Bayern: Warnstreiks im Nahverkehr weiten sich aus
Die Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Bayern gehen in eine neue Runde und erfassen immer mehr Städte. Nachdem bereits in Bamberg Busse im Depot blieben, plant die Gewerkschaft Verdi nun Ausstände in weiteren bayerischen Kommunen. Besonders im Fokus steht die Landeshauptstadt München, wo erneut massive Beeinträchtigungen im Verkehrsnetz drohen.
München: Drohende Verkehrsausfälle bei U-Bahn, Straßenbahn und Bussen
Haris Softic von Verdi München äußert sich deutlich zur Situation: "Angesichts der Erfahrungen aus den Gesprächen der zweiten Runde habe ich so meine Zweifel, dass sich vorher noch etwas tut und sich die Arbeitgeber bewegen." Sollte sich dies bewahrheiten, "wird es vor dem 9. März auf jeden Fall etwas geben – und wir halten uns offen, ob einmal oder vielleicht auch zweimal etwas passiert", so der Gewerkschaftssekretär. Damit rechnet er mit weiteren Warnstreiks im Münchner Nahverkehr.
Forderungen der Gewerkschaft: Entgeltsteigerung und Arbeitszeitverbesserungen
Verdi beharrt weiterhin auf ihren zentralen Forderungen:
- Eine monatliche Entgeltsteigerung von 668,75 Euro
- Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit
- Einführung einer Mindestruhezeit von elf Stunden
Diese Punkte seien laut Gewerkschaftsvertretern kein Luxus, sondern notwendige Voraussetzungen, um Personal zu halten und neue Mitarbeiter für die Verkehrsbetriebe zu gewinnen. Die Gewerkschaft appelliert an das Verständnis der Fahrgäste: "Die Streiks sind nicht gegen Euch gerichtet. Aber wer morgen einen ausgeschlafenen Fahrer will und übermorgen noch einen funktionierenden ÖPNV, der muss heute ins Personal investieren."
Streikplan: Bamberg, Augsburg, Regensburg, Passau und Landshut betroffen
Die konkreten Streiktermine sehen wie folgt aus:
- Bamberg: Warnstreiks am Dienstag und Mittwoch – Busse blieben seit 6 Uhr im Depot
- Augsburg: Ganztägiger Ausstand am Donnerstag
- Regensburg: Streiks am Donnerstag und Freitag
- Passau und Landshut: Ausstände am Freitag
In Bamberg haben die Stadtwerke einen Notfallfahrplan mit einem privaten Busunternehmen eingerichtet. Besonders schwierig wird die Situation am Nachmittag, wenn der Faschingsumzug durch die Stadt zieht.
Verhandlungen festgefahren – Gewerkschaft droht mit Eskalation
Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für den bayerischen Nahverkehr endete Ende vergangener Woche ergebnislos. Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 9. März will Verdi die Streikaktionen fortsetzen und ausweiten. Sinan Öztürk, stellvertretender Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, betont: "Wir werden die Streiks ausweiten. Das war verhinderbar. Ein ernstzunehmendes Angebot hätte weitere Streiks abgewendet."
Die Gewerkschaft kündigt ihre Streikpläne üblicherweise 36 bis 48 Stunden vor Beginn an, um die Bevölkerung nicht zu kurzfristig zu informieren. Bei der letzten Streikaktion am 13. Februar erfolgte die Ankündigung zwei Tage zuvor. Sollten sich die Arbeitgeber nicht bewegen, droht Bayern weiteres Verkehrschaos im Nahverkehr.



