Leitplanken erschweren Landwirten das Manövrieren auf engen Straßen
In der Region Hagenow und im gesamten Landkreis Ludwigslust-Parchim sehen sich Landwirte und LKW-Fahrer mit einem wachsenden Problem konfrontiert: Die zunehmende Installation von Leitplanken entlang der Straßenrände nimmt ihnen die Möglichkeit, bei Begegnungen mit anderen großen Fahrzeugen auszuweichen. Während die Metallschienen eigentlich dazu dienen, Autofahrer bei Kontrollverlust vor schweren Unfällen zu bewahren, werden sie für die Betreiber landwirtschaftlicher Großgeräte zur zusätzlichen Gefahrenquelle.
Ausweichmanöver werden zur Millimeterarbeit
„Die Leitplanken machen uns das Ausweichen auf den Randstreifen unmöglich“, erklärt Tim Schmüser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ludwigslust. Besonders kritisch sei die Situation an Autobahnzubringern, wo sich der Verkehr von LKW und Landmaschinen bündele. „Wenn große Landmaschinen auf LKW treffen, wird das mit Leitplanken zur Millimeterarbeit“, führt Schmüser aus. Ohne die Begrenzungen könnten beide Fahrzeugtypen auf den Seitenstreifen ausweichen und problemlos aneinander vorbeifahren.
Frank Piehl, Amtskollege aus dem Kreisbauernverband Parchim, unterstützt diese Einschätzung: „Die Landmaschinen werden immer größer und mit Sondergenehmigung dürfen wir mit bis zu vier Meter breiten Geräten auf der Straße unterwegs sein“. Er verweist darauf, dass sich jeder vorstellen könne, wie eng es zwischen Leitplanken werde, wenn sich zwei solcher Maschinen entgegenkämen. Beide Landwirte kritisieren, dass dieses Problem seit Langem bekannt sei, aber bei Planungsentscheidungen für Leitplanken kaum berücksichtigt werde.
Kompromisslösungen aus anderen Bundesländern
Andere Regionen Deutschlands zeigen, dass es durchaus alternative Ansätze gibt. In Bayern und Niedersachsen existieren Bestrebungen, im ländlichen Raum bewusst mehr Platz zwischen Straßenrand und Leitplanken freizulassen. Diese Maßnahmen berücksichtigen explizit den Platzbedarf großer Landmaschinen und könnten als Vorbild für Mecklenburg-Vorpommern dienen.
Verkehrssicherheit versus landwirtschaftliche Praxis
Andreas Bonin, Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, erläutert die aktuelle Planungslogik: „Die Entscheidung, Leit- oder genau genommen Schutzplanken aufzustellen, wird danach entschieden, ob der betreffende Straßenabschnitt ein besonders hohes Unfallrisiko aufweist“. Im Landkreis seien insbesondere historische Alleen betroffen, wo Bäume oft näher an der Straße stünden als die heute geforderten drei Meter Sicherheitsabstand.
Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern zeigt Verständnis für die Anliegen der Landwirte. Sprecher André Horn räumt ein: „Gerade in der Erntezeit, wenn häufiger breite landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs sind, kann das Begegnungen erschweren und in einzelnen Situationen dazu führen, dass langsamer gefahren oder kurz gewartet werden muss“.
Das Amt versuche, wo möglich, Querschnittseinengungen zu minimieren. Horn appelliert jedoch auch an gegenseitige Rücksichtnahme: „Wenn sich dennoch nicht jede Beeinträchtigung vermeiden lässt, bitten wir um Verständnis – und um gegenseitige Rücksichtnahme“. Die Diskussion zeigt deutlich den Spagat zwischen Verkehrssicherheit für alle und den praktischen Erfordernissen der Landwirtschaft.



