. Durch eine Ausnahmegenehmigung in den Paragraphen wurde die gleichzeitige Nutzung des Fußwegs als Radweg wieder ermöglicht – ohne dass der Gehweg verbreitert werden musste.
Demokratischer Erfolg mit bittersüßem Beigeschmack
Während die Kommunalwahlen im Sommer 2024 dem BBK ein hervorragendes Wahlergebnis bescherten, blieb der Kampf um den Radweg nicht ohne Opfer. Ortsvorsteherin Hüter berichtete: „Ich weiß von mindestens zwei Bürgern, die mehrere dutzend Euro Strafe zahlen mussten, weil sie mit ihrem Rad nicht auf der gefährlichen Hauptstraße fahren wollten.“
Dennoch überwog am Sonnabend die Freude über den demokratischen Erfolg. „Heute wollen wir feiern, dass man etwas bewegen kann, mit demokratischen Mitteln“, betonte Hüter, die auch Co-Chefin des BBK ist. Bei Bratwurst, Schmalzstullen, kühlen und heißen Getränken sowie musikalischer Begleitung der Premsliner Blasmusikanten genossen die Bürger ihren hart erkämpften Erfolg für mehr Verkehrssicherheit.
Alltägliche Nutzung bestätigt Praxistauglichkeit
Die tägliche Erfahrung der Karstädter beweist, dass die wiedergewonnene Lösung optimal funktioniert. Rita Schulz, die regelmäßig mit dem Rad zum Frisör nach Postlin fährt, bestätigte: „Hier nimmt man aufeinander Rücksicht. Da ist nie etwas passiert, auch nicht vor der Sanierung.“
Angelika Mertins (82), Dagmar Engel (79) und Rita Schulz (64) zeigten sich auf der Feier besonders erleichtert über die Rückkehr ihres Radwegs. Für sie und viele andere Karstädter bedeutet dieser Erfolg nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch die Bestätigung, dass bürgerliches Engagement in der Demokratie Früchte tragen kann.



