Massiver Pilotenstreik bei Lufthansa legt Luftverkehr lahm
Passagiere der Lufthansa-Gruppe müssen sich auf erhebliche Reisebeeinträchtigungen einstellen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat für Donnerstag und Freitag, den 12. und 13. März 2026, einen umfassenden 48-Stunden-Streik angekündigt, der Hunderte Flüge zum Erliegen bringen wird. Dieser Arbeitskampf betrifft erstmals nicht nur die Lufthansa-Kerngesellschaft und ihre Frachttochter Lufthansa Cargo, sondern erstreckt sich auch auf die Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline.
Ausnahmen für Nahost-Flüge und beteiligte Betriebe
In einer bemerkenswerten Entscheidung hat die Gewerkschaft von Streikmaßnahmen auf Flügen in den arabischen Raum abgesehen. Konkret sind folgende Destinationen vom Arbeitskampf ausgenommen:
- Ägypten, Aserbaidschan, Bahrain und Irak
- Israel, Jemen, Jordanien und Katar
- Kuwait, Libanon, Oman und Saudi-Arabien
- Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
Die Piloten der drei bestreikten Flugbetriebe hatten sich in Urabstimmungen klar für Arbeitskampfmaßnahmen ausgesprochen. Bei Eurowings läuft eine entsprechende Abstimmung erst am kommenden Montag aus, weshalb sich deren Beschäftigte an der aktuellen Streikwelle nicht beteiligen werden.
Hintergründe des Tarifkonflikts
Es handelt sich bereits um die zweite Streikwelle in der laufenden Tarifauseinandersetzung bei der Lufthansa-Kerngesellschaft. Bereits am 12. Februar hatten die Piloten für einen Tag die Arbeit niedergelegt, was zum Ausfall von mehr als 800 Flügen mit rund 100.000 betroffenen Passagieren führte.
Der aktuelle Konflikt entzündet sich laut Gewerkschaftsangaben an ergebnislosen Verhandlungen über die Betriebsrenten bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. VC-Präsident Andreas Pinheiro betont, dass weiterhin kein substanzielles Angebot vorliege: „Es hilft nicht, wenn die Gegenseite nur Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber nicht über wesentliche Verbesserungen der betrieblichen Altersversorgung sprechen möchte.“
Arne Karstens, Sprecher der Tarifkommission, ergänzt: „Sieben Verhandlungsrunden, lange Bedenkzeiten und sogar ein vermittelndes Angebot – all das hat der Arbeitgeber verstreichen lassen. Jetzt reden wir erst weiter, wenn ein verhandlungsfähiges Angebot vorliegt.“
Besondere Situation bei Lufthansa Cityline
Die Cityline, die für die Kerngesellschaft regionale Zubringerflüge durchführt, betreibt 30 Jets und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten. Interessanterweise soll der Flugbetrieb dieser Gesellschaft nach Konzernangaben im kommenden Jahr auslaufen, wobei ihre Verbindungen auf die neue Tochtergesellschaft Lufthansa City Airlines übergehen sollen.
Die Gewerkschaft betont, dass diese geplante Schließung nichts mit den aktuellen Tarifverhandlungen zu tun habe. Die VC fordert für die Jahre 2024 bis 2026 jährliche Vergütungsanpassungen von jeweils 3,3 Prozent. Ein erstes Angebot der Arbeitgeberseite wurde abgelehnt, da es eine Friedenspflicht bis Ende 2027 vorsah.
Management-Position und weitere Entwicklungen
Die Lufthansa hatte nach dem vorherigen Streik kostenneutrale Reformen des Betriebsrentensystems vorgeschlagen, um anschließend mit externer Moderation über die grundsätzliche Organisation des Flugbetriebs zu verhandeln. Vorstandschef Carsten Spohr erklärte, dass die Karrierechancen der einzelnen Piloten die Beschäftigten weit mehr interessierten als das ohnehin auskömmliche Betriebsrentensystem.
Die Gewerkschaft reagierte zunächst ablehnend auf diesen neuen Vorstoß des Managements. Sie kritisiert seit längerem die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben wie City Airlines und Discover die Arbeitsbedingungen bei den etablierten Konzerngesellschaften unter Druck zu setzen. Aus rechtlichen Gründen konzentriert sich die VC in den Verhandlungen jedoch ausschließlich auf Forderungen, die tarifvertraglich regelbar sind.
Parallel dazu finden Gespräche mit der Kabinengewerkschaft Ufo zum Manteltarifvertrag statt, wie aus Konzernkreisen verlautet. Die Passagiere müssen sich indes auf weitere Unannehmlichkeiten einstellen, da der Tarifkonflikt vorerst ungelöst bleibt.



