Münchner S-Bahn: Leichte Verbesserung bei Pünktlichkeit, aber noch kein großer Wurf
Fahrgäste der Münchner S-Bahn sind oft leidgeprüft, doch die jüngste Bilanz zeigt eine leichte Verbesserung. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) veröffentlichte ihre Jahresbilanz für 2025, die zwar Fortschritte, aber noch keine Trendwende dokumentiert.
Pünktlichkeitsquote steigt minimal an
Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 87,9 Prozent der S-Bahnen pünktlich unterwegs, was bedeutet, dass sie weniger als sechs Minuten Verspätung hatten. Im Jahr 2024 lag dieser Wert bei nur 87 Prozent. Der Anteil der komplett ausgefallenen Züge sank von 9,7 Prozent auf 8,4 Prozent.
Allerdings bleibt die S-Bahn damit meilenweit von der Zuverlässigkeit Ende der 2010er Jahre entfernt, als regelmäßig Pünktlichkeitswerte um 93 bis 94 Prozent erreicht wurden.
Große Unterschiede zwischen den Linien
Die Pünktlichkeit variiert stark zwischen den einzelnen S-Bahn-Linien:
- Die S4 von Geltendorf in Richtung Innenstadt erreichte nur eine Pünktlichkeitsquote von 83,4 Prozent.
- Die S3 aus Richtung Holzkirchen zum Ostbahnhof kam auf deutlich bessere 93,7 Prozent.
Verkehrsminister: "Noch nicht der große Wurf"
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) kommentierte die Ergebnisse: "Das sind ein paar Lichtblicke, aber noch nicht der große Wurf und auch noch nicht die erhoffte Trendumkehr." Er betonte, dass das Ziel darin bestehe, wieder Pünktlichkeitswerte wie in den 2010er-Jahren zu erreichen.
Für den neuen Münchner S-Bahn-Chef Matthias Glaub, der zum 1. Mai die Nachfolge von Heiko Büttner antritt, werde dies eine "Herkulesaufgabe". Bernreiter, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BEG ist, forderte Rückenwind durch den Bund und DB InfraGO, da eine zuverlässige Bahninfrastruktur im Raum München der Dreh- und Angelpunkt bleibe.
Marode Infrastruktur als Hauptursache
Die BEG identifizierte die marode Infrastruktur als Hauptgrund für Verspätungen: Knapp die Hälfte aller Verspätungen (47,8 Prozent) im gesamten S-Bahn-Netz wurde durch Störungen an Signalen, Weichen, Gleisen und Bahnübergängen verursacht. An einigen Stellen mussten S-Bahnen sicherheitshalber langsamer fahren, was die Züge vor allem in der zweiten Jahreshälfte unpünktlicher werden ließ.
Äußere Faktoren wie Wetter, Personen auf den Gleisen oder Notarzteinsätze waren mit 11,4 Prozent der zweithäufigste Grund für Verspätungen. Die DB Regio als Betreiberin der S-Bahn sei nur für knapp sechs Prozent der Verspätungen verantwortlich.
Bauarbeiten führen zu Ausfällen
Dass S-Bahn-Fahrten komplett ausfielen, lag 2025 überwiegend an der in die Jahre gekommenen Infrastruktur und den notwendigen Bauarbeiten zu ihrer Verbesserung. Fast zwei Drittel der Ausfälle wurden durch Bauarbeiten verursacht, für die immer wieder auch die Stammstrecke in einzelnen Abschnitten gesperrt wurde.
Mehrfach mussten kurzfristig Gleise und Weichen erneuert werden, weil Züge dort sonst nicht mehr sicher unterwegs gewesen wären. Deutlich weniger S-Bahnen fielen dagegen 2025 wegen äußerer Einflüsse aus, was auch auf errichtete Zäune an wichtigen Punkten zurückzuführen ist.
Ausblick unter neuem Management
Matthias Glaub, bisher S-Bahn-Chef in Stuttgart, betonte vor seinem Start in München, er wolle "gerade angesichts der Herausforderungen in der Infrastruktur und dem immensen Baugeschehen" innovativ sein, um die Münchner S-Bahn nachhaltig zu verbessern. BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs äußerte sich enttäuscht, da man wegen der Gegenmaßnahmen der Bahn auf eine bessere Bilanz gehofft hatte.
Die Daten zeigen, dass trotz minimaler Fortschritte die grundlegenden Probleme der Münchner S-Bahn weiterhin bestehen. Die Kombination aus alter Infrastruktur und umfangreichen Bauarbeiten stellt für Hunderttausende Pendlerinnen und Pendler täglich eine Herausforderung dar, die nur durch koordinierte Anstrengungen von Land, Bund und Bahnunternehmen gelöst werden kann.



