Warnstreik legt Münchner Nahverkehr lahm: Millionenschäden für den Handel
Am Dienstag hat die Gewerkschaft Verdi erneut zu einem Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr in Bayern aufgerufen. Dieser legt U-Bahn, Bus und Tram in München sowie in weiteren Städten wie Nürnberg, Augsburg und Regensburg weitgehend lahm. Die Aktion zielt darauf ab, Druck vor der fünften Verhandlungsrunde für den kommunalen Nahverkehr in Bayern aufzubauen. Nicht betroffen sind S- und Regionalbahnen.
Eingeschränkte Grundversorgung und massive Auswirkungen
In München versucht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), eine minimale Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Durch den Einsatz privater Omnibusunternehmen und begrenztem Personal sollen etwa die Hälfte der Busse sowie einige Tram- und U-Bahn-Linien, insbesondere die Tramlinie 20 und die U6, in Betrieb bleiben. Dennoch rät die MVG Fahrgästen dringend, auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice zu nutzen.
Die Auswirkungen des Streiks sind vor allem für den Handel in der Münchner Innenstadt dramatisch. Laut einem Gutachten des Wirtschaftsreferats sind rund 100.000 Beschäftigte von den Verkehrseinschränkungen betroffen. Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Verbands der Münchner Innenstadthändler Citypartner, erklärt: "Der Schaden geht in die Millionen." Neben Handel, Gastronomie und Dienstleistungen seien auch Kulturbetriebe wie Theater und Museen betroffen, da Besucher und Mitarbeiter nicht mehr in die Stadt gelangen können.
Kritik von Handel und Gastronomie
Die Innenstadt leidet ohnehin unter den Folgen einer kürzlichen Sperrung der Stammstrecke zwischen Stachus und Ostbahnhof, die zu Umsatzrückgängen von bis zu 35 Prozent führte. Fischer betont, dass Verständnis für notwendige Baumaßnahmen bestehe, nicht jedoch für weitere Streiks: "Wenigstens mal ein paar Wochen ohne Einschränkung, das hätten wir uns gewünscht."
Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte, kritisiert die Situation scharf: "Wir predigen auf der einen Seite eine autofreie Innenstadt, und auf der anderen Seite kannst du scheinbar nur mit der Pferdekutsche oder Esel die Stadt erreichen. So funktioniert das mit der Belebung der Innenstadt definitiv nicht." Die Gastronomie verzeichnet an Streiktagen Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent, und Lemke warnt vor einem gefährlichen Trend: Die Menschen könnten die Lust verlieren, überhaupt in die Innenstadt zu kommen.
Hintergrund der Tarifverhandlungen
Der Streik findet am Vortag der fünften Verhandlungsrunde für den bayerischen Nahverkehr statt. Verdi hat ihre Forderungen mittlerweile leicht reduziert und fordert eine Erhöhung der Entgelte um 550 Euro in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Arbeitgeber lehnen diese Forderungen als "realitätsfern" ab, haben aber ihr Angebot verbessert.
Verdi äußert "großes Verständnis für den Frust der Fahrgäste" und betont, dass Probleme wie hohe Energiepreise politisch gelöst werden müssten, nicht auf dem Rücken der Beschäftigten. Die Gewerkschaft hofft, mit dem Streik die Verhandlungsposition zu stärken und eine Einigung zu erzielen, die die Arbeitsbedingungen im Nahverkehr verbessert.



