Schock für Pendler: Prignitz bleibt länger vom Bahnverkehr abgeschnitten als geplant
Prignitz: Bahnstrecke Berlin-Hamburg länger gesperrt

Schock für Pendler: Prignitz bleibt länger vom Bahnverkehr abgeschnitten

Eine Horror-Nachricht erreicht Pendler aus der Prignitz: Die Bahnsperrung auf der wichtigen Strecke zwischen Berlin und Hamburg wird sich deutlich länger hinziehen als ursprünglich angekündigt. Nach Angaben der Deutschen Bahn verzögern sich die Bauarbeiten aufgrund des anhaltend frostigen Winterwetters. Die für Anfang Mai geplante Wiedereröffnung muss verschoben werden, ein neuer Zeitplan soll am 13. März bekannt gegeben werden.

Pendlerin fordert Zugeständnisse der Bahn

Für Birgit Karstädt aus Wittenberge kommt diese Nachricht einem Schock gleich. „Ich bin sprachlos. Das dauert ja am Ende fast ein Jahr“, erklärt die Pendlerin, die täglich nach Berlin pendelt. Sie hat eine konkrete Forderung an die Bahn: „Jetzt müsste die Bahn einlenken, dass wir den ICE von Berlin nach Stendal mit dem Deutschlandticket nutzen dürfen.“

Ihr aktueller Pendelweg ist bereits jetzt eine Tortur:

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  • Frühmorgens fährt sie mit dem Bus von Wittenberge nach Stendal
  • Von Stendal aus geht es weiter mit dem Zug nach Berlin
  • Abends muss sie über Berlin-Gesundbrunnen mit dem Regionalexpress RE6 nach Perleberg zurückfahren
  • Ab März wird der RE6 vermutlich erst in Hennigsdorf eingesetzt, was zusätzliche S-Bahn-Fahrten nötig macht

„Da bin ich vier Stunden bis nach Hause unterwegs“, klagt Karstädt. Morgens beginnt ihre Reise um 5.30 Uhr, abends muss sie um 16.30 Uhr die Arbeit verlassen, um gegen 20.30 Uhr wieder in Wittenberge zu sein. „Die Belastung ist schon sehr groß“, berichtet sie.

Unverständnis über mangelnde Winterplanung

Auch Stefan Hoch aus Wittenberge ist schockiert über die Verzögerung. Der tägliche Pendler nach Berlin kann weder Homeoffice nutzen noch sich eine Wohnung in der Hauptstadt leisten. „Es ist eine Katastrophe“, sagt er. Dass die Projektleiter der Bahn nur einen Zeitpuffer von drei Wochen für den Winter eingeplant haben, ist für ihn unverständlich: „Wenn ich schon eine Bauphase über das Winterhalbjahr habe, dann muss ich auch damit rechnen, dass mal der Winter kommt.“

Hoch pendelt mittlerweile mit dem Auto von Wittenberge nach Stendal, da die Ersatzbusse als unzuverlässig gelten. Von Stendal aus fährt er dann mit dem Zug nach Berlin weiter. Diese Lösung verursacht zusätzliche Kosten: „Ich habe mit den Parkgebühren 350 Euro Kosten.“ Sein Tagesablauf ist extrem: Um 4.40 Uhr bricht er auf, gegen 18.20 Uhr ist er zu Hause, spätestens um 21 Uhr geht er ins Bett.

Politiker fordern zügige Fertigstellung

Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos) spricht von einer „schlechten Nachricht für die Prignitz“. „Für die Stadt und die Region ist die Anbindung im Regional- und Fernverkehr von zentraler Bedeutung“, unterstreicht er. Dies zeige sich nicht zuletzt an den erheblichen Investitionen in die Entwicklung des Bahnhofsareals. „Das neue Bahnhofsumfeld und das Empfangsgebäude sollen noch in diesem Jahr eingeweiht werden“, so Hermann weiter. „Wir erwarten, dass die notwendigen Arbeiten nun zügig umgesetzt werden und die Strecke schnellstmöglich wieder befahrbar ist.“

Prignitzer Landrat Christian Müller (SPD) bezeichnet die Verzögerung als „ärgerlich“. „Ich nehme die Bahn beim Wort, dass der in der Tat harte Winter die Hauptursache ist und dass das Unternehmen Maßnahmen ergreift, die eine zeitnahe Fertigstellung ermöglichen“, erklärt Müller. „Im Interesse der Region und der Bahnkunden sollte die Verzögerung so kurz wie irgend möglich ausfallen.“

Die Bushaltestellen für den Schienenersatzverkehr am Wittenberger Bahnhof sind mittlerweile Richtung Schillerplatz umgezogen. Laut unbestätigten Berichten könnte sich die Verzögerung auf bis zu sechs Wochen belaufen, was die bereits jetzt strapazierten Pendler zusätzlich belasten würde.

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