Prignitzer Bürger werden zu Haltestellen-Ansagern: Neue Stimmen für kommunale Busse
Prignitzer Bürger werden zu Haltestellen-Ansagern

Prignitzer Bürger werden zu Haltestellen-Ansagern: Neue Stimmen für kommunale Busse

Im Landkreis Prignitz werden künftig die Stimmen der Einheimischen durch die Busse hallen. Mehr als 40 Bürger haben sich einem Aufruf der Kreisverwaltung angeschlossen und die Namen aller rund 700 Bushaltestellen in der Region aufgenommen. Diese persönlichen Ansagen werden ab dem 1. August in den neuen Bussen der kommunalen Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP) zu hören sein.

Eine kreative Idee für mehr Bürgerbeteiligung

Die Initiative entstand aus dem Wunsch, den öffentlichen Nahverkehr stärker in die Hände der Bevölkerung zu legen. Geschäftsführer Tobias Heuer von der VGP und die Kreisverwaltung lehnten künstlich erzeugte Stimmen oder professionelle Sprecher bewusst ab. Stattdessen sollten echte Prignitzer für eine authentische Atmosphäre sorgen. Bis Mitte März konnten sich Interessierte mit einer kurzen Stimmprobe bei der Pressestelle des Landkreises bewerben.

Über 60 Personen meldeten sich für die ungewöhnliche Aufgabe. Pressereferentin Gina Werthe erklärt: „Wir haben nur ganz wenige Bewerber aussortiert, weil die Stimmprobe nicht gepasst hat.“ Bewerbungen aus Potsdam oder Berlin wurden nicht berücksichtigt, da ausschließlich Sprecher aus der Prignitz ausgewählt werden sollten.

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Neubürgerin findet ihren Platz

Eine der Teilnehmerinnen ist Raika Linstaedt aus Halenbeck-Rohlsdorf. Die 31-Jährige ist erst vor zwei Monaten ins Amt Meyenburg gezogen und sieht in der Aktion eine Möglichkeit, sich in ihrer neuen Heimat einzubringen. „Das ist eine kreative Art, hier anzukommen“, sagt sie. Mit Begeisterung spricht sie nicht nur Haltestellennamen ein, sondern auch zusätzliche Ansagen für Endstationen oder Sicherheitshinweise.

Ihre Motivation ist vielfältig: Ein starkes Interesse am Synchronsprechen treibt sie an, und sie freut sich darauf, ihre eigene Stimme ab August in den Bussen zu hören. „Ich werde dann auch einmal mit dem Bus fahren“, verrät sie lächelnd.

Prominente Stimmen und junge Talente

Unter den Ansagern finden sich einige besondere Persönlichkeiten. Der Schauspieler und Ehrenbürger von Wittenberge, Udo Schenk, wird für das Stadtzentrum der Elbestadt die Haltestellen ansagen. Landrat Christian Müller übernimmt die Ansagen für die Stopps am Kreishaus und Kreisarchiv. Acht Kinder beteiligen sich an dem Projekt und sprechen die Durchsagen für die Grundschulen im Kreis ein.

Für jede Gemeinde oder jedes Amt wurden unterschiedliche Sprecher ausgewählt. In größeren Städten werden sogar mehrere Personen zu hören sein, was die Vielfalt der regionalen Stimmen unterstreicht.

Rekommunalisierung des Busverkehrs

Hinter der Aktion steht ein größerer Wandel: Zum 1. August übernimmt die VGP den gesamten Busverkehr im Landkreis, da der Vertrag mit der Arge Prignitzbus ausläuft. Geschäftsführer Heuer betont: „Für die Prignitzer soll die Aktion widerspiegeln, dass sie mehr Einfluss auf den Busverkehr haben.“ Die Rekommunalisierung bedeutet nicht nur einen Wechsel des Betreibers, sondern auch eine stärkere Einbindung der Bürger in die Gestaltung des Nahverkehrs.

Drei Tage lang nimmt Gina Werthe mit den rund 40 Sprechern die Ansagen auf. Jede Aufnahme wird sorgfältig geprüft, um eine klare und freundliche Durchsage zu gewährleisten. Die neuen Busse, die ab August im Einsatz sein werden, symbolisieren somit nicht nur einen technischen Fortschritt, sondern auch ein Stück gelebte Demokratie und Gemeinschaft.

Diese einzigartige Initiative zeigt, wie regionale Identität und moderne Infrastruktur Hand in Hand gehen können. Die Prignitzer dürfen sich auf vertraute Stimmen in ihren Bussen freuen – ein kleines, aber bedeutsames Zeichen für Heimatverbundenheit und Mitgestaltung.

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